> > > Monteverdi and friends: Vespro da Camera: Musica Fiata, Roland Wilson
Sonntag, 5. Dezember 2021

Monteverdi and friends: Vespro da Camera - Musica Fiata, Roland Wilson

Venedig da Camera


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Roland Wilson und seine Musica Fiata mit einem anregend-lebendigen Bild mancher Stimme, die über Monteverdi hinausweist – und der Meister klingt mittendrin.

Der Zinkenist und Ensembleleiter Roland Wilson weist im einleitenden Essay seiner neuen, beim Label cpo erschienen Platte darauf hin, dass Claudio Monteverdi bei aller solitären Qualität, die ihm Zeitgenossen und Nachwelt mit Recht zuschreiben, mit seiner Kunst in das musikalische Venedig seiner Zeit eingebettet war. Diese Beobachtung deutet den Weg zum Programm, das Wilson mit seinem Ensemble Musica Fiata bietet – ein Programm, in dem Kollegen, Schüler und Zeitgenossen wie Giovanni Rovetta, Giovanni Rigatti, Biagio Marini, Alessandro Grandi und Dario Castello neben Monteverdi selbst vernehmliche Rollen spielen. Und das programmatisch mit geistlicher Musik für den kleinen Rahmen – abseits repräsentativer Festlichkeiten und prächtiger Besetzungen der großen Anlässe. Für diese spezifische Praxis wird es in den venezianischen Palazzi viel Raum gegeben haben, den Monteverdi und Kollegen – oder, wie es ein klein wenig reißerisch im Titel der Platte heißt, Monteverdi & Friends – ganz sicher souverän zu bespielen wussten. Zu hören sind vokal-instrumentale Sätze voller Delikatesse und Gehalt, die ein gleichermaßen hohes kompositorisches Niveau der genannten Akteure dokumentieren. Dario Castello überzeugt in den erklingenden Sonaten mit einem deutlich in Richtung instrumentaler Eigenständigkeit weisenden Idiom und ebenso eleganter wie aufregender Linearität.

Lebendig und farbenreich

Letztere Werke bieten den fünf Instrumentalisten der Kammerbesetzung der Musica Fiata reichlich Raum zur Entfaltung. Im Einzelnen sind Roland Wilson selbst auf dem Zink, Claudia Mende auf der Violine, Adrian Rovatkay auf dem Fagott, Axel Wolf auf dem Chitarrone und Arno Schneider auf der Orgel zu hören. Castellos famos farbige und dabei gestisch hochexpressive Sonaten werden in einem entwaffnend vollständigen Klang geboten, der vor allem behände und gelenkig in seiner Wirkung ist. Besonders genannt sei Adrian Rovatkay, der die reich gegliederten Basslinien in den Castello-Sätzen mit seinem agilen Fagott höchst plastisch prägt. Auch die Interaktion mit den Vokalisten gerät überzeugend. Zu hören sind die Sopranistin Marie-Luise Werneburg, der Altus Alexander Schneider, der Tenor Johannes Gaubitz und der Bass Dominik Wörner – also sämtlich profilierte Stimmen, teils seit Jahrzehnten in der ersten Reihe agierend wie Dominik Wörner, teils erst in den letzten Jahren vernehmlich in diese Sphäre eingetreten, wie zum Beispiel Marie-Luise Werneburg, die an der Gesamteinspielung der Schütz-Werke bei Carus maßgeblich beteiligt war. Es sind dies vier kenntliche und registerdeckende Einzelstimmen, die sich den vielfältigen kleinen und großen Soli souverän stellen, dazu in den allfälligen Ensembles eine feine und klangsensible Interaktion unter Beweis stellen: Gerade da laufen sie, rhythmisch präzis und lustvoll akzentuierend, zu großer Form auf. Verschiedene reduzierte Besetzungen gelingen ebenso wie einige Soli.

Makellose Intonation

Intoniert wird insgesamt makellos, vokal ist der Befund im Ensemble wie solistisch absolut unangefochten, gerät die Wirkung natürlich; auch im Zusammenwirken von vokaler und instrumentaler Sphäre ergeben sich beglückend ausgehörte Momente. Die Instrumente setzen artikulatorisch durchaus kleinteilige Akzente, wenden sich aber ebenso der eloquent aufgeladenen Linie zu wie es die Vokalisten verlässlich tun – Schönheit und Struktur geben sich versöhnt. Roland Wilson lässt das in fließenden Tempi musizieren, rhythmische Präsenz und entsprechende Eigenarten der Sätze evozieren gelegentlich den Eindruck von Rasanz. Das Klangbild ist präzis und konzentriert, ausgewogen in Struktur und Staffelung. Herausragende Einzelbeiträge wie zum Beispiel der des Fagotts kommen zur Geltung, dominieren die Szene aber nicht.

Venedig da Camera: Roland Wilson und seine Musica Fiata mit einem anregend-lebendigen Bild mancher Stimme, die über Monteverdi hinausweist – und der Meister klingt mittendrin.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Monteverdi and friends: Vespro da Camera: Musica Fiata, Roland Wilson

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203531721


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Marini, Biagio
Monteverdi, Claudio


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Dirigent(en):Wilson, Roland


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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