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Sonntag, 24. Oktober 2021

Songs by Sir Arthur Sullivan - The Harmonious Echo

Harmonisches Echo


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Abseits der gängigen und hierzulande viel zu selten gespielten Operetten Arthur Sullivans bietet dieses Doppelalbum die Chance, den 'anderen', nämlich den ernsteren Sullivan zu entdecken.

Obwohl Arthur Sullivan zu den populärsten englischen Komponisten des 19. Jahrhunderts gehörte, haben es seine Werke außerhalb der englischsprachigen Welt noch immer schwer. Seine Opern und Operetten sind kaum zu übersetzen und das sowohl in Bezug auf die Texte wie auf den besonderen Humor. Abgesehen vom ‚Mikado‘ oder den ‚Pirates of Penzance‘ finden sich die Welterfolge von Sullivan und seinem bevorzugten Textdichter William S. Gilbert so gut wie gar nicht auf beispielsweise deutschen Bühnen. Dieser Umstand hat leider auch zur Folge, dass man hierzulande die weiteren musikalischen Facetten von Arthur Sullivan nicht wahrnimmt. Seine ‚Irish Symphony‘ oder sein Cellokonzert fehlen in unserem Konzertwesen und der Liedkomponist Sullivan kommt ebenfalls nicht vor. Dabei war Sullivan in diesem Genre überaus produktiv. Das zeigt eine eben beim Label Chandos erschienene Doppel-CD, die im August und November 2020 mit Unterstützung der ‚Sir Arthur Sullivan Society‘ eingespielt wurde. Ihr Titel ist ‚The Harmonious Echo‘ – ein Verweis auf das wohl berühmteste (sofern man auf dem Kontinent davon sprechen kann) Lied Sullivans: ‚The Lost Chord‘.

Auf dem Doppelalbum, das eine Spieldauer von knapp 94 Minuten aufweist, finden sich 23 Lieder auf Texte verschiedener Dichterinnen und Dichter. Wer den schmissigen und ironisch überspannten Sullivan-Tonfall erwartet, wird erstaunt sein über die Melancholie und Schonungslosigkeit der besungenen Themen und Emotionen. Einige Gedichte stammen von Sullivans Zeitgenossin Adelaide Anne Procter, die soziale Missstände ihrer Epoche formuliert und beispielsweise das ergreifende ‚Thou art, weary‘ liefert – ein Wiegenlied für ein verhungerndes Kind. Des Weiteren findet sich Lyrik u.a. von Henry Fothergill Chorley, William Shakespeare, Bishop Reginald Heber, Jean Ingelow, Louisa M. Gray, Emma Catherine Emvury, Rudyard Kipling und auch von William S. Gilbert. Die emotionale Bandbreite ist enorm, der melodische Einfallsreichtum Sullivans ebenfalls. Man muss die Lieder freilich vor dem Hintergrund des viktorianischen Englands hören, um ihre Relevanz und Schönheit schätzen zu können.

Hörbare Leidenschaft

Für diese Einspielung stehen vier junge Sängerinnen und Sänger vor dem Mikrofon, die sich mit hörbarer Leidenschaft und Ernsthaftigkeit den intimen Momentaufnahmen widmen. Begleitet werden sie von David Owen Norris am Flügel. Alle vier Solistinnen und Solisten gehen außerordentlich textdeutlich zu Werke, in ihrer Kunstfertigkeit bezüglich Farben und Suggestion sind die Resultate jedoch sehr unterschiedlich. Mary Bevans‘ Sopran ist von soubrettiger Prägnanz und Energetik, sanfte Linien stehen weniger im Vordergrund und auch die spitze Höhe ist Geschmacksache. Der Tenor Ben Johnson klingt ein wenig so, als hätte er an den Tagen der Aufnahmesitzungen mit einer Indisposition zu kämpfen gehabt. Leicht angeraut ist sein Ton, die Höhen kommen nicht immer mühelos, der durchschimmernde Glanz kämpft mit dem ‚vokalen Nebel‘. Seine besten Momente hat er in ‚Little Maid of Arcadee‘ und vor allem in ‚The Maiden’s Story‘, weil er hier Mut zu zarten Klängen und ausdrucksvoller Sanftheit beweist, alles ohne Druck.

Sehr überzeugend präsentieren sich die Mezzosopranistin Kitty Whately und der Bass-Bariton Ashley Riches: Whately mit ihrem samtig goldenen Timbre und der Tiefe ihres Ausdrucks, Riches ebenso durch seine Intensität und die fein dosierte Dramatik seines gepflegten und kernig zupackenden Gesangs. ‚Thou art, weary‘ ist bei Whately in den besten Händen, die beiden Lieder ‚Looking Back‘ und ‚Looking Forward‘ macht Riches zu Glanzlichtern.

Zuverlässige Unterstützung

Der weitgehend positive Gesamteindruck dieses Lied-Projekts schrammt leider immer wieder an einem latent ‚altbackenen‘ Stil entlang. So haben beispielsweise die ‚Living Poems‘ auf einen Text von Henry Wadsworth Longfellow in der Interpretation von Kitty Whately einen schwer betulichen Unterton. Auch der Pianist David Owen Norris scheint sich ein wenig autistisch oder geschmackvoll bedeckt hinter seiner Klaviatur zu verkriechen. Aufregend oder besser anregend ist diese Begleitung nicht, sie unterstützt vielmehr zuverlässig und verlässt nie den Rahmen des Schicklichen. Beim finalen ‚The Absent-Minded Beggar‘, das am ehesten an die Operettenklänge Sullivans (inklusive eines kleinen Chores) erinnert, möchte man dem Spiel Owens schon fast etwas Schwungvolles und Verschmitztes attestieren, wären da nicht die vorangegangenen 90 Minuten, die ein anderes Bild verfestigt haben.

Der Eindruck des hier genutzten ‚Old fashioned style‘ kann den Hörer ohne Frage mit Ratlosigkeit konfrontieren. Vielleicht ist es aber wieder nur ein eklatantes Verständnisproblem, das Zwischentöne, Feinheiten und Energien den nicht-englischen Ohren im ungeschicktesten Fall verborgen hält. Trotzdem ist dieses wichtige Doppelalbum eine Reise zum ‚anderen‘ Sullivan ohne Frage wert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Songs by Sir Arthur Sullivan: The Harmonious Echo

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
Medium:
EAN:

CD
095115223925


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Sullivan, Arthur


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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