> > > Marianna Martines: Dixit Dominus: Salzburger Hofmusik, Wolfgang Brunner
Samstag, 21. Mai 2022

Marianna Martines: Dixit Dominus - Salzburger Hofmusik, Wolfgang Brunner

Verdienstvoll


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Salzburger Hofmusik würdigt Marianna Martines.

Es gibt Komponisten und Komponistinnen, die zu Lebzeiten hohes Renommee genossen, von der Nachwelt aber fast vollständig unter den Tisch fallen gelassen worden sind. Zu dieser leider weit verbreiteten Spezies zählt auch Marianna Martines (1744–1812), ein Schützling Metastasios, deren Salon ein zentraler Treffpunkt für nationale und internationale Künstler in Wien war. Als Lehrer nennt sie in ihrer Autobiografie Giuseppe Bonno und Joseph Haydn, und gerade letzteres ist stilistisch dies unmittelbar wahrnehmbar – die hier vorgelegten Vertonungen des Psalms 110 (‚Dixit Dominus‘) und der geistlichen Kantate ‚Come le limpide onde‘ offenbaren ihre kompositorischen Qualitäten ebenso wie ihre Bedeutung für die Musik ihrer Zeit.

Martines’ Schaffen ist von beachtlichem Umfang – neben vier Messen, zwei Oratorien und zahlreicher weiterer Vokalmusik sind eine Sinfonie, vier Cembalokonzerte und drei Cembalosonaten erhalten. Umso ärgerlicher, dass sich außer der deutschen harmonia mundi (2 CDs mit Kantaten, der Sinfonie sowie je zwei Cembalokonzerten und Cembalosonaten) und dem kleinen Label Salto (1 CD mit der vierten Messe, mit einer Länge von 50 Minuten) kein Plattenlabel nachhaltig um die Komponistin bemüht zu haben scheint. Umso mehr ist die Initiative der Salzburger Hofmusik unter Wolfgang Brunner hoch zu schätzen, der sich nicht nur der zwei anspruchsvollen Chorwerke annimmt, sondern auch ein Wiederhören mit der Sinfonie C-Dur ermöglicht, die mit 12 Minuten zwar nur kurz ist, aber von großer Delikatesse und nicht minder großer Einfallskraft. Das dreisätzige Werk betont Martines‘ Verbindungen zu Italien (als sie sich 1773 um die Aufnahme in die Academia Filarmonica di Bologna bewarb, war ihr Name bereits bis nach Neapel vorgedrungen).

Klangliche Transparenz

Brunner und seine Musiker gehen – stärker noch als in früheren Einspielungen – beim ‚Dixit Dominus‘ und bei der Sinfonie mit großer klanglicher Transparenz vor, fast möchte man sagen, die Klänge der Instrumentalisten und ggf. auch des Chors vereinen sich nicht zu einem harmonischen Ganzen. Dies mag an der vielleicht zu trockenen Akustik des Aufnahmeortes oder an einem besonderen ästhetischen Konzept liegen, das in jedem Fall die Musik bis in den hintersten Winkel durchhörbar werden lässt. Bei ‚Come le limpide onde’ ist diese Transparenz zwar ebenfalls vorhanden, doch das Gesamtergebnis hat eine noch stärkere atmosphärische Dichte.

Die Kantate auf Psalm 151 ‚Come le limpide onde’ war, wie Brunner in seinen einsichtsvollen Bookleteinlassungen erläutert, Ausgangspunkt der Produktion gewesen (die Einspielung erfolgte bereits 2015). Sie ist nicht nur von starker affektiver Wirkung, sondern bietet als Besonderheit in zwei Arien einen konzertanten Part für Psalterium (den Vorgänger des Hackbretts). Brunner weiß jederzeit den Klang vorteilhaft zuzuspitzen – was ihm jedoch nicht gelingt, ist, von seinen Solisten jene Durchschlagskraft einzufordern, derer ihre Partien optimalerweise bedürften. Auch ohne den Verzicht auf ‚Opernstimmen‘ (die hier durchaus fehl am Platze wären) darf man einfordern, dass das Psalterium den Solisten nicht übertönt. Die Salzburger Hofmusik spielt ansonsten tadellos – die jahrzehntelange Vertrautheit mit der Musik der Zeit ist jederzeit zu spüren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Marianna Martines: Dixit Dominus: Salzburger Hofmusik, Wolfgang Brunner

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203798520


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von Martines, Marianna
 - Psalm 110 Dixit Dominus -
 - Psalm 110 Dixit Dominus -
 - Psalm 110 Dixit Dominus -
 - Psalm 110 Dixit Dominus -
 - Psalm 110 Dixit Dominus -
 - Psalm 110 Dixit Dominus -
 - Symphony in C major - Allegro con spirito
 - Symphony in C major - Andante ma non troppo
 - Symphony in C major - Allegro spriritoso
 - Psalm 151 Come le limpide onde -
 - Psalm 151 Come le limpide onde -
 - Psalm 151 Come le limpide onde -
 - Psalm 151 Come le limpide onde -
 - Psalm 151 Come le limpide onde -
 - Psalm 151 Come le limpide onde -
 - Psalm 151 Come le limpide onde -
 - Psalm 151 Come le limpide onde -


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Dirigent(en):Brunner, Wolfgang
Interpret(en):Gramß, Nele


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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