> > > J.S.Bach: Toccatas: Claire Huangci, Klavier
Freitag, 28. Januar 2022

J.S.Bach: Toccatas - Claire Huangci, Klavier

Bach mit Herz und Seele


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Claire Huangci empfiehlt sich mit ihrem neuen Album für weitere Bach-Aufgaben.

Schon immer hat Bach im Leben der Pianistin Claire Huangci eine wichtige Rolle gespielt. Ab dem Alter von 10 Jahren erhielt sie Unterricht bei der berühmten Klavierpädagogin Eleanor Sokoloff, die sie jede Woche Präludien und Fugen aus dem WTC lernen ließ. Ganz im Zeichen des Thomaskantors steht Huangcis neues Album. Diskographisch sind Bachs Toccaten, zumal auf dem Klavier bislang eher stiefmütterlich behandelt worden, auch im Konzertsaal begegnet man ihnen eher selten. Mit einer Ausnahme: Die Anfangstakte der Toccata d-Moll BWV 565 kennt so gut wie jeder, von ihnen hat die Werbe- und Filmindustrie überaus regen Gebrauch gemacht.

Mit geballter musikalischer Energie und Präsenz schafft Huangci es, dass man selbst hier ganz genau hinhört. Mit den hohen technischen Anforderungen der Busoni-Bearbeitung hat Huangci keine Mühe, die vollgriffigen Akkordungetüme und rasenden Unisono-Figuren bewältigt eine Supertechnikerin wie sie mit Leichtigkeit. Die verzweigten Stimmen der Fuge sind dezidiert hörbar. Die übrigen Toccaten sind alle ‚reinrassiger‘ Bach und in ihrer Gesamtheit dessen Frühwerk zuzuordnen. In der Introduktion von BWV 915 baut sie intensiv vorbereitende Spannung auf, mit vitaler Ornamentik und gestochen scharfer Artikulation spielt sie das 'Allegro'. Klangsensibel versenkt sie sich ins 'Adagio', dynamisch fein abgestuft sind darin die Trillerfiguren. Mit elastischer Phrasierung hebt sie die Stimmen der 'Fuge' hervor, die tänzelnde kanonische Verarbeitung des Themenmaterials wirkt bei aller Strenge der Form spielerisch ungezwungen. Rhythmisch stringent gestaltet sie die 'Introduktion' der e-Moll-Toccata BWV 914, ihre tiefenscharfe Formgebung beschränkt sich nicht auf analytische Präzision, Huangcis Bachspiel hat auch Herz und Seele. Nicht nur plastisch und mit zwingendem agogischem Impetus tritt das Fugenthema hervor, Stimmen entwickeln gleichzeitig ein dynamisch aktives Eigenleben.

Kein Schablonendenken

Mit prägnanter Deutlichkeit treten die Bassgänge der linken Hand in der Einleitung von BWV 911 hervor, scharf umrissene Konturen und hellwache musikalische Ausgestaltung setzen sich durchgängig fort. Überhaupt einen Kritikpunkt zu finden, ist da schwer, wenn überhaupt, dann vielleicht, dass das 'Presto' der d-Moll-Toccata nicht wirklich ein 'Presto' ist. Am Ende nimmt man ihr aber selbst diese punktuell ungewöhnliche Tempowahl ab. Ansonsten begeistert im 'Allegro' eine signifikante Stimmführung ebenso wie fein geschwungene, in einfühlsame 'Adagio'-Sphären überleitende Arpeggien in der 'Introduktion' der fis-Moll-Toccata BWV 910.

Das Gefühl, dass hier jemand eine rein mathematische Schablone anlegt, hat man nie, Huangcis Interpretationen sind erfüllt von pulsierendem musikalischem Leben. Noch reichere Klangfarben wären auf einem anderen Flügel als dem verwendeten Yamaha CFX möglich gewesen. Das aber ist eine Frage des Instruments und nicht von Huangcis exzellentem Bachspiel. Das WTC, Suiten, Partiten oder die 'Goldberg-Variationen'? Kann man sich für hoffentlich weitere Bach-Alben bei Huangci bestens vorstellen!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    J.S.Bach: Toccatas: Claire Huangci, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Berlin Classics
1
Medium:
EAN:

CD
885470020167


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Bach, Johann Sebastian


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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