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Montag, 3. Oktober 2022

Nostalgia - Magdalena Kozena, Yefim Bronfman

Nostalgische Kunst-Folklore


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Magdalena Kožená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam.

Magdalena Kožená hat beim Label Pentatone ihr mittlerweile drittes Album vorgelegt. Diesmal sind es Lieder, mit denen die Mezzosopranistin ihr Publikum umgarnt – und zwar solche, die allesamt im Volksliedhaften fußen. Im Mai 2019 traf sich Kožená in Berlin im Aufnahmestudio mit dem Pianisten Yefim Bronfman, um zwei Zyklen von Béla Bartók und Modest Mussorgsky sowie 14 Lieder von Johannes Brahms einzuspielen. Letztere Werke nehmen fast die Hälfte der 64 Minuten Spieldauer ein und runden das anspruchsvolle Programm melodiös ab.

In Bartóks 'Dorfszenen' aus dem Jahr 1924 ist die Künstlerin ganz in ihrem Idiom: Sprache, Melodik, Expressivität fließen energetisch ineinander. Magdalena Kožená singt die tschechischen Lieder mit Verve und einer guten Portion Humor. Im dritten Lied 'Hochzeit' lässt sie juchzende Schreie gellen, im 'Wiegenlied' schwingt bereits Melancholie mit, die im fünften und letzten Lied des kleinen Zyklus im Vordergrund steht. Yefim Bronfman ist Kožená in diesen Kompositionen ein umsichtiger Partner und Begleiter. Die schroffen Akkorde und schillernden Farben von Bartóks Begleitung zu den folkloristischen Melodiefragmenten kommunizieren gut mit Koženás Gesang, entfalten ihre Wirkung im kontrastreichen und spielfreudigen Balanceakt zwischen den beiden Akteuren. Was vom ersten Ton an beeindruckt, ist Koženás noch immer unverwechselbares Timbre, der warme Glanz ihres metallischen Mezzosoprans, der runde, kultivierte Klang, das bestens kontrolliert eingesetzte Vibrato.

Viel Stimmschönheit

Bei so viel Stimmschönheit wird man beim Hören gerne auch nostalgisch – passend zum Albumtitel 'Nostalgia', der neben Bartóks Liedern auch die 'Kinderstube' von Modest Mussorgsky meint. Diese sieben Lieder bilden quasi das Herzstück der CD. Bronfman und Kožená sind auf der Suche nach Farben und kurzen Situationen, die sie mit musikalischen Mitteln zu verdeutlichen suchen. Das klingt zweifellos tonschön und lebendig, aber wenn man an die Interpretation dieses Zyklus' von Irmgard Seefried oder Marjana Lipovšek denkt, dann vermisst man eine gewisse Dringlichkeit des Erzählens, eine Doppelbödigkeit, den Schritt über den kunstvollen Gesang hinaus. Kožená und Bronfman sind keine primären Geschichtenerzähler, eher ein blendend eingespieltes Duo, das sich in Klangwelten versenkt und dabei auf das Transportieren der Inhalte rein durch die Komposition vertraut.

Den Mut der Bartók-Interpretation findet man bei den Mussorgsky-Liedern nur teilweise und bei Brahms vermisst man sprachliche und damit einhergehend inhaltliche Eloquenz und Prägnanz. Das Deutsch der Künstlerin ist beileibe nicht schlecht, aber ihre Artikulation ist zu weich, um den Text wirklich verstehen zu können, ein Spiel mit den Worten erscheint nur begrenzt möglich. Bronfman greift kernig in die Tasten, genießt den dichten Klaviersatz und Magdalena Kožená gießt ihre Ausnahmestimme in berückender Art und Weise über den Melodien aus. Die Lieder geraten vor diesem Hintergrund alle recht ähnlich, auch wenn es herrlich anrührende und intensive Momente gibt wie in 'Nachtigall' oder in 'Unbewegte, laue Luft', die allein in ihrer Tongebung bestechen.

Während die Brahms-Lieder nur bedingt überzeugen, so sind vor allem mit Bartóks 'Dorfszenen' und Mussorgskys 'Kinderstube' diskografische Erweiterungen gelungen, die es allemal zu entdecken lohnt. Die abgedruckten Lied- und Einführungstexte sind, wie üblich bei Pentatone, nur in englischer Übersetzung bzw. Sprache im Beiheft zu finden. Hier wäre deutlich Luft nach oben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Nostalgia: Magdalena Kozena, Yefim Bronfman

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949077760


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Bartók, Béla
Brahms, Johannes
Mussorgsky, Modest


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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