> > > Johannes Brahms: Alle Sinfonien: Konzerthaus Orchester Berlin, Christoph Eschenbach
Montag, 24. Januar 2022

Johannes Brahms: Alle Sinfonien - Konzerthaus Orchester Berlin, Christoph Eschenbach

Brahms zum Auftakt


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das erste CD-Projekt des Konzerthausorchesters unter Christoph Eschenbach.

Bis 2023 ist Christoph Eschenbach noch Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin, dann wird Joana Mallwitz ihn ablösen. Den anfänglichen Schwerpunkt der Zusammenarbeit bildete Brahms, als erste gemeinsame Aufnahme ist daraus die vorliegende, bei Berlin Classics erschienene Gesamteinspielung hervorgegangen. Das gleiche CD-Projekt hatte Eschenbach auch 1988 zu Beginn seiner Amtszeit beim Houston Symphony Orchestra realisiert, seine Sichtweise hat sich seither, wie er sagt, nicht fundamental verändert, aber doch weiterentwickelt. Zwei der vier Symphonien (Nummer eins und drei) sind Live-Aufnahmen vor Publikum, die anderen beiden wurden pandemiebedingt ohne Zuhörer aufgenommen. Ein kleiner Unterschied ist insoweit zu hören, ein wenig differenzierter ist das Klangbild im leeren Saal und mit etwas mehr Abstand zwischen den Instrumenten. Den Rest haben die Tontechniker weitgehend assimiliert. An Brahms-Zyklen herrscht sicherlich kein diskographischer Mangel, Gewicht hat bis heute u.a. die Karajan-Einspielung aus den 1970ern. In jüngerer Zeit haben z.B. die Wiener Symphoniker unter Philipp Jordan eine hochwertige Deutung vorgelegt, mal einen ganz anderen, aber durchaus lohnenden Brahms-Sound lieferte Nikolaus Harnoncourts Zyklus mit den Berliner Philharmonikern. Der ein oder andere hält es aber vielleicht auch mit Günter Wand oder Toscanini, nicht zu vergessen das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons.

Emotionale Präsenz

Eschenbach fällt nicht durch Interpretationsansätze auf, die aus dem Rahmen fallen. Was aber von Anfang an auffällt, ist die emotionale Präsenz, mit der er sich Brahms‘ symphonischem Œuvre nähert – bei echten Aushängeschildern der Romantik, kann er damit nicht falsch liegen. Melancholie, Pathos und schwärmerische Melodik entfalten sich unter seinem Dirigat unmittelbar, ohne ins Kitschig-Süßliche abzugleiten. Für das berühmte 'Poco allegretto' aus der Symphonie Nr. 3 F-Dur op. 90 wählt er ein vergleichsweise moderates Tempo, steigert dadurch aber nochmals die expressive Spannung. Generell zeichnen das Konzerthausorchester ein warm gesättigter Streicherklang, fein geschliffene Holz- und Blechsätze sowie hervorragende Instrumentalisten aus, zu nennen sind stellvertretend Konzertmeisterin Suyoen Kim im zweiten Satz der ersten Symphonie oder Ralf Forster im Klarinetten-Solo des „Andante“ in der dritten. Als Beispiel kann man auch das auf- und absteigende Eingangsmotiv im Kopfsatz der vierten Symphonie anführen. Das wird so charakterstark phrasiert, dass man nicht die Assoziation der Musiker der Wiener Erstaufführung teilt, die danach auf diese Stelle gehässig-scherzhaft gesungen haben sollen: ‚Es fiel/ihm wie=/der mal/nichts ein‘.  

An vorderer Front

Bei der Vierten denkt man gerne zuerst an Carlos Kleibers großartige Einspielung mit den Wiener Philharmonikern. Bis heute kann man nur bedauern, dass in dieser Konstellation keine Gesamtaufnahme entstanden ist, an dessen bedingungslos zwingende Intensität kommt auch Eschenbach hier nicht heran. Insgesamt aber eine Brahms-Box mit vielen Vorzügen, die keine Probleme hat, sich an vorderer diskographischer Front einzureihen. Ein im Booklet abgedrucktes Gespräch mit Eschenbach vervollständigt seine Sicht auf Brahms.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Johannes Brahms: Alle Sinfonien: Konzerthaus Orchester Berlin, Christoph Eschenbach

Label:
Anzahl Medien:
Berlin Classics
4
Medium:
EAN:

CD
885470020839


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Brahms, Johannes


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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