> > > Verdi: Messa da Requiem: ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, Leif Segerstam
Samstag, 23. Oktober 2021

Verdi: Messa da Requiem - ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, Leif Segerstam

Aus Zeiten problematischer ORF-Aufnahmetechnik


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Verdi-Requiem in einem Mitschnitt von 1980, das nur in einigen Einzelleistungen überzeugt.

Als Dirigent von Chormusik war uns Leif Segerstam kaum im Bewusstsein. Dass in Rundfunkarchiven spannende und erhellende Einspielungen unter seiner Leitung liegen, überrascht angesichts seiner großen Produktivität hingegen kaum. Der vorliegende Mitschnitt von Giuseppe Verdis Requiem stammt aus der Stiftskirche Herzogenburg vom 3. Oktober 1980 – aus jener Zeit mithin, da Segerstam Leiter des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien war. Der ORF Chor stand zu dieser Zeit bereits seit fast 25 Jahren unter der Leitung Gottfried Preinfalks, der zum Zeitpunkt dieses Konzertmitschnitts bereits das Rentenalter erreicht hatte – leider hatte sich in Sachen Chorkultur und interpretatorische Sorgfalt bereits ein gewisses Laissez-faire breitgemacht, das gleichwohl beeindruckende Momente (etwa im 'Dies irae') nicht ausschließt. Segerstam formt den Orchesterklang differenziert und dramatisch, auch wenn die Aufnahmequalität als stark beeinträchtigend bezeichnet werden muss; hörbar ist die Mikrofonierung misslungen, doch nicht nur dies – auch die Balance in Chor und Orchester sowie die Balance zwischen Chor und Soli ist missglückt.

Bedenkliches Geschenk

Man tut gut daran, von der Aufnahmetechnik stark zu abstrahieren – nur so kann man die Qualität des Solistenquartetts angemessen würdigen. Júlia Várady bietet den Sopranpart ganz ohne Allüre und mit vollem Ensemblegeist, fern aller Operndrastik. Hiervon können sich die Mezzosopranistin Alexandrina Milcheva und der Bassist Nicola Ghiuselev nicht ganz frei machen – zwar ergeben sich auch hier beeindruckende Ensemblemomente, doch vermeint man auch den Opernmeister Verdi um die Ecke lugen zu sehen – ganz besonders im Falle Ghiuselev, der seine Karriere als Opernsänger nicht vergessen kann und fast immer mit zu dickem Pinsel aufträgt. Alberto Cupido, wie Milcheva auf Tonträger eher vernachlässigt, zeigt, dass er in seiner Zeit durchaus als Alternative für die Drei Tenöre in Frage kam, wenn auch seine Tongebung an entscheidender Stelle (‚statuens in parte dextra‘) womöglich etwas zu offen war. So sucht man nachgerade nach den Beiträgen Váradys, die sich nicht nur in der Studioaufnahme unter Michel Plasson (dort in eher französischem Understatement) wie auch in verschiedenen im Internet zu findenden Rundfunkmitschnitten (darunter einem höchst spannenden von den Berliner Festwochen 1988 unter Herbert von Karajan) als wohl überzeugendster Beitrag der ganzen Aufführung erweist. So ist diese Veröffentlichung wohl auch als Geschenk zu ihrem 80. Geburtstag gedacht – ein eher bedenklich zu nennendes Geschenk, da der Gesamteindruck ein durchaus zwiespältiger bleibt.

Das Booklet berichtet nichts über diese spezielle Aufführung, ist hingegen merkwürdig unpersönlich einerseits und werbelastig andererseits – nicht jene Qualität, die in der Vergangenheit Orfeo-Produktionen auszeichnete. Vor allem aber wegen der problematischen Klangkomponente wird diese Veröffentlichung angesichts höchstkarätiger Konkurrenz einen schweren Stand haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Verdi: Messa da Requiem: ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, Leif Segerstam

Label:
Anzahl Medien:
ORFEO
1
Medium:
EAN:

CD
4011790212326


Cover vergössern

Verdi, Giuseppe


Cover vergössern

ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Von Dr. Jürgen Schaarwächter zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Frischer Wind für Tristan und Isolde: ‘Mild und leise’, singt Isolde, und das ist bei Hedwig Fassbender ein heilender Wunderklang nach drei CDs voller Schmerz. Weiter...
    (Boris Michael Gruhl, 26.08.2006)
  • Zur Kritik... Aus der Mode gekommen: Glinkas 'Ivan Susanin' bringt Brilliant in einer Wiederauflage einer Produktion aus Sofia. Das Ergebnis weiß über weite Strecken zu überzeugen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 30.10.2011)
  • Zur Kritik... Blicke über den Rand hinaus: Wer seinen Opernhorizont erweitern will oder endlich all diese wertvollen oder einfach besonderen Aufnahmen preiswert im Regal stehen haben möchte, der sollte hier unbedingt zugreifen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, 10.03.2021)
  • Zur Kritik... Aus der Schatztruhe: Dieser 'Don Giovanni' aus dem Jahr 1973 geistert schon lange unter der Hand weitergereicht durch die Reihen der Mozart-Liebhaber. Endlich ist der Mitschnitt in einer ordentlichen Edition erschienen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 13.03.2015)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ORFEO:

  • Zur Kritik... Brahms mit Leidenschaft: Daniel Müller-Schott (Violoncello) und Francesco Piemontesi (Klavier) ergänzen sich nobel bei drei Sonaten von Johannes Brahms. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... O Leide, weh, o Leide!: Eine vorbildliche Interpretation, die durch das Klangbild getrübt wird: Gielen dirigiert Mahlers 'Das klagende Lied'. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... In den Startlöchern: Die Debüt-CD von Hila Fahima ist ein klares Zeichen, der Künstlerin noch viele Möglichkeiten für Bühnenauftritte und das damit verbundene Erfahrungsammeln zu geben. Das Potenzial ist deutlich zu hören. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von ORFEO...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... An der Nordseeküste: Danacord beschließt ihre Retrospektive des dänischen Cellisten Erling Blöndal Bengtsson mit einem Live-Mitschnitt vom Aldeburgh-Festival 1973. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... US-Streichquartette: Ives und Barber - und die Originalfassung des berühmten Adagio. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Es muss nicht immer Vivaldi sein: Völlig zurecht wurde Elizabeth Wallfisch 2021 mit dem Magdeburger Telemann-Preis ausgezeichnet. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verschlungene Wege: Enrico Onofri und sein Orquesta Barroca de Sevilla mit einer gelungenen Lesart von Pergolesis 'Stabat Mater', die sich wesentlich dem vokalen Glanz von María Espada und Carlos Mena verdankt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... US-Streichquartette: Ives und Barber - und die Originalfassung des berühmten Adagio. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Vertane Chance: Unbekümmertheit bestimmte Villa-Lobos' Denken, als er Transkriptionen von Klassik-Ohrwürmern erstellte. Zur Unbekümmertheit gesellt sich Ungenauigkeit hinsichtlich der Einspielungen dieser Werke durch den São Paulo Symphony Choir. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich