> > > Bach, Johann Sebastian: Sonaten & Partiten für Violine
Sonntag, 29. Mai 2022

Bach, Johann Sebastian - Sonaten & Partiten für Violine

Mehr als eigenwillig


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zumindest eigenwillig in seiner Interpretationsweise mutet das Spiel der polnischen Violinistin Joanna M¹droszkiewicz auf ihrer jüngsten Doppel- CD (erschienen bei dem Wiener Label Gramola) an. Dort stemmt sie in einem ‘Gewaltakt’ alle sechs Sonaten & Partiten Bachs für Violine Solo, die sie 2000 bis 2002 im Augustiner Lesesaal der Nationalbibliothek Wien einspielte.

Ich gebe es offen zu, die Scheiben haben mir nicht gefallen, und ich will den Lesern begründen, warum nicht: Leider ist die Intonation der Violinistin Joanna M¹droszkiewicz, die immerhin Schülerin von Arthur Grumiaux und Günter Pichler war, durchweg an vielen Stellen nicht rein, besonders in den Akkorden, Doppelgriffen (z.B. der Ciaconna) und in den hohen Lagen nimmt das unangenehme Formen an.
Des weiteren missfällt bei dieser filigranen Musik, der Umgang der Geigerin mit der Dynamik, die – besonders im unteren Drittel – überhaupt nicht sensibel ausgearbeitet ist. M¹droszkiewicz’ Crescendi erreichen sehr schnell – zu schnell – wieder den alles übertünchenden Forte-Ton, der hier fortlaufend penetrant dominiert. Auch gibt es hörbar Probleme bei den Saitenbrechungen; da ist ihre Technik, z.B. im Adagio der Sonata Nr. 3 C-Dur, mangelhaft, ausgelöst wahrscheinlich durch Defizite in der Bogenführung.

Wer es erleben möchte, wie es klingen kann in diesem zitierten Satz, der greife zu Hillary Hahns 1997er Referenzeinspielung! Die Entwicklung der Musik verläuft bei der Amerikanerin ungemein organischer, harmonischer, kraftvoller - einfach selbstverständlicher. Auch Gidon Kremers Gesamteinspielung übertrumpft die hier vorliegende Fassung.
Bei Joanna M¹droszkiewicz klingt Bach dagegen verbissen und angespannt. Es fehlt die Redlichkeit, in ihrer Art zu musizieren. Allein die ausgeklügelte, zugegeben durchdachte Artikulation, die teilweise hoch effektvoll herüberkommt, kann den Kahn nicht vor dem sinken retten. Es ergibt hier kein zusammenhängendes Ganzes.
Leider, so muss man bilanzieren, ist diese Aufnahme nicht mehr, als ein überflüssiger Kropf.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Sonaten & Partiten für Violine

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Gramola
2
01.11.2012
2:14:28
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
8003643987525
98752/53


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Bach, Johann Sebastian


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Interpret(en):Madroszkiewicz, Joanna (Violine)


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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