> > > Respighi Songs: Ian Bostridge, Saskia Giogini
Samstag, 28. Mai 2022

Respighi Songs - Ian Bostridge, Saskia Giogini

Aus den Tiefen des Lieder-Waldes


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dem Lied-Duo Bostridge & Giorgini gelingt mit diesen 'Respighi Songs' ein durchaus hörenswertes Album, das so manchen Sängerinnen und Sängern als Inspiration für mögliche Liederabende dienen möge.

Denkt man an die Musik Ottorino Respighis, so kommen einem sicherlich nicht sofort seine Lieder in den Sinn. Vielmehr dürften die Tondichtungen wie seine ‚Römische Trilogie‘ oder in seltenen Fällen die ‚Vetrate di chiesa‘ präsent sein, die Opern werden noch immer nur vereinzelt gespielt. Das Liedschaffen Respighis lohnt aber eine Entdeckung, wie das aktuelle Album beim Label Pentatone von Ian Bostridge und der italienischen Pianistin Saskia Giorgini zeigt.

Im ersten Lockdown 2020, so ist es im rein englischsprachigen Beiheft nachzulesen, hat Giorgini den Liedkomponisten Respighi für sich entdeckt. Atmosphärisch und teils rätselhaft sind die vertonten Gedichte von Gabriele d’Annunzio bis Ada Negri – oft verschlägt es die Hörerschaft in nebulöse Wälder, in denen Faune umherstreichen und das Wasser von Farnen perlt. Respighi wählt vor allem Dichtungen seiner Zeitgenossen, die ihm jene emotionale und bildhafte Grundlage bieten, auf der er seine Musik entwickeln kann: schillernde Akkordfolgen, Klangflächen und glitzernde Läufe. Gerade im Klavierpart verdichten sich die harmonischen und teils melodischen Einfälle, die Saskia Giorgini mit kristallklarem Spiel und raffinierten Farben umsetzt. Auch ein Klaviersolo mit dem für das Programm zwingenden Titel ‚Notturno‘ bereichert die klangschöne CD um einen auf Giorginis Spiel konzentrierten Titel – ein berückender wie fesselnder Ruhepunkt.

Auch wenn hier und dort verschiedene Respighi-Lieder in Konzerten und Alben auftauchen, wie beispielsweise das populäre ‚Nebbie‘ oder ‚Stornellatrice‘ – so ist die diskografische Lage dieser Werke eher schlecht als befriedigend. Allein deshalb ist die vorliegende CD eine akustische Reise wert. Bostridge und seine Begleiterin spannen den Bogen von frühen Liedern Respighis bis hin zu den reiferen im Jahre 1930. Viele davon wurden für die Mezzosopranistin Chiarina Fino Savio geschrieben, eine bedeutende Inspirationsquelle für den Komponisten.

Auf der vokalen Seite beginnt die CD etwas unglücklich. Ian Bostridge präsentiert sich in ‚I fauni‘ und ‚Musica in horto‘, beide aus der Sammlung ‚Deità silvane‘, mit flackerndem Vibrato und angestrengter Stimmführung, die womöglich einer angestrebten Dramatik im Vortrag geschuldet ist. Mit ‚Acqua‘ oder ‚Crespucolo‘ findet er schließlich zu gewohnter Form und spielt seine Stärken aus: elegante Phrasierung, maximale Textdeutlichkeit, saubere Intonation, klangschöne Mittellage und ein intelligentes Mischverhältnis in der Höhe. Der Tenor lässt die besungenen Bilder und Stimmungen mühelos vor dem inneren Auge erstehen, da duftet es aus seinem Gesang, schwebend werden Farben hingetupft und Wendungen zart angedeutet, alles im Sinne einer Durchdringung von Musik und Wort. Das hat (gerade in der Fülle der hier eingespielten Lieder) jedoch auch etwas stark Manieriertes und das Ziselieren ist nicht frei von enervierendem Potenzial. Das ist nichts Neues in Bostridges authentischer Art des Gestaltens, aber man muss es mögen.

Und so entschwebt man in symbolistische Welten, lauscht dem impressionistischen Echo eines Claude Debussy und lässt sich vom Klangzauber Saskia Giorginis bezirzen. Herrlich gelingen Bostridge die ‚Scottish Songs‘, ‚Le repos en Égypte‘ oder ‚O falce di luna‘ mit der überraschend gut ansprechenden Tiefe, die in anderen Liedern eher brüchig erscheint. In ‚Nebbie‘ packt Bostridge dann auch markig zu und wagt sich effektvoll aus seiner Komfortzone.

Alles in allem gelingt dem Lied-Duo mit diesen ‚Respighi Songs‘ ein durchaus hörenswertes Album, das so manchen Sängerinnen und Sängern als Inspiration für mögliche Liederabende dienen möge.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Respighi Songs: Ian Bostridge, Saskia Giogini

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949087264


Cover vergössern

Respighi, Ottorino


Cover vergössern

Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Pentatone Classics:

  • Zur Kritik... Nostalgische Kunst-Folklore: Magdalena Kožená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Eingedampfte Konzert-Highlights: Marin Alsop befeuert die Kraft und Energie von Gershwins 'Porgy and Bess' mit einer fulminanten Angel Blue in den Sopranpartien. Leider beschränkt sich die SACD auf Highlights. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Wegen Corona ins Studio: Dieser 'Fidelio' macht in vielen Punkten definitiv Freude – auch wenn es so einige frühere Aufnahmen gibt, die tiefer schürfen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Pentatone Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Nostalgische Kunst-Folklore: Magdalena Kožená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Ein gut gemeintes Präsent: Die Wiener Symphoniker gratulieren Franz Lehár mit viel Erwartbarem zum 150. Geburtstag. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Herzenstöne: Ein so unprätentiöses und zugleich leidenschaftliches Album wie dieses von Sarah Wegener und Götz Payer hört man viel zu selten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Liebesgrüße aus Windsor: The Queen's Six können es im leichten und populären Repertoire: Eine feine Platte, frische Arrangements – ein schöner Streifzug. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klassiker wiederaufgelegt: Ein konzertanter Livemitschnitt von Tschaikowskys 'Pique Dame' in idiomatischer Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sächsische Eigentümlichkeiten: Das Ensemble Polyharmonique und das Wrocław Baroque Orchestra mit der qualitätvollen Deutung einer Franz Xaver-Vesper von Johann David Heinichen und einem vernehmlichen Plädoyer für diesen Komponisten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich