> > > Xiaogang Ye: Winter: Sharon Bezaly, Royal Scottish National Orchestra, Gilbert Varga, José Serebrier
Sonntag, 5. Dezember 2021

Xiaogang Ye: Winter - Sharon Bezaly, Royal Scottish National Orchestra, Gilbert Varga, José Serebrier

Nachdenklichkeit und Brillanz


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wenn Sie Xiaogang Ye noch nicht kennen, möchten Sie dem chinesischen Komponisten vielleicht eine Chance geben. Abgesehen vom Auftragswerk 'Starry Sky' hat sein Schaffen definitiv Beachtung verdient.

Xiaogang Ye ist ein Komponist der leisen Töne. Die mächtige orchestrale Entfaltung ist nicht Sache des Chinesen, der auf der vorliegenden BIS-Veröffentlichung mit fünf Werken aus den Jahren 1983 bis 2012 porträtiert wird. Das traditionelle – wenn man so will: westliche – Solokonzert ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt für Ye, drei der hier zu hörenden Werke könnte man als Konzerte verstehen, wenn auch jeweils mit ‚sprechendem‘ Titel – bei dem Orchesterlied 'The Song of Sorrow and Gratification' spielt der Kontrast von (Bariton-)‚Solist‘ und Orchester ebenfalls eine zentrale Rolle. Nur 'Winter' für Orchester, das der Zusammenstellung den Namen gibt, präsentiert sich als rein orchestrales Stück.

Die vier Abschnitte des 'Song of Sorrow and Gratification' aus dem Jahr 2012 zeigen Yes Stil als maßvoll modernen Tondichter, den man eher nicht der Avantgarde zurechnen würde, schon sehr deutlich: Die Musik bleibt fassbar und vermeidet größtenteils klangliche Extreme, Solist Shenyang kann sein kraftvolles Timbre gegenüber einer eher sparsam gehaltenen Orchesterbegleitung bestens entfalten. Gilbert Varga, der hier und im Violinkonzert 'The Brilliance of Western Liang' das Royal Scottish National Orchestra begleitet, hält den Apparat zu großer (vielleicht zu großer) Zurückhaltung an – so manches fein nuancierte Detail von Yes differenzierter Schreibweise fällt dadurch etwas unter den Tisch. Als Liederzyklus von einer nachdenklichen, verhaltenen Grundstimmung kann der 'Song of Sorrow and Gratification' deshalb nur bedingt überzeugen, die knapp 17 Minuten wirken auf Dauer doch etwas einseitig.

Deutlich virtuoser geht es im Flötenkonzert 'December Chrysanthemum' zu. Das knappe Stück gibt der Solistin Sharon Bezaly reichlich Möglichkeiten zur brillanten Entfaltung und stellt damit auch einen großen Kontrast zum eher lyrisch-verhaltenen Liederzyklus dar. Wie mühelos Bezaly die technischen Hürden meistert, ist beeindruckend; José Serebrier, der hier und im nachfolgenden 'Winter' dirigiert, meistert die orchestralen Begleitaufgaben mit einer gewissen Routine, allzu viele gleichberechtigte Passagen gibt es in dem ganz auf die Flöte zugeschnittenen Werk nicht. Als ‚Show piece‘ für Bezaly – also als Stück, in dem sie ihre flötistischen Leistungen demonstrieren kann – hat das Werk sicherlich seine Berechtigung. Ein wirkungsvolles Zusammenspiel von Flöte und Orchester findet aber nur punktuell statt.

Intensiv und differenziert

Das knapp zwölfminütige Orchesterstück 'Winter' aus dem Jahr 1988 verknüpft virtuose und lyrische Elemente geschickt miteinander, wirkt beinahe wie eine Synthese aus den beiden vorangegangenen Stücken – ist jedoch als erstes der drei Werke entstanden. Die behutsamen Klangflächen, die hier einander ablösen, stoßen mit einem (abendländischen) Verständnis von Form und musikalischer Entwicklung zusammen. Als Hörer muss man sich hier zuerst einmal ‚neue Ohren‘ schaffen, um Yes komplexe Klangwelt zu erfassen. Tut man das, wird man mit einem intensiven und differenziert klingenden Stück belohnt, wohl der bemerkenswertesten der hier versammelten fünf Kompositionen. Sérebrier versteht es, diesen sehr eigenen Kosmos geschickt und dynamisch hochsensibel zu entfalten.

Deutlich blasser wirkt im Vergleich das Violinkonzert 'The Brilliance of Wester Liang', in dem Solist Wei Lu zwar wacker seinen Part absolviert, aber zwischen all den virtuosen Passagen kein wirklicher Zusammenhang entstehen will. Als einziges der Stücke Yes wirkt es streckenweise etwas zu lang, zu bombastisch und etwas uninspiriert. Der Respekt vor der abendländischen Konzertform, der sonst eher inspirierend zu wirken scheint, war hier wohl so etwas wie ein Hemmschuh. Als ordentlich gearbeitetes, aber auf Dauer doch etwas ermüdendes Werk bleibt 'The Brilliance of Western Liang' kaum im Gedächtnis der Hörers haften.

Kompromisse

'Starry Sky' schließlich, ein Auftragswerk für die olympischen Sommerspiele, wird hier in einer Version für Klavier, Frauenchor, Kinderchor und Orchester präsentiert. Allzu viel sollte man von dem massentauglichen Stück nicht erwarten – wie praktisch jeder andere Komponist, der ein großes Publikum erreichen soll, musste Ye hier Kompromisse eingehen. Im Vergleich zu den vier anderen Kompositionen ist die Fallhöhe jedenfalls ordentlich. Es darf die Frage gestellt werden, ob man dieses Stück nicht einfach besser weggelassen hätte.

Davon abgesehen aber ist Ye für jeden an der zeitgenössischen (chinesischen) Musik interessierten Hörer eine Versuch wert – es hängt am Einzelnen, ob er sich mit den so ganz anders gearteten Klangwelten des Tondichters anfreunden kann oder eben nicht. Solisten und Orchester präsentierten die Stücke in den allermeisten Fällen so, dass kein Wunsch offenbleibt. Auch die Klangqualität ist gut bis sehr gut.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Xiaogang Ye: Winter: Sharon Bezaly, Royal Scottish National Orchestra, Gilbert Varga, José Serebrier

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD
7318590021132


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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