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Dienstag, 16. August 2022

Schubert: Complete Symphonies & Fragments - L'Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg

Ohne Ergänzungen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schubert-Sinfonien vollständig und unvollendet – und (fast) ohne Fremdeingriffe.

Viele Mythen ranken sich um Franz Schuberts Sinfonien – und sie haben sich immer noch nicht im Musikleben verflüchtigt, obschon die Neue Schubert-Ausgabe längst die Situation korrigiert hat. Ko-Editionsleiter Michael Kube ist denn auch der Bookletautor zu diesem Live-Mitschnitt von der Schubertiade Hohenems 2018 (mit ergänzenden Aufnahmesitzungen 2018 und 2021). Wir haben hier die Sinfonien Nr. 1–6 in der üblichen Zählung, die ‚Unvollendete‘ (mit einer halben Minute Scherzo-Fragment) als Nr. 7, die große C-Dur-Sinfonie als Nr. 8. Ergänzend hören wir die unvollendet gebliebene Sinfonie E-Dur D 729, die längere Zeit als Nr. 7 lief, von der aber nur 115 Takte orchestriert vorliegen (5:46), dazu Fragmente von Orchesterwerken D 2 A, D 2 B, D 2 G, D 71 C, D 74 A und D 94 A. Keines dieser Fragmente ist länger als vier Minuten, zusammen kommen sie auf knapp 12 Minuten. Spannende neue Entdeckungen, die aber eben leider alle viel zu schnell zu Ende sind. Da freue ich mich über die philologisch vielleicht diskutablen, aber musikalisch attraktiven Ergänzungen renommierter Schubert-Forscher der Vergangenheit, die etwa Peter Gülke, Neville Marriner oder Charles Mackerras eingespielt haben.

Michi Gaigg und das Barockorchester L’Orfeo haben sich schon zuvor durch auch auf Tonträger mit Schubert befasst – die jetzige Veröffentlichung ist eine wichtige Ergänzung und hoffentlich noch nicht das Ende der Auseinandersetzung mit dem Komponisten: Einige spannende Ouvertüren und die Konzertstücke mit Violine wären noch eine dankbare weitere Produktion wert.

Wichtiger Beitrag

Bei den ‚kanonischen‘ sieben Sinfonien ist der Markt naturgemäß voll an Alternativen unterschiedlichsten Zugangs. Gaigg und ihr Orchester erweisen sich als Meister des historisch informiert dargebotenen musikalischen Tiefgangs. Frische und Prägnanz, Emotion und Transparenz zeichnen die Neueinspielungen aus, mit besonderer Ausleuchtung der ‚Zwischentöne‘, die bislang kaum je zu hören waren; vor allem auch den ‚leisen Tönen‘ wird mit viel Feingefühl nachgespürt. Leider beeinträchtigt die bei mehreren Werken die zu geringe Präsenz der Streicher die Gesamtbalance nicht selten empfindlich, so dass selbst wichtige Hauptstimmen gelegentlich fast untergehen. Besonders aufhorchen lassen in der Wahl der Tempi das Eröffnungsadagios der Ersten und der Vierten und das Finale der Fünften Sinfonie. Ansonsten bewegt sich Gaigg häufig in tradierter Tempowahl und tradiertem Formverständnis. Gaiggs Beitrag ist ein wichtiger diskografischer Beitrag zu diesem kanonischen Werkkorpus, kann aber bisherige Referenzen nicht vollumfänglich vom Thron stürzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert: Complete Symphonies & Fragments: L'Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203522828


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Schubert, Franz
 - Sinfonie Nr.1 D-Dur - Adagio. Allegro vivace
 - Sinfonie Nr.1 D-Dur - Andante
 - Sinfonie Nr.1 D-Dur - Menuetto. Allegretto. Trio
 - Sinfonie Nr.1 D-Dur - Allegro vivace
 - Ouvertüre D-Dur -
 - Sinfonie D-Dur -
 - Ouvertüre D-Dur -
 - Fragment eines Orchesterstückes D-Dur -
 - Fragment eines Orchesterstückes D-Dur -
 - Sinfonie Nr.2 B-Dur - Largo. Allegro vivace
 - Sinfonie Nr.2 B-Dur - Andante
 - Sinfonie Nr.2 B-Dur - Menuetto. Allegro vivace. Trio
 - Sinfonie Nr.2 B-Dur - Presto vivace
 - Fragement eines Orchesterstückes B-Dur -


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Dirigent(en):Gaigg, Michi
Orchester/Ensemble:L'Orfeo Barockorchester


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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