> > > Busoni: Elegien, Toccata: Peter Donohoe, Klavier
Samstag, 4. Februar 2023

Busoni: Elegien, Toccata - Peter Donohoe, Klavier

Spielfreudig


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Peter Donohoe wirft sich voller Verve in Busonis Klaviermusik.

1990 legten EMI Peter Donohoes Live-Aufnahme von Ferruccio Busonis Klavierkonzert von den Londoner Proms 1988 vor – eine jener Veröffentlichungen, die dem damals 37-jährigen Pianisten den Durchbruch bereiteten. Erst im Februar 2021 kehrte er mit der Klaviermusik Busonis ins Studio zurück. Die sieben Elegien und die sechste Sonatine werden umrahmt von zwei Toccaten – der verhältnismäßig späten von 1921 und der Transkription von Bachs BWV 564 aus dem Jahr 1899.

Donohoes pianistische Fähigkeiten stehen außer Frage, wir haben hier einen Musiker von langjähriger Erfahrung, der weiß, wie er auch teilwiederholte Phrasen variiert, weiterentwickelt. Sein Spiel hat Kraft, Wärme, ist in Dynamik, Agogik und Phrasierung reich an vielen feinen Facetten, und vor allem hat er ein klares dramaturgisches Konzept.

Dieses Konzept entspricht allerdings nicht immer den kompositorischen Intentionen. Die Vorschrift des Beginns der späten Toccata lautet eindeutig „Staccatissimo“ – bei Donohoe hören wir perlende Läufe, feines Legato, also fast das Gegenteil von dem, was im Notentext steht. Dass Donohoe später auch in der Artikulation sein Repertoire weitet, steht der Musik gut an, und vor allem überzeugt er durch den in sich schlüssigen Drive, den seine Interpretation auszeichnet. Wenn auch dieser stilistisch an Busoni, gerade am späten, vorbei geht. Auch in der Bach-Toccata ‚konventionalisiert‘ Donohoe Busoni, ignoriert viele dynamischen Angaben im Notentext, bietet eine auch in der Artikulation eher geglättete Darbietung.

Funkeln und blitzen

Voller Spielfreude wirft sich Donohoe in die ‚Kammer-Fantasie‘ über ‚Carmen‘ (Sonatine Nr. 6, 1920) – hier funkelt und blitzt es, die Vielfalt seines Anschlags und seines Pedalgebrauchs kommt in schönster Weise zur Geltung. Das ‚Fantastische‘ des Beginns der Habanera ist beeindruckend. Doch klingen umgekehrt manche Übergänge merkwürdig unorganisch, teilweise fast grob, eignet der Wiedergabe irgendwie etwas Angelerntes, noch nicht vollständig Internalisiertes. Wer Roland Pöntinens Einspielung (cpo) kennt, wird den Unterschied schnell bemerken – das hat wenig mit spieltechnischen Hürden zu tun, sondern damit, ob die Interpretation hinreichend Zeit hatte zu reifen.

Die Sieben Elegien (1907/1909) sind hörbar Zentrum der Einspielung – bei den spieltechnisch vielleicht weniger anspruchsvollen, dafür interpretatorisch spannenden und wichtigen Werken ist Busoni einerseits in der Nachfolge Liszts, andererseits ganz der Komponist der Moderne (und Gegenpol Schönbergs). Donohoe tut es gut, sich verstärkt auf die strukturellen Aspekte der Musik konzentrieren zu können. Dass aber auch hier Pöntinen die Musik deutlich stärker durchdringt, mystische, fantastische, transzendierende Aspekte stärker herausarbeitet, deklassiert Donohoe zu einer soliden, keiner großen Leistung. Aufnahmetechnisch ist die Chandos-Einspielung tadellos, der Booklet stammt von dem Busoni-Fachman Antony Beaumont.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Busoni: Elegien, Toccata: Peter Donohoe, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
Medium:
EAN:

CD
095115223727


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Busoni, Ferruccio


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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