> > > Tessarini: Concerti & Sinfonie: Compagnia de Musici, Francesco Baroni
Samstag, 23. Oktober 2021

Tessarini: Concerti & Sinfonie - Compagnia de Musici, Francesco Baroni

Der unendliche Reichtum italienischer Barockmusik


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neben Vivaldi und Corelli gibt es im italienischen Barock eine unüberschaubare Vielzahl von Komponisten, die nur Kennern etwas sagen. Entdeckungen für uns alle sind da immer wieder möglich.

Wir kennen vom italienischen Barock vor allem natürlich Vivaldi, wahrscheinlich noch Corelli und Frescobaldi. Das war es wohl für die meistens von uns. Wer genauer in den Süden blickt, entdeckt eine unendliche Vielzahl weiterer Komponisten, die durchaus etwas zu sagen hatten. Zu ihnen gehört auch Carlo Tessarini. Er stammt aus der Provinz, nämlich Rimini, scheint aber schon früh nach Venedig gezogen zu sein, wo er möglicherweise Geigenschüler beim zwölf Jahre älteren Antonio Vivaldi war. Sehr lange verdient er seinen Lebensunterhalt als Geiger unter anderem in San Marco. Zum Komponieren kommt er erst spät und noch später verlässt er Venedig, geht nach Brünn, später nach Rom und Neapel. Mit Ende fünfzig erst beginnt er die damals üblichen Konzertreisen in andere europäische Musikzentren in Deutschland den Niederlanden und vor allem Paris. Er hatte offensichtlich großen Erfolg sowohl als Geiger als auch als Komponist – letzteres vor allem in den Vierzigerjahren, in denen die meisten seiner Werke in Paris verlegt wurden. Nicht zu vergessen ist seine Violinschule, 1750 in Lüttich erschienen und eine der ersten überhaupt.

Spezialist für solche wenig bekannten Barockmeister ist Francesco Baroni, Professor für Orgel und historische Tastenintrumente am Konservatorium von Parma. 1992 gründete er sein eigenes Ensemble, die Compagnia de Musici, mit der er sich um den unendlichen Reichtum der italienischen Barockmusik kümmert. So entstand auch die vorliegende CD 2003 in der Geburtsstadt von Tessarini, in Rimini.

Ausdrucksvolle Melodien

Tessarini, als virtuoser Geiger, hat Musik geschrieben, die ihm naheliegt: Neben Violinsonaten sind das vor allem Werke für Streicherensemble. Baroni hat für diese CD daraus eine kluge Auswahl getroffen, bei der man erkennen kann, wie sich die ursprünglich sehr typischen Concerti ganz im Stil von Vivaldi entwickeln, wo mit Wechsel zwischen Solo und Tutti thematische Sequenzen mehrmals auf anderen Tonstufen und mit geänderten Harmonien wiederholt werden, bevor die nächste Sequenz folgt. Das wird sich bei den späteren Werken – erschienen, als er bereits die 60 überschritten hatte – deutlich anders. Man erkennt, wie sich sein Aufenthalt in Neapel und in Nordeuropa auf seinen Stil auswirkt. Nicht nur taucht jetzt die Bezeichnung ‚Sinfonie‘ auf, sondern er beschränkt sich in den einzelnen Sätzen auf wenige Themen, die gegensätzlich sein können und miteinander verschränkt werden, ohne dass man schon von einer Durchführung sprechen könnte, wie sie damals bereits bei Haydn stattfand. Er greift auch Elemente des empfindsamen Stils auf, bei dem durch ausdruckvolle Melodien, Kontraste in den Lautstärken und überraschende chromatische Wendungen Emotionen im Hörer geweckt werden sollen. Interessant ist auch ein gut zehn Minuten langes Orchesterstück 'L’arte di nuova modulacione', das aus acht unterschiedlichen Sätzen besteht, die aber ohne Pause durchlaufen.

Für den Liebhaber von italienischer Barockmusik ist dieser Komponist auf jeden Fall eine Entdeckung, aber erst recht für denjenigen, der neugierig ist auf eine stilistische Entwicklung hin zur Frühklassik. Es versteht sich von selbst, dass die Compagnia de Musici auf historischen Instrumenten spielt. Das tut sie virtuos und mitreißend. Die Aufnahmetechnik stellt die erste Violine mit ihren reichlichen Soli deutlich in den Vordergrund, wogegen die zweite Solovioline immer etwas abfällt, insbesondere klingt die hohe Lage der ersten Violine zum Teil sehr scharf, was auch bei Darmsaiten eigentlich nicht nötig wäre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Tessarini: Concerti & Sinfonie: Compagnia de Musici, Francesco Baroni

Label:
Anzahl Medien:
Pan Classics
1
Medium:
EAN:

CD
7619990104266


Cover vergössern

Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Pan Classics:

  • Zur Kritik... Geniestreich: Gunar Letzbor erweist sich auch bei Telemanns Fantasien für Violine solo als Meister der Barock-Violine: Starkes Plädoyer für ein qualitätvolles Konvolut, dem mehr Beachtung gebührt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Aus der Frühzeit des Madrigals: Ein Franzose an der Wiege des italienischen Madrigals: Verdelot und seine Interpreten erfreuen mit einem schönen Beispiel praktischer Musikgeschichte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Dresden anno 1735: Dresdner Kirchenmusik in unüberhörbar engagierten Darbietungen aus Luzern. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Pan Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Elisabeth Deckers:

  • Zur Kritik... Standardwerke gegen den Strich gebürstet: Die französischen Bläser des Moraguès-Quintetts haben es gewagt, Ikonen der Streicherliteratur zu bearbeiten. Kann das gutgehen? Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Im Schatten Monteverdis: Vom mehrstimmigen Madrigal zur begleiteten Einstimmigkeit: Das war ein bahnbrechender Umschwung, an dem neben Claudio Monteverdi sein Kollege Sigismondo d'India einen maßgeblichen Anteil hatte. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Intime Kammermusik zweier Romantiker: Zwei Berliner Philharmoniker widmen sich in ganz spezieller Weise der kleinen Form bei Fauré und Schumann – Poetik pur, gespielt von Violoncello und Harfe. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Elisabeth Deckers...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verschlungene Wege: Enrico Onofri und sein Orquesta Barroca de Sevilla mit einer gelungenen Lesart von Pergolesis 'Stabat Mater', die sich wesentlich dem vokalen Glanz von María Espada und Carlos Mena verdankt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... US-Streichquartette: Ives und Barber - und die Originalfassung des berühmten Adagio. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Vertane Chance: Unbekümmertheit bestimmte Villa-Lobos' Denken, als er Transkriptionen von Klassik-Ohrwürmern erstellte. Zur Unbekümmertheit gesellt sich Ungenauigkeit hinsichtlich der Einspielungen dieser Werke durch den São Paulo Symphony Choir. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich