> > > Werke von Bach-Busoni, Chopin, Liszt: The Welte Mignon Mystery Vol. XXIII
Montag, 16. Mai 2022

Werke von Bach-Busoni, Chopin, Liszt - The Welte Mignon Mystery Vol. XXIII

Aus den Anfängen der Klangaufzeichnung


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ganz ohne Rauschen: Busoni spielt 1905 und 1907 Chopin und Liszt.

1904 trat die Freiburger Firma M. Welte & Söhne mit einer kleinen Sensation an die Öffentlichkeit: einem Lochbandsystem, das die bisherigen Musikautomaten flach und blass aussehen ließ: Welte Mignon – ein Reproduktionssystem, das nicht einfach nur Musik wiedergeben konnte, sondern viel feinere Schattierungen und rhythmische und metrische Raffinessen derart differenziert wiedergeben konnte, dass sogar bekannte Interpreten und Komponisten davon überzeugt werden konnten, ins Studio zu kommen. Im Juni 1905 spielte Ferruccio Busoni in Leipzig acht Rollen ein, im März 1907 folgten fünf weitere, die eine weitere Besonderheit präsentierten konnten: die lange Spieldauer von bis zu 15 Minuten – von so etwas war die Schellackplatte noch meilenweit entfernt. Diese Aufnahmetermine sollten keineswegs die einzigen dieser Art in Busonis Karriere bleiben – in Deutschland spielte er u. a. auch für das Konkurrenzsystem Hupfeld Triphonola, und noch 1914 und 1920 ging er für die Aeolian Company nochmals ins Studio und spielte u. a. Chopins 24 Préludes op. 28 ein.

Gerade die Rollen der frühen Zeit vermitteln gelegentlich einen etwas unorganischen Klang, doch wäre es auch hier verkehrt, würde man von einer Travestie einer Interpretation sprechen wollen. Das Aufnahmesystem wurde binnen kurzer Zeit noch deutlich verfeinert, und diese Unterschiede kann man auch auf der vorliegenden Doppel-CD deutlich hören. 1905 hatte Busoni (in dieser Reihenfolge) das Bach-Busoni-Choralvorspiel ‚Nun freut euch, lieben Christen gmein‘, eine Polonaise und ein Nocturne von Chopin sowie fünf teilweise sehr substanzielle Originalwerke und Paraphrasen von Liszt, darunter die berühmte Étude d’exécution transcendante ‚La Campanella‘ und die Rigoletto-Paraphrase. Die 1907er-Sitzung bot das Regentropfen-Prélude von Chopin und vier noch umfänglichere Liszt-Werke: die Réminiscences de Norma und de Don Juan, die Fantasie über Motive aus Beethovens ‚Ruinen von Athen‘ und die Polonaise Nr. 2 E-Dur.

Beeindruckende Interpretationen

Die Welte-Rollen wurden 2012 auf einem modernen Steinway Grand mittels eines sogenannten Vorsetzers eingespielt, der die komplette Abspieltechnik enthält und jedem genormten Klavier oder Konzertflügel ‚vorgesetzt‘ werden kann. Die Differenziertheit von Busonis Spiel, auch gewisse interpretatorische Eigenheiten kommen in all diesen Einspielungen sehr gut zur Geltung. Manche Tempowahl mag man heute disputieren mögen, doch ist die Stärke der Interpretation jederzeit zu hören, die Aura des renommierten Pianisten durchaus zu spüren. Beeindruckend sind die Liszt-Interpretationen, die – das muss man sich bewusst machen – rund 115 Jahre alt sind. Und obschon Busoni nicht bei Liszt studiert hatte, begannen schon 1900 die echten Liszt-Schüler Busoni als Liszts wahren Nachfolger zu feiern. Das allein macht diese Veröffentlichung schon zu einem wichtigen, nahezu zeitlosen Dokument.

Wenn es an der Produktion etwas zu kritteln gäbe, so vielleicht die Wahl eines etwas zu ‚konventionellen‘ modernen Konzertflügels statt eines historischen Instruments, das womöglich noch zusätzliche Klangfarben hätte beisteuern können. Auch ist die musikhistorische Betrachtung von Busonis Einspielungen für Klavierrollen allzu oberflächlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Werke von Bach-Busoni, Chopin, Liszt: The Welte Mignon Mystery Vol. XXIII

Label:
Anzahl Medien:
Tacet
2
Medium:
EAN:

CD
4009850024408


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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