> > > J.J.Fux: Arias for the Emperor: Maria Ladurner, Biber Consort
Freitag, 28. Januar 2022

J.J.Fux: Arias for the Emperor - Maria Ladurner, Biber Consort

Zwischen Frömmigkeit und Opernlust


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für entdeckungsfreudige Barockliebhaber ist dieses Album mit sieben Ersteinspielungen ein Muss, für alle anderen eine atmosphärisch einladende Möglichkeit, einen zu Unrecht vergessenen Komponisten ins persönliche Repertoire aufzunehmen.

Dunkel und herb ertönt ein markiger Akkord und gleich darauf verzweigen sich die Streicher in alle Richtungen – es öffnet sich der Raum und man hat in der schwungvollen Eleganz des Orchesterklanges sofort höfisches Ambiente vor dem inneren Auge. Nicht minder faszinierend ist die fragile und sehnsuchtsvoll verhangene Solovioline im langsamen Mittelteil, bevor fernab jeder Ausgelassenheit ein strenger fast kühler Schlussteil wieder einen neuen, aristokratischen Charakter formt. So beginnt die neue CD 'Arias for the Emperor' beim Label Panclassics mit dem Biber Consort und der Sopranistin Maria Ladurner.

Auf dem im September 2020 eingespielten Album finden sich ausschließlich Werke von Johann Joseph Fux. Diesen Komponisten nicht zu kennen, ist keine Schande, aber ein Versäumnis. Fux war (so ist es im informativen Beiheft formuliert) der einzige österreichische Barockkomponist von Weltrang. Während man in London einem Georg Friedrich Händel zujubelte, Telemann und Hasse für die Opernbühne ihre meisterhaften Beiträge schufen, war Johann Joseph Fux am Hofe in Wien der unbestrittene Star. Neunzehn Opern und zwölf Oratorien hat er hinterlassen – und doch ist der Komponist und Kapellmeister heute eher als Schöpfer von Kirchen- und Instrumentalmusik in Spezialistenkreisen bekannt. Maria Ladurner und das Biber Consort machen mit dem vorliegenden Album auf die musikdramatischen Werke Fux' aufmerksam und fördern dabei ungeahnte Schätze zutage.

Schwung und Leidenschaft

Eine solche Entdeckung ist bereits die einleitende und eingangs beschriebene Sinfonia zur Festa teatrale 'Giunone Placata'. Das Biber Consort – allesamt erstklassige Solistinnen und Solisten – musiziert mit Schwung und Leidenschaft, aber auch mit einem guten Schuss Noblesse. Der Adressat dieser Opern, der Kaiser, bleibt immer latent akustisch erfahrbar. Der Raumklang liefert eine gute Portion Hall, was den höfischen und erhabenen Effekt verstärkt. Aufgenommen wurden die ausgewählten Nummern im Sommerrefektorium des Stifts St. Florian.

Es sind die großen Primadonnen ihrer Zeit, für die Fux komponiert hat – unter ihnen die spätere Ehefrau Hasses: Faustina Bordoni. Maria Ladurner lässt die Erinnerung an all diese barocken Stars lebendig werden, indem sie sich mit Feuer und Herzblut in die Interpretation der Rezitative und Arien wirft. Sie meistert mühelos die geforderte Virtuosität, findet aber ebenso zu innigem Ausdruck, wenn das Fehlen von vokalem Zierwerk den Blick ins Innere einer Figur gewährt. Besonders eindrücklich ist hier die Arie der Giunone 'Io non potea soffrir' aus 'Giunone placata', aber ebenso Maria Maddalenas 'Caro mio Dio' aus dem Componimento sacro 'La Deposizione dalla Croce di Gesù Cristo Salvator Nostro' von 1728. Ladurners glasklarer Gesang schwebt über der bassfreien Begleitung, ein wirklich ‚himmlischer‘ Effekt.

Herzhaft zupackend

Überhaupt lässt die instrumentale Qualität von Ladurners Sopran staunen. Kunstvoll erklimmt sie die komponierten Extreme und befreit sich von jeglichem Vibrato, wenn es notwendig erscheint. Dramatisches Gespür für die abgebildeten Affekte besitzt die Künstlerin ebenso und packt auch mal herzhaft zu, wie im wilden 'Sì, vendetta io voglio far' aus 'Julo Scanio'. In jeder dramatischen Situation teilen sich die emotionalen Berg- und Talfahrten unmissverständlich mit. Ladurner wartet neben ihrem Gespür für bühnennahe Effekte mit einer beachtlichen Palette an Farben auf und nicht zuletzt einem Verlassen auf die Meisterschaft des Komponisten.

Das Booklet beschäftigt sich kenntnisreich mit den aufführungshistorischen und handlungstragenden Umständen jeder einzelnen Arie, was den Hörgenuss ungemein befördert und stützt. Es finden sich sogar die Arientexte in italienischer Sprache und einer deutschen Übersetzung. Für entdeckungsfreudige Barockliebhaber ist dieses Album mit sieben Ersteinspielungen ein Muss, für alle anderen eine atmosphärisch einladende Möglichkeit, einen zu Unrecht vergessenen Komponisten ins persönliche Repertoire aufzunehmen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    J.J.Fux: Arias for the Emperor: Maria Ladurner, Biber Consort

Label:
Anzahl Medien:
Pan Classics
1
Medium:
EAN:

CD
7619990104259


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Fux, Johann Joseph


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Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


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