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Donnerstag, 6. Oktober 2022

Schubert, Franz - Sonatinas

Schubert unerhört


Label/Verlag: aeon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


An dieser Aufnahme werden sich die Gemüter erhitzen! Da haben zwei ganz ungleichartige Künstler – der 31-jährige David Grimal (Violine) und der 57-jährige Valery Afanassiev (Klavier) – eine Aufnahme von Schuberts Sonatinen gemacht. Sie kennt jeder Geigenschüler und doch ist hier etwas festgehalten, was wohl noch nie so exzentrisch geklungen ist.

Erregend der Einstieg in die a-moll Sonate op. posth. 137,2. Hier malträtiert Afanassiev die Hämmer des Klaviers nicht so scharf, wie man es sonst gewohnt ist. Der Beginn Grimals kurz darauf ist mehr als eine emotionale Rakete, voller Inbrunst ‘sägt’ muss man fast sagen er seine ersten sechs Töne bis zur Einhalt gebietenden Pause. Sein Ton ist im Seitenmotiv hell und leichtfüßig. Das ist ein wunderbarer Kontrast.
Feinsinnig fällt auch die agogische noch virtuoser angelegte Wiederholung aus. Eine Wiederholung die Sinn gibt. Das ist wunderbare Musik. Überhaupt korrespondieren die Interpreten in idealer Weise. Grimals Intonation passt sich den Herausforderungen Schubertscher Harmonik an – Afanassiev erfühlt mit seinem Anschlag seismographisch jede musikalische Regung. Von Satz zu Satz – so ist der Eindruck – steigert sich das Duo immer noch: Schon das Menuetto-Trio lotet die emotionalen Tiefen aus – aber wie erst schwelgt der Hörer im Final-Allegro. Seidenweich streicht Grimal über den Kontaktpunkt der Saite, retuschiert, verzaubert! Der Pianist setzt dagegen seinen Part mit tiefem Ernst. Jeder seiner Töne liegt auf der Goldwaage und ist rund und voll in der Qualität. Hier spielt ein sehr tiefsinniger, weitblickender, zartfühlender Künstler ist. Dass er Romane und Gedichtbände veröffentlicht, rückt ihn in die Nähe zu Alfred Brendel, dessen Spiel zwar ein anderes, doch seelenverwandtes ist. Afanassievs dynamische Abstufungen sind genau, sein Metrum kann er unerbittlich halten. Der Flügel klingt zudem ausgezeichnet.

Die g-moll Sonate ist durchweg im Appassionato-Charakter gehalten und macht ebenfalls Laune beim Zuhören. Verpassen Sie diesen wunderbaren jungen Geiger David Grimal nicht, der mit Francois Gaultier und Laurent Korcia zum engeren Kreis der französischen Violinisten-Shooting-Szene zählt. In Deutschland vergleichbar mit Julia Fischer, Arabella Steinbacher oder Miriam Contzen, in England mit Daniel Hope.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Sonatinas

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
aeon
1
19.11.2003
65:50
2003
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
3760058363171
AECD 0317


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Schubert, Franz


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Interpret(en):Grimal, David (Violin)
Afanassiev, Valéry (Piano)


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aeon

Äon bedeutet im Altgriechischen soviel wie Zeitalter bzw. Ewigkeit. Wenngleich letztendlich keine Aufnahme für die Ewigkeit sein kann, so kann sie doch zumindest Gültigkeit für ein Zeitalter oder Menschenalter beanspruchen. Diesem nicht geringen Anspruch versucht man bei AEON mit bereits fast hundert Titeln gerecht zu werden. Für seine Einlösung spricht, dass das Label seit seiner Gründung 2001 schnell zu einer der ersten Adressen aus Frankreich wurde. Den Labelgründern Damien und Kaisa Pousset ist es wichtig, einen Katalog zu schaffen, dessen einzelne Titel jeweils als ultimative Intention der beteiligten Musiker verstanden werden können. Künstler wie Alexandre Tharaud, Andreas Staier, Felicity Lott oder das Quatuor Ysaÿe haben hier Aufnahmen vorgelegt, die woanders so sicherlich nicht möglich gewesen wären. Der Katalog von AEON umfasst im Wesentlichen drei Hauptschwerpunkte: monographische CDs mit Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, dann das breitere, klassische Repertoire, das durch ausgewählte Künstler und Ensembles bestritten wird, sowie die frühe Musik des Mittelalters.


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