> > > Franz Draeseke: String Quartets Vol.2: Constanze Quartett
Dienstag, 24. Mai 2022

Franz Draeseke: String Quartets Vol.2 - Constanze Quartett

Jenseits von Beethovens Vorbild


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die zweite Folge der Streichquartette von Felix Draeseke rundet den Gesamtblick.

Im Zentrum der zweiten und letzten Folge der Draeseke-Streichquartette mit dem Constanze Quartett steht naturgemäß das dritte Streichquartett cis-Moll op. 66 von 1895, in dem der Komponist seiner Verehrung Beethovens hörbar Ausdruck verleiht. Das Werk ist fünfsätzig, mit dem langsamen Satz im Zentrum. Ob es sich tatsächlich, wie der Booklettext behauptet, bei Draesekes Streichquartette um ‚stilistische Unikate‘ handelt oder ob nicht jede Streichquartettkomposition ihren gleichberechtigten Beitrag zur Musikgeschichte geleistet hat, ließe sich diskutieren. Die Nähe des Op. 66 zu Beethovens späten Quartetten und dem Op. 131 im Besonderen ist unleugbar.

Das Constanze Quartett lässt dem Werk eine energiegeladene, brillante Wiedergabe angedeihen, eine vielleicht zu brillante – hörbar ist der Kammerton eher ins Virtuose angezogen, so dass die Intimität der Musik etwas in den Hintergrund gerät. Dabei ist das Stilverständnis der vier Musikerinnen stets unüberhörbar – etwa ihr Gebrauch des Portamento, dazu ihr feines Aufeinander-Hören und -Reagieren, das aber selbst dem 'Adagio non tanto, molto espressivo' nicht jene transzendente Dimension verleiht, die der Musik auch innewohnt und die bei einer weniger virtuos tarierten Wiedergabe auch zu ihrem Recht gekommen wäre. Umso charmanter gerät das folgende 'Intermezzo', das in ganz eigener Weise die Brücke zwischen Robert Schumann und Richard Strauss baut. Das Finale ist eine Tour de Force für alle Mitwirkenden, und musikalische Wahrhaftigkeit ist wichtiger als Klangschönheit. Eine interessante Perspektive auf die Beethoven-Rezeption der damaligen Zeit.

Klare Wiedergabe

Als Füller bieten Emeline Pierre und Irina Frisardi die 'Scene' op. 69 (1899) für Violine und Klavier – in der zweiten cpo-Aufnahme (die erste mit Matthias Wollong und Birgitta Wollenweber). Die Neueinspielung ist sowohl weniger rund im Violinklang als auch weniger dramatisch-durchpulst als die frühere (gekoppelt mit dem Hornquintett und dem Streichquintett). Die Produktion endet mit der späten Suite fis-Moll op. 86 für zwei Violinen aus dem Jahr 1911. Abermals fällt die offen-klare, fast scharfe Stimmung der Instrumente auf, so dass die Bemühungen um Intimität (nur gelegentlich getrübt durch etwas zu viel Vibrato) im Effekt gemindert werden. Dabei handelt es sich hier um wahrscheinlich die bedeutendste Komposition der CD, ein Werk, das im Repertoire von Violinduos einen steten Platz verdienen würde. Die Aufnahmetechnik des Deutschlandfunk Kultur unterstützt die Klarheit der Wiedergabe, der Booklettext hätte durch Verdichtung noch gewinnen können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Franz Draeseke: String Quartets Vol.2: Constanze Quartett

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203535026


Cover vergössern

Draeseke, Felix


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Von Dr. Jürgen Schaarwächter zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Quintette vom Querkopf: Das Hornquintett und das Streichquintett von Felix Draeseke werden auf dieser Platte ansprechend interpretiert vom Solistenensemble Berlin und dem Breuninger Quartett. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, 29.03.2017)
  • Zur Kritik... Voller Energie: Das Constanze Quartett eröffnet eine vielversprechende Gesamtschau der Streichquartette von Felix Draeseke. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 07.02.2020)
  • Zur Kritik... Sensibles kammermusikalisches Gespür: Die Kombination von Schumanns Klavierquintett mit dem Quintett von Felix Draeseke erweist sich als echter Glücksfall, obwohl ein gewisses Qualitätsgefälle zwischen den Werken hörbar bleibt. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, 21.08.2016)
  • Zur Kritik... Draeseke auf französisch: Der Pianist Oliver Triendl und seine französischen Mitstreiter haben sich Kammermusik von Felix Draeseke vorgenommen. Die Aufnahmen sind in Teilen großartig, leider aber nicht im Ganzen. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, 28.03.2017)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Wieder da: Die Gesamteinspielung der Sinfonien von Josef Tal mit der NDR Radiophilharmonie Hannover unter Israel Yinon hat nach fast zwanzig Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Halbfinale: Ein Projekt auf der Zielgeraden: Gregor Meyer steuert mit dem siebten Teil des geistlichen Gesamtwerks von Johann Kuhnau auf das Finale zu. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Abschiedsgabe: Wolfgang Carl Briegel ist sicher einer jener Komponisten, die zu unterschätzen aus heutiger, auf wenige Größen verengter Perspektive, mancher Gefahr laufen könnte. Das Ensemble Polyharmonique setzt dem ein entschiedenes Plädoyer entgegen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Ein Leben für die Oper: Würdigung eines immer noch nicht hinreichend wertgeschätzten Meisters der Barockoper. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wieder da: Die Gesamteinspielung der Sinfonien von Josef Tal mit der NDR Radiophilharmonie Hannover unter Israel Yinon hat nach fast zwanzig Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Intereuropäischer Austausch: Nach vielen Jahren endlich wieder einmal eine Orgelproduktion aus der St Paul’s Cathedral London. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ein hohes Maß an Perfektion: Jean-Jacques und Alexandre Kantorow schließen nahtlos an die herausragende Qualität ihrer ersten Saint-Saëns-CD an – diesmal mit den ersten beiden Konzerten und vier weiteren Stücken für Klavier und Orchester. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Ein Leben für die Oper: Würdigung eines immer noch nicht hinreichend wertgeschätzten Meisters der Barockoper. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nostalgische Kunst-Folklore: Magdalena Kožená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich