> > > Rosetti, Antonio: Bassoon Concertos
Sonntag, 5. Dezember 2021

Rosetti, Antonio - Bassoon Concertos

Eindrucksvolles Debüt


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Antonio Rosetti wurde ca. 1750 als František Antonín Rößler in Böhmen geboren. Seine musikalische Laufbahn begann er als Kontrabassist an der Kapelle des Fürsten Oettingen-Wallerstein, und sie erreichte ihren Höhepunkt, als Rosetti 1789 eine Anstellung als Kapellmeister am Hof der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust fand, die er bis zu seinem Tode im Jahr 1792 inne hatte. Das sagt durchaus einiges über Rosettis Bedeutung aus, handelt es sich hier doch um einen Hof, der in dieser Zeit über eines der besten Orchester verfügte. Rosetti war zudem ein äußerst produktiver und vielseitiger Komponist, der so ziemlich jede musikalische Gattung bedient hat. Angesichts ihrer handwerklichen Meisterschaft und Ideenvielfalt hätten sich Rosettis Kompositionen, von denen die Bläserkonzerte besonders gerühmt werden, einen festen Platz im Repertoire verdient.

Im Konzertleben scheint das zwar noch nicht angekommen zu sein, auf dem Plattenmarkt gibt es mittlerweile aber eine ganz stattliche Anzahl von Einspielungen, die hauptsächlich den angesprochenen Konzerten gewidmet sind. Unter anderem wird beim Label cpo, das bekannt ist für seine rege Ausgrabungstätigkeit, momentan einiges getan, um Rosetti zu dem ihm zustehenden Ruhm zu verhelfen. Unter einigen neuen Veröffentlichungen findet sich auch eine CD mit vier Fagottkonzerten. Als Solist und Dirigent der Deutschen Kammerakademie Neuss wurde der sicher so manchem cpo-Kunden bekannte Fagottist Eckart Hübner, der als Mitglied des Albert-Schweitzer-Quintetts an einigen hochgelobten Einspielungen beteiligt war, gewonnen, der hier erstmals in der Doppelrolle als Dirigent und Solist zugleich zu erleben ist.

Fagottkonzerte erfreuten sich, nachdem dieses Blasinstrument durch technische Weiterentwicklungen endlich in der Lage war, neben der wenig emanzipierten Verstärkung der Continuo-Gruppe auch melodische Funktionen übernehmen konnte, einiger Beliebtheit. Bereits im Barock entstanden beispielsweise aus der Feder Antonio Vivaldis unzählige Konzerte, aus der Epoche der Klassik dürfte sicher Mozarts Beitrag der bekannteste sein. Auch in neuerer Zeit wurde das Fagott immer wieder gern mit virtuosen Konzerten beehrt. Bei den hier eingespielten Werken Rosettis handelt es sich um vier typisch klassische Konzerte in drei Sätzen. Im einzelnen sind das drei Konzerte in B-Dur (Murray C69, C73, C74) und ein Konzert in F-Dur (Murray C75). Die jüngeren Konzerte weisen dabei nicht nur einen deutlich ausgeprägten Personalstil auf, sondern stellen auch hohe bis höchste Anforderungen an den Solisten. Hier kann man nur nachträglich den Hut ziehen vor dem Fagottisten Christoph Ludwig Hoppius, dem diese Werke auf den Leib geschrieben worden sein dürften. Das Konzert C74 kombiniert in seinem Schlusssatz auf höchst reizvolle Weise hochvirtuoses Figurenwerk mit über ruhigen Klangflächen sich ausbreitenden rezitativischen Stellen. Das früheste der Konzerte, C69, weist klanglich eine erstaunliche Nähe zu Mozart auf. Zu Beginn des Mittelsatzes scheint Rosetti einem romantischen Klangidiom zu folgen: der Komponist paart das Fagott mit den klanglich verwandten Hörnern, erst im Verlauf des Satzes löst sich das Fagott aus diesem Mischklang zu Gunsten seiner solistischen Entfaltung. Ein heiteres und humorvolles Rondo sorgt darauf für einen augenzwinkernden Abschluss.

Eckart Hübner besteht sein Debüt auf überzeugende Weise. Nicht nur, dass er dem Part des Solisten vollends gewachsen ist und ihn mit größter Präzision, Beweglichkeit und Klangschönheit meistert, stets mit dem richtigen Gespür für den Atem der Musik, ohne in geistlose virtuose Zurschaustellung seiner Künste abzugleiten, nein, darüber hinaus führt er auch die Deutsche Kammerakademie zu einer spritzigen und packenden Wiedergabe der Stücke, die sich der solistischen Leistung des Dirigenten Hübner als vollkommen würdig erweist und sein Spiel aufs Beste ergänzt. Die Kompositionen, die durchaus auch an den Orchesterapparat gewisse Anforderungen stellen, lassen den Mitgliedern des Kammerakademie Raum, ihre technischen Fähigkeiten auszuspielen. Darüber hinaus gefällt das Ensemble über alle technische Präzision durch seine warmen Streicher und den strahlenden Hörnerklang, der einigen Sätzen eine festliche Note verleiht. Insgesamt entsteht ein absolut runder Eindruck, sämtliche Konzerte werden in einer lebendigen, spannenden und musikalisch schlüssigen Weise dargeboten.
Die hohe Tonqualität, die sich durch einen glasklaren und gut balancierten Klang auszeichnet, bereichert das Erlebnis noch. Das Fagott ist zwar vordergründig, dominiert den Klang aber nicht. Den Nachweis liefert der bereits erwähnte langsame Satz mit seinen Klangverschmelzungen. Das schön gestaltete Booklet beinhaltet einen relativ ausführlichen Text, der fachkundig und verständlich einführt in das Leben des Komponisten und die hier eingespielten Konzerte.

Diese CD ist ein weiterer Beweis, dass es lohnend ist, sich mit dem Komponisten Rosetti zu beschäftigen. Eine bessere Werbung als solch eine gelungene Einspielung ist allerdings auch kaum denkbar. Bleibt nur zu hoffen, dass Rosettis Musik angesichts solcher Produktionen auch das Gehör einer größeren Öffentlichkeit findet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rosetti, Antonio: Bassoon Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.06.2003
65:04
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0761203993628
cpo 999 936-2


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Rosetti, Antonio


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Orchester/Ensemble:Kammerakademie Neuss
Interpret(en):Hübner, Eckart (Bassoon)
Dirigent(en):Hübner, Eckart


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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