> > > Dutilleux: Le Loup: Sinfonia of London, John Wilson
Samstag, 23. Oktober 2021

Dutilleux: Le Loup - Sinfonia of London, John Wilson

Die Schöne und der Wolf


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Dirigent John Wilson lässt mit der Sinfonia of London Orchesterwerke von Henri Dutilleux in schönstem Glanz erstrahlen.

Henri Dutilleux, der 2013 mit fast 100 Jahren starb, gelang der künstlerische Durchbruch 1951 mit seiner ersten Symphonie. Danach komponierte er nur noch gut 25 Werke, alles farbschillernde, subtil ausgetüftelte Meisterwerke, vorwiegend rein instrumentaler Art. Eigentlich hatte seine Karriere schon 1938 mit dem Gewinn des begehrten Prix de Rome begonnen. Der Krieg aber verhinderte das anschließende vierjährige Stipendium, so dass sich Dutilleux in den folgenden Jahren als Barpianist, als Filmkomponist, Korrepetitor an der Pariser Oper und Lehrer durchschlagen musste. Doch es entstanden auch seriöse Werke, mit denen er sich später allerdings nicht mehr identifizieren wollte. Zu ihnen gehören die 'Sonatine' für Flöte, die 'Sonate' für Oboe und die 'Sarabande et cortège' für Fagott aus den 40er Jahren.

Die Duos sind Teil eines neuen Albums, das der Dirigent John Wilson mit der Sinfonia of London für Chandos aufgenommen hat, nicht jedoch im Original, sondern orchestriert von Kenneth Hesketh, einem Schüler des Komponisten. Seine 2019 entstandenen Arrangements, die Dutilleux ursprünglich als Prüfungsstücke für Studierende am Konservatorium komponierte, berücksichtigen dessen unterschiedlich geprägten Schaffensphasen in Bezug auf Form, Struktur und Klangfarben. Der Flötist Adam Walker, die Oboistin Juliana Koch und der Fagottist Jonathan Davies, die in Londoner Spitzenorchestern Solopositionen innehaben und -hatten, nutzen die Gelegenheit, instrumentale Brillanz und spieltechnisches Können zu zeigen.

Wirkungsvoll

Kombiniert werden die Konzerte mit dem Ballett 'Le Loup', dem einzigen erhalten gebliebenen Bühnenwerk von Dutilleux. Es wurde 1953 in Paris nach einem Text von Jean Anouilh in der Choreographie von Roland Petit, der auch den Wolf tanzte, uraufgeführt. Thematisch ähnelt es dem bekannten französischen Märchen 'Die Schöne und das Biest', setzt aber andere, tragische Akzente. Eine junge Frau wird von ihrem Bräutigam verlassen, der scheinbar in Gestalt eines Wolfes zurückkehrt. Doch es handelt sich um ein echtes Tier mit menschlichen Zügen. Als sich zwischen beiden eine Zuneigung entwickelt und sie fliehen wollen, werden sie von Bauern erschlagen. Mit 'Le Loup' komponierte Dutilleux eine so illustrative wie wirkungsvolle Ballettmusik, die an Filmsoundtracks erinnert. John Wilson, ausgewiesener Kenner der Kinowelt, weiß genau, die Effekte der Partitur auszureizen, sei es in der leitmotivisch wiederkehrenden Jahrmarktsmusik, den Zigeunertänzen, dem sinnlichen Pas de deux oder der aggressiven Jagdszene. Doch genauso sicher und präzise manövriert der Dirigent die virtuos aufspielende Sinfonia of London durch den Klangkosmos und die markanten Rhythmen von Dutilleuxs Solokonzerten.

Im Booklet kann man neben einem ausführlichen dreisprachigen Einführungstext ein Interview mit Kenneth Hesketh über seine persönlichen Erinnerungen an Dutilleux lesen. Historische Fotos von 'Le Loup' runden die perfekt ausbalancierte Aufnahme ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dutilleux: Le Loup: Sinfonia of London, John Wilson

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
Medium:
EAN:

CD
095115526323


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Dutilleux, Henri


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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