> > > Arvo Pärt: Stabat Mater: Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic
Freitag, 30. September 2022

Arvo Pärt: Stabat Mater - Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic

Inspirierte Intensität


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die BR-Ensembles fügen der Pärt-Diskografie ihres Sender-Labels mit dieser Platte einen weiteren Schmuckstein von Substanz und großer Ernsthaftigkeit hinzu.

Die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks haben unter dem Dirigat so verschiedener Interpreten wie Marcello Viotti, Ulf Schirmer, Peter Dijkstra oder Howard Arman eine mittlerweile beachtliche Diskografie zum Werk des Esten Arvo Pärt vorzuweisen. In diese Reihe fügt sich die auch die aktuell beim Hauslabel des BR erschienene Platte mit dem 'Stabat Mater' als zentralem Baustein ein. Hier sind unter der Leitung von Ivan Repušić abermals das Münchner Rundfunkorchester und der BR-Chor zu erleben, mit der erwartbaren Expertise. Neben dem chorsinfonischen Werk von gut 25 Minuten Spieldauer sind es Orchesterwerke verschiedener Entstehungszeiten, die dem Programm Kontur geben. Sie reichen von frühen Arbeiten des Reifestils wie etwa 'Fratres' und 'Summa' aus dem Jahr 1977 bis zu Kompositionen des beginnenden neuen Jahrtausends wie 'Für Lennart in memoriam', entstanden 2006. 'La Sindone' von 2005, ein Werk über das Turiner Grabtuch, erklingt in einer revidierten Fassung des Jahres 2019. Dies ist das einzige Werk, das neben den Streichern substanziell andere instrumentale Klänge enthält – Trompete, Posaune und diverses Schlagzeug.

Eindrucksvoll gerät auch der 1991 entstandene 'Silouan's Song', einem Streicherklang gewordenen Gebet gleich, voller Pausen, die wie Atemholen oder Nachsinnen wirken. 'La Sindone' weist affektiv in eine deutlich andere Richtung, weg von eher verhalten-kontemplativer Klangsuche hin zu einer dramatischeren Geste, geweitet in dynamisch forcierte Klänge. Aber auch das ist nicht untypisch, vielleicht im Kontext der anderen Sätze überraschend und eher in den instrumental-chorischen Werken größeren Zuschnitts anzutreffen, aber doch eindeutig Pärt, mit charakteristischem Schlagwerk wie Glocken und Gong.

Das 1985 ursprünglich für Streichtrio und Vokalterzett entstandene 'Stabat Mater', hier in einer Fassung für Streichorchester und gemischten Chor von 2008 zu hören, bietet einen allmählich aus den Streichern sich entfaltenden Chorklang, mit einem schwebenden Amen am Beginn. Dann entfaltet sich eine bewegtere Szenerie. Immer aber wird deutlich: So klar und ökonomisch so wenige Noten gegeneinander zu komponieren, dass jede einzelne Konstellation wichtig wird und das Geschehen dabei ästhetisch vollständig wirkt – das ist ein wesentlicher Teil der Kunst Arvo Pärts.

Erfahrung und geduldige Explikation 

Das Münchner Rundfunkorchester bietet zunächst und vor allem einen dichten, konsistenten, harmonisch gebauten Streicherklang, durchaus zuzeiten von mürber Körnigkeit. Immer wieder werden charakteristische Randklänge hervorgebracht, die Pärts Musik prägen und ihnen Weite verleihen. Überhaupt sind fein ausgehörte, spannungsvolle Streicherakkorde in weitester Lage ein wesentliches Charakteristikum dieser Musik. Dazu trifft das Orchester den affektiv schlichten Ton, nach dem Pärts Musik grundlegend verlangt. In größerer Bewegung ist das Geschehen gleichwohl gesammelt und in plastischen Registern konzentriert. In 'La Sindone' steuert Stanko Madić ein Violinsolo bei, das wie ein fein gesponnener Silberfaden vor allem in den stillen Passagen typische Stimmungen evoziert.

Der Chor klingt leicht und durchsichtig, in klar konturierten Registern – profiliert ja, aber doch geschmeidig und nicht zu eckiger Größe ausufernd, von stets gebändigter Größe. Einzelne Töne werden bewusst gegeneinandergesetzt. Jede Dissonanz, jede Konsonanz ist von Bedeutung, trägt die Musik strukturell. Und es gelingt dem Chor souverän, auch solche Passagen heikelster Offenheit und Hörbarkeit zu meistern, den Ton der Schlichtheit durch vokales Können zu nobilitieren.

Dicht und linear

Ivan Repušić bringt die Musik in durchaus nicht generell verhaltenen Tempi voran, mit ruhigem Puls zwar, aber doch atmend, nahe an einem Gebets- oder Gedankenduktus. Die überzeugende dynamische Kontrolle und Entfaltung wurden schon angedeutet. Und diese Kontrolle ist notwendig, gerade um das Gedeckte, Fahle, dabei Hochkonzentrierte in Pärts Musik angemessen zu spiegeln. Intoniert wird durchgehend mit unangefochtener Qualität, im Streichersatz durchaus lebendig schimmernd und keineswegs starr, vokal mit natürlicher Klarheit in den leicht durchhörbaren, offenen Passagen. Pärts Musik wird zutreffend und konsistent – ob mit oder ohne Text – aus einem im Grunde gebetsähnlichen Fluss heraus gezeugt und formuliert: Dicht, linear, mit etlichen merklichen und für die Wirkung integralen Zäsuren. Das Klangbild der im Sommer und Herbst 2020 entstandenen Studioaufnahme ist hochkonzentriert, fein balanciert und in den heiklen Passagen ebenso gelungen wie bei der Aufnahme größerer Energien.

Die BR-Ensembles fügen der Pärt-Diskografie ihres Sender-Labels mit dieser Platte einen weiteren Schmuckstein von Substanz und großer Ernsthaftigkeit hinzu. Ein bemerkenswertes Engagement für Arvo Pärt und seine Musik – die Qualität der Komposition verlangt nach solch kompetenten Interpreten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Arvo Pärt: Stabat Mater: Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
10.09.2021
059:24
2020
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719003352
900335


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Pärt, Arvo


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"ARVO PÄRT STABAT MATER UND INSTRUMENTALWERKE Zum 85. Geburtstag von Arvo Pärt (September 2020) und zum 75-jährigen Bestehen des BR-Chors (Mai 2021) Wie kaum einem anderen zeitgenössischen Komponisten ist es dem Esten Arvo Pärt (*1935) gelungen, die geistliche Musik auch außerhalb des Gottesdienstes wieder ins Bewusstsein einer größeren Zuhörerschaft zu bringen. Wegen ihres meditativen Charakters, der Rückbesinnung auf einfachste musikalische Grundformen, eröffnet seine Musik den Blick auf wesentliche spirituelle Momente. Dazu hat Pärt schon vor seiner Emigration aus der Sowjetunion die von ihm selbst als „Tintinnabuli-Stil“ (lat. Glöckchen) bezeichnete Art zu Komponieren erfunden. Eines der ersten wesentlichen Beispiele dieses Stils lieferte er 1977 mit der ersten Fassung von Fratres (Brüder) – noch ohne eine fest vorgeschriebene Besetzung. In seiner asketischen Strenge und beinahe liturgischen Feierlichkeit erinnert das Werk an ein gemeinschaftliches Gebet oder eine spirituelle Handlung. – Ganz diesem Klangverständnis sind jene Chor- und Instrumentalwerke verpflichtet, die BR-KLASSIK auf der neuen CD präsentiert: vier Werke für Streichorchester, La Sindone für Violine und Orchester sowie das Stabat mater für Chor und Streichorchester, die sämtliche Schaffensepochen des Komponisten zwischen 1977/1983 und 2008 abdecken. Vor allem das in seinen Klangwirkungen wie seiner 25-minütigen Aufführungsdauer eindrucksvolle Stabat mater für Chor und Streichorchester markiert den Höhepunkt des Albums. Die Musik entstand bereits 1985 im Auftrag der Alban-Berg-Stiftung für eine kleinere Besetzung; 2008 schuf Pärt, diesmal als Auftragswerk für das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich und Kristjan Järvi, den jüngsten Dirigenten der mit dem Komponisten seit Jahrzehnten eng befreundeten estnischen Musikerfamilie, eine zweite Fassung für gemischten Chor und Streichorchester. Als Zeugnis der musikalischen Selbstfindung des Komponisten darf Fratres gelten, 1977 entstanden und über die Jahre in wechselnder Gestalt für verschiedenste Besetzungen erschienen. Die Fassung für Streichorchester und Schlagzeug entstand 1983. – Ebenfalls auf 1977 geht Summa zurück, eine Vertonung des Credos aus der lateinischen Messe für Chor, von der sich die 1991 entstandene Fassung für Streichorchester ableitet. – Silouan’s Song entstand im gleichen Jahr 1991 nach einem Gebet des russisch-orthodoxen Mönchs Siluan, des Heiligen vom Berg Athos; es wird freilich nicht gesungen. – Für seinen langjährigen Weggefährten Lennart Meri schuf Pärt mit Für Lennart in Memoriam ein ähnlich wortloses Gebet für Streichorchester; es erklang erstmals am 26. März 2006 in Tallinn: im Trauergottesdienst für Lennart Meri, den Präsidenten der Republik Estland. – Das dreiteilige Orchesterwerk La Sindone wurde vom Turiner Grabtuch, dem „Sacra Sindone“ inspiriert, welches das Abbild eines Gekreuzigten zeigt und jenseits aller Echtheitsfragen mit dem Antlitz Christi identifiziert wird. Pärts Trauermusik entstand 2005. Nach TE DEUM (900511), ARVO PÄRT – LIVE (900319) und MISERERE (900527) ist STABAT MATER bereits die vierte CD, die aus der engen künstlerischen Zusammenarbeit zwischen dem Komponisten und dem Chor des Bayerischen Rundfunks erwachsen ist und in jüngster Zeit von BR-KLASSIK veröffentlicht wird. – Neben dem beeindruckenden Stabat mater bietet die neu vorgelegte CD einige der für die stilistische Entwicklung des Komponisten wesentliche Werke, die selten im Konzertrepertoire vorkommen oder auf Tonträger vorliegen. Trotz oder gerade wegen der radikalen Reduktion ihrer Ausdrucksmittel fordert die Musik Pärts von den Interpreten größte Sorgfalt in der Ausführung – in der vorliegenden Einspielung meisterhaft realisiert vom Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester unter seinem Leiter Ivan Repušić. (Die Aufnahmen entstanden im Juli und November 2020 in München unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, die wegen der COVID-19-Pandemie erlassen worden waren.) Chor des Bayerischen Rundfunks Florian Benfer, Choreinstudierung Münchner Rundfunkorchester Stanko Madić, Violine Ivan Repušić, Leitung "


