> > > Brahms: Symphonie Nr. 3: Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer
Samstag, 23. Oktober 2021

Brahms: Symphonie Nr. 3 - Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer

Sanfter Ausklang


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alles kein Drama: Iván Fischer dirigiert die Dritte von Brahms.

Nach über 10 Jahren ist Iván Fischers Gesamteinspielung der Sinfonien von Johannes Brahms mit ‚seinem‘ Budapest Festival Orchestra auf Channel Classics nun abgeschlossen. Und nicht nur aufgrund der F-Dur-Helligkeit der Sinfonie Nr. 3 op. 90 ist daraus eine helle, mild gestimmte Angelegenheit geworden. Auch die seltener gespielte, im Zuschnitt idyllische Serenade Nr. 2 in A-Dur op. 16 des noch jungen Brahms trägt durch ihre Instrumentierung nur mit tiefen Streichern und Bläsern dazu bei.

Auch im letzten Teil des Zyklus bleibt der Ansatz des ungarischen Luxusklangkörpers dabei grundsätzlich ein romantisch traditioneller, der allerdings durch jene duftige Leichtigkeit aufgelockert wird, wie sie dem Orchester zu eigen ist. Und das gilt längst nicht nur für die leichte Bogenbehandlung der Streicher, sondern vor allem in der Serenade auch für die geradezu süchtig machende Mischklangwärme der Holzbläser (Flöten!). Höchstens in der aufgepeitschten Durchführung des Finales der Dritten macht sich mal so etwas wie glühende Dramatik breit, ansonsten klingt dieser Brahms so, als sei eine empfindsame, französisch angehauchte Seele am Werk. Und zwischendurch lässt in den Piano-Wechselfiguren in den Violinen sogar mal Loges Feuerzauber grüßen. Wer also eher nordische Schicksalstragik à la Furtwängler sucht, ist hier eindeutig fehl am Platz. Es ist zwar alles ziemlich komplex und expressiv, aber auch alles halb so schlimm. Gerade in dieser unerhörten Leichtigkeit des Brahms liegt jedoch ein ganz eigener Reiz.

Delikate Harmonik

Fischer und die Budapester erweisen sich einmal mehr als begnadete Stimmungstalente, die nicht zuletzt dank ihrer ausgefeilten Spieltechnik (Streicher) und fantastischen Klangfarbensensibilität alles an Atmosphäre aus dieser Partitur rausholen, was sie zu bieten hat. Dies gilt im Besonderen für den Surround-Modus dieser SACD, der optimale Durchhörbarkeit garantiert, sodass selbst Nebenstimmen im Pianissimo gut vernehmbar sind und Brahms‘ delikate Harmonik wunderbar zum Vorschein gelangt. So verliert auch der berühmte 'Poco Allegretto'-Satz der F-Dur-Sinfonie alle Erdenschwere und wird zu einem lichten Gewebe, getragen von einer weitschweifigen melancholischen Melodie. Hält man die Wiener Philharmoniker unter Bernstein dagegen, könnte der Kontrast nicht deutlicher sein. Durch die Koppelung mit der zweiten, mild gestimmten Serenade wird der versöhnliche Akzent der Dritten Sinfonie sogar noch stärker. Wer die anderen Teile dieser Gesamteinspielung bereits kennt, muss hier also nicht nachdenken. Alle anderen dürfen sich ebenfalls auf einen erfrischend ‚sanften‘, warm tönenden Brahms freuen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms: Symphonie Nr. 3: Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer

Label:
Anzahl Medien:
Channel Classics
1
Medium:
EAN:

CD
723385438212


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Brahms, Johannes


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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