> > > Werke von Zemlinsky und Rabl: Christoph Zimper, Kristina Suklar, Florian Eggner, Peter Ovtcharov
Samstag, 25. September 2021

Werke von Zemlinsky und Rabl - Christoph Zimper, Kristina Suklar, Florian Eggner, Peter Ovtcharov

Ein wahres Wunder


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hervorragende Aufnahmen von Kammermusik mit Klarinette von Alexander Zemlinsky und Walter Rabl.

Viel ist ja nicht davon zu spüren: Wir befinden uns im Alexander-Zemlinsky-Jahr, im Oktober jährt sich der Geburtstag des Komponisten zum 150. Mal. Eigentlich sollte er zu diesem Anlass rauf und runter gespielt werden, zu entdecken gäbe es genug. Doch leider lassen die Mechanismen des Musikmarktes wirklich große Jubiläen eben leider nur bei den Komponisten zu, die, wie Beethoven, auch so schon hinlänglich bekannt sind.

Zu Zemlinskys bekanntesten Werken zählt sein Klarinettentrio d-Moll op. 3, das folglich schon in etlichen Aufnahmen verfügbar ist, teils auch in der Alternativfassung mit Violine statt Klarinette. In dieser neuen Einspielung vom März letzten Jahres jedoch erfährt das Werk eine schlicht hervorragende Interpretation, die keine Wünsche offen lässt. Auf engstem Raum werden da äußerst aufgewühlte und in größter Gelassenheit fließende Passagen zu enormen Kontrasten verdichtet, wie sie in anderen Aufnahmen in der Regel nicht zu hören sind. Christoph Zimpers Klarinettenton wird dabei nie grell und ist besonders im tiefen Register dunkel und rund. Cellist Florian Eggner setzt knackige Akzente und lässt Kantilenen blühen, Pianist Peter Ovtcharov spielt kraftvoll, dennoch klingt der Flügel aber nie zu dick. Zudem gelingt den drei Musikern die Feinabstimmung vorbildlich, was auch ein Pianissimo einschließt, das diesen Namen wirklich verdient. Und die Tontechnik der beim österreichischen Label Gramola erschienenen Platte setzt die drei Instrumente in gute Balance, der Klang ist transparent, allenfalls die Tiefen wirken manchmal etwas grummelig.

Wahres Wunder

Wo immer Zemlinskys Klarinettentrio auf dem Programm steht, wird ein Kompositionswettbewerb erwähnt, den 1896 der Wiener Tonkünstlerverein ausgeschrieben hatte und bei dem Johannes Brahms in der Jury saß. Zemlinskys Trio wurde damals ausgezeichnet, allerdings ‚nur‘ mit dem dritten Preis. Den ersten Preis konnte damals ein Komponist erringen, der heute noch weitaus unbekannter ist: Walter Rabl. Er steuerte sein Klarinettenquartett Es-Dur op. 1 bei, das Brahms gewidmet ist und bei dessen Verleger Simrock veröffentlicht wurde. Auch dieses Werk haben die Interpreten auf der neuen Platte eingespielt, unterstützt in diesem Fall durch die Geigerin Kristina Suklar.

Rabls Klarinettenquartett gewann den ersten Preis völlig zu Recht, und es scheint unglaublich, dass es so vollkommen in Vergessenheit geraten konnte, denn das Werk ist ein wahres Wunder. Schon der kompakte erste Satz enthält mysteriöse und zumindest kurz auch bestürzend schroffe Passagen, ist aber in weiten Teilen durch eine freundliche, manchmal geradezu euphorische-jubelnde Stimmung geprägt. Der folgende Variationensatz in c-Moll über ein an Schuberts 'Wanderer'-Lied erinnerndes Thema ist ein unglaublich abwechslungsreicher und höchst expressiver Satz. Wie häufig auch bei Brahms folgt als Entspannung ein Intermezzo, hier ein sehr kurzes Andantino, und im aufgewühlten Finale kehrt die jubelnde Stimmung des ersten Satzes zurück.

Inzwischen sprechen sich die Qualitäten dieses Quartetts unter Musikern durchaus herum und es steht immer wieder mal auf Konzertprogrammen. Die Zahl der professionellen Einspielungen dieses Werkes ist aber bisher dennoch vergleichsweise überschaubar, eine sehr gelungene erschien allerdings vor einigen Jahren bei cpo (der Begleittext im Beiheft beider Produktionen ist in weiten Teilen identisch). Doch obwohl deren Interpreten namhafter sind, steht die vorliegende Neuaufnahme dagegen keineswegs zurück, wobei die Unterschiede ziemlich deutlich ausfallen.

Wer nach diesem Quartett gerne mehr von Walter Rabl hören würde, wird leider nicht allzu viel entdecken können: Die erwähnte cpo-Platte enthält zwar immerhin noch zwei weitere Werke, und darüber hinaus existieren offenbar noch einige Lieder und immerhin auch eine Symphonie und eine Oper, doch schon bald widmete sich Rabl seiner Dirigentenkarriere und gab das Komponieren gänzlich auf, aus heutiger Perspektive höchst bedauerlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Werke von Zemlinsky und Rabl: Christoph Zimper, Kristina Suklar, Florian Eggner, Peter Ovtcharov

Label:
Anzahl Medien:
Gramola
1
Medium:
EAN:

CD
9003643992283


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Rabl, Walter
Zemlinsky, Alexander von


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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