> > > Gunning: Symphony No.5, String Quartet No.1: Royal Philharmonic Orchestra, Juno String Quartet
Mittwoch, 7. Dezember 2022

Gunning: Symphony No.5, String Quartet No.1 - Royal Philharmonic Orchestra, Juno String Quartet

Äußere und innere Konzentration


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als Kammermusikkomponist überzeugt Christopher Gunning noch mehr denn als Sinfoniker.

Es gibt Komponisten, die bemühen sich sehr, sich auch außerhalb der kommerziellen Musikausübung zu profilieren. Christopher Gunnings (*1944) bekannteste Komposition ist die Titelmusik zur Fernsehserie ‚Agatha Christie’s Poirot‘ (1989–2004), und auch wenn er längst nicht zu allen 70 Episoden die Musik beitrug, ist sein Name für immer mit der Serie verbunden; auch sonst ist er seit den 1970er-Jahren ein profilierter Filmmusikkomponist. Daneben aber hat Gunning seit 2002 (zu einem Zeitpunkt, als die Komposition von Filmmusik deutlich in den Hintergrund rückte) 12 Sinfonien geschrieben sowie diverse Solokonzerte. Nicht selten ist seine Musik von Stimmungen und assoziativen Klanggestaltungen geprägt, stets tonal gebunden und im besten Sinne altmodisch.

Die viersätzige Fünfte Sinfonie entstand 2009 und zeigt einen perfekt ausgestatteten Handwerker, der die sinfonische Tradition nicht nur seiner Heimat gut kennt und sich in dieser versteht. Werk seit der britischen Sinfonik der 1950er- bis 1970er-Jahre bei Gunning Neues sucht, wird enttäuscht werden, auch wird er immer wieder europäische und nordamerikanische Referenzen wahrnehmen. Beides zusammen kann, wenn man Gunnings Sinfonien in größerer Menge hintereinander hört, den Eindruck hervorrufen, dass die Werke nicht wirklich immer wieder neue Perspektiven auch in Gunnings Œuvre eröffnen; es sei dem Hörer also empfohlen, die Werke im Hörgenuss zu dosieren. Unbestritten bleibt, dass Gunning die Sinfonien nach bestem Wissen und Können geschaffen hat, und es gibt beim besten Willen Werke anderer, die technisch weniger versiert ausgearbeitet sind.

Spielerische Leichtigkeit

Das Royal Philharmonic Orchestra bietet unter Leitung des Komponisten engagierte Wiedergaben, gerade im energiegeladenen Scherzo halten sich emotionale Ausbrüche und spielerische Leichtigkeit eine überraschende Balance, die etwa an Richard Rodney Bennett oder Malcolm Arnold gemahnt. Eine alles überschattende Melancholie ergibt sich aus der Widmung an Gunnings Schwester, die nach längerer schwerer Krankheit zu jener Zeit starb, als Gunning die Komposition beendete.

Das Streichquartett ‚Nr. 1‘ (laut Gunnings eigenem Werkverzeichnis sein bislang einziges) entstand 1999 und wurde 2006 überarbeitet. Das viersätzige Werk, das auf der Tonfolge C-D-G basiert, eröffnet zeigt Gunning auch als Meister auf dem für ihn eher ungewohnten Gebiet der absoluten Kammermusik – vielleicht ist er hier durch den Zwang zur äußeren und inneren Konzentration sogar noch überzeugender als in der Orchestermusik. Die Komposition eröffnet etwas ungewohnt mit einer dicht gewobenen, freitonalen Passacaglia, gefolgt von einem fugierten Scherzo, einem Nocturne und einem Rondo ostinato, das den Bogen zurück schlägt zu den besten Streichquartettkompositionen nach 1918 (Frank Bridge, John Foulds) – und auch damit ein klares Statement setzt. Das Juno Quartet erweist sich als ausgezeichneter Sachwalter dieser Musik und bleibt der Musik nicht das Geringste schuldig. Auch aufnahmetechnisch ist die Produktion vorzüglich (die Tonaufnahmen entstanden 2011 bzw. 2008).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Gunning: Symphony No.5, String Quartet No.1: Royal Philharmonic Orchestra, Juno String Quartet

Label:
Anzahl Medien:
signum classics
1
Medium:
EAN:

CD
635212067628


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signum classics

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