> > > Contrafacta. Stabat Mater & Motets: Orquesta Barroca de Sevilla
Sonntag, 2. Oktober 2022

Contrafacta. Stabat Mater & Motets - Orquesta Barroca de Sevilla

Verschlungene Wege


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Enrico Onofri und sein Orquesta Barroca de Sevilla mit einer gelungenen Lesart von Pergolesis 'Stabat Mater', die sich wesentlich dem vokalen Glanz von María Espada und Carlos Mena verdankt.

Giovanni Battista Pergolesis 'Stabat Mater' ist ein geradezu ikonisches Stück des beginnenden 18. Jahrhunderts – ästhetisch nach vorn gewandt, inspiriert, fasslich, mit auf den Punkt formulierten musikalischen Sätzen wurde es an vielen Orten einflussreich, regte es neben Bach auch weitere illustre Köpfe wie Paisiello, Hiller, Salieri oder Otto Nicolai zur bearbeitenden Aneignung an. Und es verbreitete sich auf teils verschlungenen Wegen auch in eher entlegene Orte musikalischer Traditionspflege.

Einer dieser Wege führte nach Malaga, an die dortige Kathedrale und zum Kapellmeister Juan Francés de Iribarren Echevarría (1699-1767). Der adaptierte das inspirierende Werk gleich so vielen Kollegen für seine musikpraktischen Zwecke. Dabei blieb es – angesichts der eminenten Qualitäten möchte man sagen: natürlich – kenntlich, wurde aber doch mit merklichen Akzentuierungen in verschiedener Hinsicht versehen, bei Verzierung, Instrumentalbehandlung, beim Blick auf dynamische und artikulatorische Akzidentien, bis hin zu konkreten Tempoangaben und Satzbezeichnungen. Neben dieser Iribarren-Bearbeitung sind unter dem programmatischen Titel 'Contrafacta' auf der neuen Platte des von Enrico Onofri geleiteten Orquesta Barroca de Sevilla beim belgischen Label Passacaille noch Motetten und eine Lamentatio gleichfalls kontrafaktischer Prägung zu hören, die sich nahtlos einfügen und gefällige Satzkunst andeuten, gelegentlich in der Verbindung rezitativischer und arioser Momente.

Schmale Besetzung mit delikater Wirkung

Der Geiger und Ensembleleiter Enrico Onofri hat sein Orquesta Barroca de Sevilla in rein solistischer Besetzung aufgeboten: Er selbst und Alexis Aguado spielen Violine, Kepa Artetxe ist auf der Viola zu hören, Diana Vinagre auf dem Violoncello, Ventura Rico auf dem Kontrabass und Alejandro Carvajal auf Orgel und Cembalo. Die Formation zeichnet in höchster Konzentration feine Linien, die Tongebung ist kultiviert, angereichert um die Fähigkeit zum unmittelbaren Zupacken und zur klaren Akzentuierung, wo das geboten ist. Verlässlich punktet das Ensemble mit Delikatesse und knapp konturierter artikulatorischer Entfaltung, hierin ungemein präzis agierend. Doch finden die Instrumentalisten auch unmittelbaren ästhetischen Anschluss an das lineare Vermögen im vokalen Geschehen. Das prägt einerseits María Espada mit ihrem schlanken, expressiven Sopran von einiger Klarheit und Leuchtkraft. Die dynamische Kontrolle ist bei ihr perfekt – wie diese Sphäre insgesamt eine der besonders stark ausformulierten der gesamten Deutung ist. Espadas Sopran zeitigt in echter Diskantlage einige Schärfen, die freilich im Sinne eines gelegentlich dramatisch gesteigerten Ausdrucks fruchtbar gemacht werden.

Vokale Extraklasse verkörpert Carlos Mena mit seinem butterweichen Altus, den er ungemein flexibel zu führen weiß und der in den Duetten wie die natürliche Fortsetzung der Sopranstimme in die tiefere Lage. Solistisch verbreitet er silbrigen Glanz in technischer Brillanz, ist unverwechselbar in Färbung und Ausprägung der Stimme: Mena ist ganz sicher einer der herausragenden, zugleich sträflich unterschätzten Altisten seiner Generation.

Enrico Onofri wählt die Tempi entschieden, ab einem Andante ‚aufwärts‘ wird es sehr behände, in Richtung Largo ist der Fluss angemessen gebremst. Das Klangbild der in der Kirche des Convento de San Pedro de Alcántara in Sevilla realisierten Aufnahme ist primär konzentriert und gefasst; der große Raum ist immer zu ahnen, klingt teils deutlich nach, wirkt aber stets kontrolliert und überzeugend ausbalanciert. Mit dieser Platte ist ein illustrer Beleg für den bemerkenswerten Karriereweg von Pergolesis 'Stabat Mater' quer durch Europa zu erleben. Enrico Onofri und sein Orquesta Barroca de Sevilla mit einer gelungenen Lesart, die sich wesentlich dem vokalen Glanz von María Espada und Carlos Mena verdankt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Contrafacta. Stabat Mater & Motets: Orquesta Barroca de Sevilla

Label:
Anzahl Medien:
Passacaille
1
Medium:
EAN:

CD
5425004840943


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Pergolesi, Giovanni Battista


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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