> > > Rigatti: Vespro della Beata Vergine: I Disinvolti, UtFaSol Ensemble, Massimo Lombardi
Sonntag, 19. September 2021

Rigatti: Vespro della Beata Vergine - I Disinvolti, UtFaSol Ensemble, Massimo Lombardi

Wider das Vergessen


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Enorm qualitätvolle Musik von Giovanni Antonio Rigatti aus der vermeintlich zweiten Reihe Venedigs, von i Disinvolti und dem UtFaSol Ensemble mit Temperament und etlichem Vermögen präsentiert.

Giovanni Antonio Rigatti ist ein wenig bekannter jüngerer Zeitgenosse Monteverdis, dessen Musik zu hören sich lohnt, wie die aktuelle Arcana-Produktion mit den jungen italienischen Formationen i Disinvolti und UtFaSol Ensemble zeigt. Rigatti, 1613 geborener Venezianer, wurde bereits als Knabe am Markusdom ausgebildet. Vermutlich war er kein direkter Schüler des großen Monteverdi, wohl aber von Alessandro Grandi und Giovanni Rovetta, deren Namen und künstlerischer Rang ebenfalls Gewicht haben. Jedenfalls scheint Rigatti talentiert gewesen zu sein, reüssierte er doch nach ersten geistlichen Weihen 1635 und wurde Kapellmeister in Udine. Zwei Jahre später findet er sich wieder in Venedig, am Ospedale dei Mendicanti, wo er ebenso Musikdirektor war wie wenige Jahre später am Ospedale degli Incurabili. Rigatti erfreute sich in dieser Zeit – und auch in den noch folgenden Jahren bis zu seinem plötzlichen Tod wenige Tage vor seinem 35. Geburtstag im Jahr 1648 – wirksamer Patronage, was eine Reihe von Publikationen seiner Werke möglich machte. Er konzentrierte sich dabei auf eher kleine Besetzungen, die mit Delikatesse und erstaunlicher Expressivität glänzen. Man darf vermuten, dass ein längeres Leben Rigatti höchstwahrscheinlich noch sehr viel repräsentativere Positionen eingebracht haben würde.

Temperamentvolle Vokalisten

In der vorliegenden Marien-Vesper sind Rigattis konzertante Psalmen gekoppelt mit Sonaten oder Hymnen anderer Hände – von Carlo Milanuzzi über Serafino Patta bis zu Adriano Banchieri oder Gioanpietro Del Buono. All das ist mit passender gregorianischer Einstimmigkeit in ein feines Formular gesetzt und mit vibrierendem Leben erfüllt. Dafür sorgen zuallererst die drei Vokalisten von i Disinvolti: Die beiden Tenöre Massimo Altieri und Massimo Lombardi – letzterer hat auch die musikalische Leitung inne – sowie der formidable Bass Guglielmo Buonsanti. Sie singen in klar zeichnenden, charaktervoll-unverwechselbaren Stimmprofilen, mit Gehalt und Kern. Sie finden zu Gesten individueller und gemeinsamer Virtuosität, sind immer wieder solistisch gefordert und setzen auf diesem Feld – stimmtechnisch wie in Sachen Ausdruck – vernehmliche Akzente.

Farbenreiche Instrumentalparts

Die instrumentale Besetzung hat Orgel, Theorbe und Viola da gamba als minimale Variante zu bieten, dazu kommen aus dem Reservoir des UtFaSol Ensemble ein Zink und drei Posaunen. Das erlaubt die für derartiges Repertoire erwartbare Farbigkeit. Es ist vibrierend temperamentvolles Spiel allerorten zu hören, rhythmisch pointiert und reich an strukturellen Elementen, wobei in dieser Hinsicht die von Marco Saccardin gespielte Theorbe noch einmal herausragt. Das Posaunen-Trio agiert harmonisch, der Zink quecksilbrig in seiner Beweglichkeit und lyrisch schön in den Linien. Überhaupt wird artikulatorisch die Weite der Möglichkeiten ausgelotet, werden auch technische Kabinettstückchen mühelos in einen musikalisch stimmigen Fluss integriert. Intoniert wird von den Vokalisten kraftbasiert und doch frei, auf der Basis fantastisch ausgesungener Linien. Die Instrumente fügen sich nobel und farbenreich in diesen Duktus. Auch die Tempi strömen eher gelassen als mit Überdruck, sind dabei diminutiv angereichert und geben der teils bemerkenswert üppigen Klangentfaltung reichlich Raum. Das Klangbild ist prall und plastisch, wirkt reich an Struktur und ist in stimmiger Balance befindlich; dazu sind alle Anteile luzide eingefangen.

Enorm qualitätvolle Musik von Giovanni Antonio Rigatti aus der vermeintlich zweiten Reihe Venedigs, von i Disinvolti und dem UtFaSol Ensemble mit Temperament und etlichem Vermögen präsentiert. Im fruchtbaren venezianischen Umfeld Monteverdis ist noch immer lohnende Musik dem Vergessen zu entreißen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rigatti: Vespro della Beata Vergine: I Disinvolti, UtFaSol Ensemble, Massimo Lombardi

Label:
Anzahl Medien:
Arcana
1
Medium:
EAN:

CD
3760195731215


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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