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BR-Klassik

BR-KLASSIK, das Label des Bayerischen Rundfunks (BR), veröffentlicht herausragende Live-Konzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), des Chors des Bayerischen Rundfunks, des Münchner Rundfunkorchesters sowie der Konzertreihe musica viva. Dabei ist es ein wesentliches Ziel des Senders, über seine Radio- und TV-Programme hinaus auch digital sowie via CD und DVD allen Musikfreunden weltweit Zugang zu besonderen Aufnahmen zu bieten und auf diese Weise auch jenes Publikum zu erreichen, welches keine Möglichkeit hat, die Konzerte der internationalen Tourneen selbst vor Ort live zu erleben.

Neben den jeweiligen Chefdirigenten wie beispielsweise Mariss Jansons oder Sir Simon Rattle finden sich großartige Künstlerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Bernard Haitink und viele andere mehr.

Die Reihe BR-KLASSIK WISSEN liefert unterhaltsame und kurzweilige Hörbiografien von Jörg Handstein mit vielen Hintergrundinformationen und Musikbeispielen auf jeweils 4 CDs, erzählt von Udo Wachtveitl sowie spannende Werkeinführungen in bedeutende Kompositionen der Musikgeschichte.

Durch die Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE werden historische Aufnahmen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wieder verfügbar. Beispielsweise die legendäre Aufführung des Verdi-Requiems unter der Leitung Ricardo Mutis mit Jessye Norman, Agnes Baltsa, José Carreras und Jewgenij Nesterenko und dem Chor des BR im Jahr 1981 oder etwa denkwürdige Konzertabende mit der Pianistin Martha Argerich: 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr.1 unter Seiji Ozawa.

Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 200 Aufnahmen und hat bereits mehr als 50 renommierte und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den Diapason d’or, den BBC Music Magazine Award und den ICMA.

BR-KLASSIK wird weltweit durch NAXOS vertrieben. Selbstverständlich gehören hierzu auch digitale Portale wie Spotify, Apple, amazon u.v.a.. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK. 


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