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Sonntag, 5. Dezember 2021

Carl Stamitz: Le jour variable - Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

Eine echte Entdeckung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch wenn seine Herkunft hörbar ist, geht Carl Stamitz als Sinfoniker einen durchaus eigenen Weg.

Den nur knappen Zeitraum von 1768 bis 1776 decken die hier vorgestellten vier Sinfonien ab, und dennoch ist die Vielfalt der Werke sowohl in stilistischer als auch konzeptioneller Hinsicht verblüffend. Scheint die Sinfonia G-Dur op. 2 Nr. III eher konventionell (und doch etwa Mozart hörbar vertraut), finden sich in der Sinfonia Es-Dur op. 6 Nr. II von 1771 und der Sinfonia d-Moll op. 15 Nr. III (für cpo schon durch l‘arte del mondo unter Werner Ehrhardt in durchaus deutlich anderer Weise interpretiert) verstärkt auch die sogenannten Mannheimer Crescendi, gleichzeitig dynamische Kontraste; doch hat Stamitz solche Techniken, die zur Zeit seiner Geburt den Geschmack bestimmt haben mögen, organisch in seine ganz zeitgenössischen Werke integriert. Carl Stamitz ist eigentlich vor allem für seine Sinfonie concertante bekannt, die leicht verfügbar sind, dennoch kaum je Aufführungen erfahren – ein typisches Zeichen der Ungerechtigkeit der Zeitläufte.

Wechselhafte Rezeption

So spannend diese drei Werke jenes ältesten Sohnes von Johann Wenzel Stamitz sind, sie werden (nicht nur in ihrem Umfang) in den Schatten gestellt durch ‚Le Jour Variable (La Promenade Royale). Grande Sinfonie pastorale‘ G-Dur, eine 1772 für Versailles entstandene Programmsinfonie. Das Schicksal des Werks ist kaum weniger wechselhaft wie die Rezeption der Musik Stamitz‘ insgesamt: Das vormals in der Preußischen Staatsbibliothek vorhandene Manuskript gilt derzeit als Kriegsverlust, und erst in neuerer Zeit wurde in der Anna Amalie Bibliothek Weimar ein Stimmensatz nachgewiesen, der aber dem desaströsen Brand zum Opfer fiel; glücklicherweise hat sich ein Mikrofilm erhalten, so dass wir hier die erste Wiederaufführung seit langer Zeit hören (auch die anderen Werke Stamitz‘, aus der Fürst Thurn und Taxis Hofbibliothek Regensburg, sind für die vorliegende Einspielung neu ediert worden). Das farbenreiche (doch eigentlich gar nicht zu opulent besetzte) Werk ist eine typische ‚Tageszeiten‘-Sinfonie, wie wir sie vor allem aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert kennen – Morgen, (Mittags)Gewitter, Nacht, mit einem Jagd-Satz als effektvollem Abschluss. Klanglich weist sie in Momenten weit auf Haydn, Beethoven und selbst Dvorák voraus, und ohne Frage muss sie als regelrechte Entdeckung bezeichnet werden; es ist mehr als bedauerlich, dass das Werk in seiner Zeit offenbar keine stärkere Verbreitung gefunden hat.

Die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens bietet die Werke in Goldbrokat voller Liebe und Wärme dar. Das Feingefühl, mit dem Stamitz‘ durchaus eigenen Klangvorstellungen nachgespürt wird, beeindruckt, und der Spaß, den die Musiker hörbar an der beschließenden Chasse haben, ist mehr als nur ansteckend; gleichzeitig ist die technische Schwierigkeit der Komposition unüberhörbar, hier in höchster Perfektion realisiert. Aufnahmetechnisch sind die vier Sinfonien in bestmöglicher Weise in hoher Transparenz und starker Tiefendimension dokumentiert. Der autoritative Booklettext rundet die erfreuliche Produktion in bestmöglicher Weise ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Carl Stamitz: Le jour variable: Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203534425


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Stamitz, Carl Philipp


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Dirigent(en):Willens, Michael Alexander
Orchester/Ensemble:Kölner Akademie


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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