> > > Lutoslawski, Witold: Double Concerto
Samstag, 10. April 2021

Lutoslawski, Witold - Double Concerto

Lutoslawskis meisterhafte Nebenwerke


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Einspielung sämtlicher Orchesterwerke des Polen Witold Lutoslawski (1913-94) bei Naxos ist mittlerweile bei Folge 8 angelangt. Das Spektrum der auf dieser CD versammelten Werke ist außerordentlich breit; es reicht vom Klarinettenkonzert Dance Preludes (1955) über acht Kinderlieder aus den Jahren 1947-59 bis hin zu Grave und Chain I, Kompositionen aus den 1980er Jahren.
An zentraler Stelle  zumindest, wenn man das Cover der CD betrachtet  steht jedoch das Doppelkonzert für Oboe, Harfe und Kammerorchester, komponiert im Auftrag von Paul Sacher und unter dessen Leitung 1980 von Heinz und Ursula Holliger in Luzern uraufgeführt. Das Ehepaar Holliger ist auch Widmungsträger des Werkes.

Die aus fünf knappen Sätzen bestehenden Dance Preludes stehen am Ende einer Phase, in der sich Lutoslawski intensiv mit Folklore auseinandersetzte. Der frisch aufspielende Zbigniew Kaleta intepretiert den melodiös angelegten Solopart mit großem Ton und einer breiten dynamischen Palette, Antoni Wit hält das Orchester so weit zurück, wie es für eine Begleitung angemessen ist. Mehr Anteil am Geschehen bekommen die Orchestermusiker erst im dritten Satz, obwohl die Klarinette auch hier relativ dominant bleibt. Einem Vergleich mit Lutoslawskis großen Orchesterwerken, etwa seinen Symphonien, halten die Dance Preludes zwar nicht stand; aber es handelt sich, wie praktisch immer bei diesem Komponisten, um hervorragend gearbeitete Musik, die sich bei Kaleta und dem Polnischen Nationalen Radio-Symphonieorchester unter Wit in besten Händen befindet.

Im Doppelkonzert ist der virtuose Anspruch an die beiden Solisten erheblich höher. Vor allem dem Oboenpart kann man anhören, daß er für Heinz Holliger, den wohl weltbesten Oboisten, geschrieben wurde. Formal weist das Werk die traditionellen drei Sätze auf, aber Klangsprache und Orchesterbesetzung (zwei Schlagzeuger und zwölf Streicher) sind höchst originell. Die beiden Solisten agieren leider nicht auf dem gleichen Niveau: Arkadiusz Krupa steht schon von der Anlage des Werkes im Vordergrund und kann diese Position auch mit einer raffinierten Interpretation behaupten, während Nicolas Tulliez an der Harfe einen etwas braven Eindruck hinterlässt.

Dem einleitenden Rapsodico folgt ein klagendes Dolente, das weitgehend den beiden Solisten überlassen bleibt. Krupas Oboenspiel ist sicherlich ausgezeichnet, aber doch ein gutes Stück vom großen Holliger entfernt. Tulliez bleibt auch hier unauffällig. Das sich direkt anschließende Marziale e grotesco schließlich präsentiert dem Hörer einen wilden Ritt über die Saiten der Harfe und vor allem durch den Tonraum der Oboe, die nun bisweilen tatsächlich grotesk klingt. Zudem lassen beide Schlagzeuger jetzt deutlich von sich hören.

Metamorphosen für Cello und Streichorchester lautet der Titel der knapp sechsminütigen Komposition Grave, die Lutoslawski 1981 verfasste. Mit einigen Recht könnte man von einer Hommage an Debussy sprechen, denn das Werk beginnt mit einem Zitat aus Pelléas et Mélisande. Parallelen zu den berühmten Metamorphosen von Richard Strauss kann ich dagegen nicht erkennen. Rafael Kwiatkowski beherrscht sein Cello vor allem in de tiefen Lage vorzüglich und gibt sich einem nachdenklich Dialog mit den 13 anderen Streichern hin. An der Schnittstelle zwischen Orchester- und Kammerbesetzung tragen alle Ausführenden zu einer präzisen, wenngleich etwas spannungsarmen Interpretation bei.
Chain I ist das erste von drei Werken, in denen Lutoslawski mit einer Art kompositorischer Verkettung experimentierte. Wie Grave ist es für 14 Musiker konzipiert, die teils längere, teils geringere Solopartien innterhalb des Werkes bewältigen müssen. Leider gelingt dies den Beteiligten des Orchesters nicht immer einwandfrei, vor allem den Bläsern scheint an einigen Stellen buchstäblich die Luft auszugehen.

Die sechs Kinderlieder sind eine nette Beigabe und beweisen Lutoslawskis Meisterschaft auch in der kleinen Form. Urszula Krygers Sopranstimme ist schlackenlos und trifft einen den Liedern angemessenen Tonfall.
Insgesamt betrachtet, kann Folge acht das hohe interpretatorische Niveau der vorangegangenen Folgen leider nicht halten. Eine Bereicherung des Repertoires stellt die CD aber auf jeden Fall dar; denn Lutoslawski war, wie schon erwähnt, ein Komponist, bei dem auch die Nebenwerke Produkte höchster Kompositionskunst sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lutoslawski, Witold: Double Concerto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
11.08.2003
57:34
2001
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0747313576326
8.555763


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Lutoslawski, Witold


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Dirigent(en):Wit, Antoni
Orchester/Ensemble:Polish National Radio Symphony Orchestra


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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