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Montag, 3. Oktober 2022

Orgelpunkt Rieger Organ St. Martin - Eckhard Manz, Orgel

Eine moderne Orgel mit alter und neuer Musik


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die neue, ungewöhnliche Rieger-Orgel in Kassel wird in vielen ihrer Möglichkeiten kongenial porträtiert.

Diese Orgel ist ein Instrument mit bisher unbekannten Möglichkeiten und Klangwirkungen. Schon der Prospekt sprengt alle Vorstellungen, die man sich vom äußeren Erscheinungsbild einer Orgel machen würde. Die optische Unterteilung, die die verschiedenen Werke einer Orgel darstellt, wird hier völlig aufgegeben zugunsten einer wellenförmigen Pfeifenreihe, die die ganze Wand einnimmt. Vor dem Prospekt ist eine Art Vorhang aus Haaren angebracht, der mittels eines Registers zum Wehen gebracht werden kann – für den Klang der Orgel hat das keine Bedeutung. Die Windzufuhr zu den Pfeifen kann an der Taste und am Register reguliert werden, so dass subtilste Klangwirkungen möglich sind. Mehrere Register enthalten Vierteltöne; sogar ein Register, in dem die Oktave in 31 Einzeltöne unterteilt ist, existiert in der dazugehörigen Chororgel, genannt Experimentalorgel. Der Umfang deckt das gesamte menschliche Hörvermögen vom tiefsten bis zum höchsten Ton ab, ja, es überschreitet sie sogar nach oben hin. Das heißt, dass jede Art von Orgelmusik spielbar ist, von den Anfängen bis zur Avantgarde.

Das Programm der vorliegenden CD ist zweigeteilt. Der erste Teil thematisiert das Pfingstgeschehen. Er gruppiert sieh um die Komposition 'Messe de la Pentrecôte', eine Pfingstmesse von Olivier Messiaen von 1950. Davor erklingt die ebenfalls pfingstliche Komposition 'Der Wind nur drüber wehet' von Otfried Büsing (*1955), die bereits viele der ungewöhnlichen Klangmöglichkeiten  zeigt, unter anderem die Verwendung von Vierteltönen. Zwischen den einzelnen Sätzen der Messe befinden sich Kompositionen alter Musik, die sich ebenfalls mit dem Pfingstgeschehen befassen: Böhm, Hieronymus Praetorius, de Grigny und Cabezón. Der zweite Teil enthält neue Musik, deren ältester Komponist, Caspar Johannes Walter, 1964 geboren wurde. Er ist der Lehrer der vier anderen Komponistinnen und Komponisten, deren drei kaum 30 Jahre alt sind. Die Stücke sind alle im Jahre 2021 komponiert worden, also ganz ‚frisch‘. Diese außerordentlich avancierte Musik wird auf der Experimentalorgel gespielt und zeigt nochmals andere Klangmöglichkeiten. Umrahmt wird das gesamte Programm von zwei Kompositionen Johann Sebastian Bachs Fantasia super 'Komm, Heiliger Geist' BWV 651 und 'Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist' BWV 667.

Souveräne Darbietung

Dem Organisten Eckhard Manz gelingen Klangbilder großer Intensität. Allein wie er in den klassischen Werken die Orgel zum Glänzen bringt, ist fast ohne Beispiel. Die Artikulation ist ein leichtes Nonlegato, so dass alle Vorgänge erkennbar werden. Die Stücke von Messiaen werden ebenso souverän dargeboten; lediglich im 'Offertoire' spielt der Komponist selbst deutlich schneller. Zu den Kompositionen von 2021 gibt es natürlich keine Vergleichsmöglichkeiten. Der Organist produziert im Auftrag der Komponisten Klänge und Klangverläufe, die man einer Orgel kaum zutrauen würde. Unbedingt hörenswert!

Das Booklet erhält nur vier Sterne, weil es die Registrierungen der einzelnen Stücke verschweigt, wo dies doch gerade angesichts der ungewöhnlichen und reichhaltigen Disposition ungemein erhellend wirken würde. Außerdem hätte man sich eine Gesamtansicht des Prospektes gewünscht. Die neue Orgel in St. Martin zu Kassel ist ein völlig zeitgemäßes Instrument, das vielleicht noch etliche Komponisten anregen wird. Die Aufnahme gehört in die Hand jedes Orgelliebhabers, der der Moderne gegenüber aufgeschlossen ist, vor allem wegen des zweiten Teiles.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Orgelpunkt Rieger Organ St. Martin: Eckhard Manz, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623222660


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Bach, Johann Sebastian
Böhm, Georg
Büsing, Otfried
Cabezón, Antonio de
Grigny, Nicolas de
Messiaen, Olivier
Praetorius, Hieronymus


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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