> > > Vaughan Williams: Symphonies 4 & 6: London Symphony Orchestra, Sir Antonio Pappano
Montag, 4. Juli 2022

Vaughan Williams: Symphonies 4 & 6 - London Symphony Orchestra, Sir Antonio Pappano

Klassische Kopplung


Label/Verlag: LSO Live
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Operndirigent Pappano als vorzüglicher Vaughan-Williams-Dirigent.

Am 12. Dezember 2019 bzw. 15. März 2020 dirigierte Antonio Pappano die Sinfonien Nr. 4 und 6 von Ralph Vaughan Williams im Londoner Barbican, die nun rechtzeitig zum 150. Geburtstag des Komponisten auf CD vorgelegt wurden. Die Kopplung ist eine äußerst beliebte, gelten die Sinfonien doch als ähnlich kraftvoll-martialisch – gelegentlich wurden sie bereits als ‚Vor-Kriegs-Sinfonien‘ gedeutet. Dabei ist gerade die Umgebung dieser Werke äußerst spannend – die Vierte Sinfonie entstand 1931/34 und neben ihr finden sich das Magnificat, die Neuausgabe des English Hymnal (eines lange gebräuchlichen Gesangbuchs der Anglikanischen Kirche), die Einrichtung der Fantasia on ‚Greensleeves‘ aus der Oper ‚Sir John [Falstaff] in Love‘ und die Suite für Viola und kleines Orchester; die Sechste entstand 1944-7 und neben ihr finden sich u.a. das Oboenkonzert, das Streichquartett a-Moll, die Rundfunkmusik für Shakespeares ‚Richard II‘, das Thanksgiving for Victory, Weihnachtslieder, zwei Motetten sowie Introduction and Fugue für zwei Klaviere. Das Scherzo der Vierten Sinfonie (die zunächst noch keine Zählung trug, sondern Sinfonie f-Moll hieß) ist verwandt mit dem Ballett ‚Job‘ (‚Hiob‘, 1930) – und der der Sinfonie inhärente Konflikt lässt sich wohl als eher grundsätzlich menschlicher denn äußerlich politischer o.ä. Natur beschreiben. Antonio Pappano lotet die emotionalen Abgründe des Werks in großer Dichte und starker Expressivität aus. Dass dennoch nicht alles rundum überzeugt, mag an mancher Phrase liegen, die weder dramatisch noch lyrisch ist; auch die heiklen Blechbläsertexturen bekommt nicht jeder Dirigent ganz in den Griff. Vergleicht man etwa mit Vaughan Williams‘ eigener Einspielung von 1937, so erleben wir trotz einiger Inkonsistenzen noch kohärentere Innenspannung – natürlich nicht in so perfektem SACD-Klang (die Akustik des Barbican soll problematisch sein? Blödsinn) wie unter Pappano, aber mindestens ebenso überzeugend. Schlussendlich klingt Pappanos Interpretation zwar lebendig, aber vorhersehbar, auch nicht ganz so pointiert wie etwa Vernon Handleys Einspielung aus Liverpool.

Brillant musiziert, aber...

Noch schwieriger als die Vierte Sinfonie ist die Sechste zu interpretieren – hier darf keine musikalische Geste äußerlich wirken, muss jeder Klang exakt pointiert sein, Effekte dürfen nicht zum Selbstzweck werden (selbst John Barbirolli war nicht ganz davor gefeit). Im Epilog verliert sich Pappano mit dem bestens präparierten London Symphony Orchestra ein wenig in den feinen Verzweigungen der Musik und ist nicht ganz so zielgerichtet wie (in diesem Fall) tatsächlich mehrere seiner Vorgänger. So bleibt als Fazit diesmal eine zwar brillant musizierte, für ‚Ersthörer‘ sicher mitreißende SACD in bestmöglichem Klang, aber anderswo kann man denn doch noch stärker ausgearbeitet die musikalische Essenz der Musik hören. Die Begleittexte sind von der üblichen mittelmäßigen Qualität der Konzertprogrammtexte des London Symphony Orchestra – nichts, was nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vaughan Williams: Symphonies 4 & 6: London Symphony Orchestra, Sir Antonio Pappano

Label:
Anzahl Medien:
LSO Live
1
Medium:
EAN:

CD
822231186724


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Vaughan Williams, Ralph


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LSO Live

Einspielungen des Labels LSO Live vermitteln die Energie und Emotion der großartigsten Aufführungen mit höchster technischer Qualität und Finesse.

Liveaufzeichnungen bedeuteten früher gewöhnlich Kompromisse, aber heutzutage kann mit Hilfe der besten Aufnahmetechnik im Konzertsaal die Vitalität festgehalten werden, die im Studio so schwer nachzustellen ist.
Durch das Zusammenschneiden mehrerer Aufführungen können wir eine Vorlage schaffen, die die Spannung einer Konzertaufführung ohne unerwünschte Nebengeräusche bewahrt.

Seit 2000 veröffentlichte das LSO Live über 80 Alben und nahm zahlreiche Preise entgegen. Das London Symphony Orchestra war schon früher das am meisten aufgenommene Orchester der Welt, hatte es doch für zahlreiche Plattenfirmen gearbeitet und viele der berühmtesten Filmmusiken eingespielt. Die Investition in unsere eigenen Aufnahmen ermöglicht dem Orchester jedoch abzusichern, dass jede Veröffentlichung den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und das Hören der besten Musik allen Menschen zugänglich ist.

Das LSO Live war eines der ersten klassischen Plattenfirmen, die Downloads anboten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Wir geben auch unsere Einspielungen im SACD Format (Super Audio Compact Disc) heraus. SACDs lassen sich auf allen CD-Spielern abspielen, ermöglichen aber den Hörern mit speziellen SACD-Spielern den Genuss eines hochaufgelösten, mehrkanaligen Klangs.

London Symphony Orchestra
Das London Symphony Orchestra wurde 1904 von einer Gruppe von Musikern gegründet, die für den Dirigenten Henry Wood spielten. Sie wollten ihr eigenes Orchester leiten und die Wahl haben, mit welchen Dirigenten sie zusammenarbeiteten. Sie beschrieben das LSO als eine musikalische Republik, und das Orchester war über Nacht ein Erfolg.

Heute gibt das LSO ungefähr 70 Konzerte pro Jahr in London und bis zu 90 auf Tournee. Es ist regelmäßig auf Konzertreise durch Europa, Nordamerika und im Fernen Osten. Waleri Gergijew ist seit 2007 Chefdirigent des LSO und Sir Colin Davis sein Präsident.

Das LSO organisiert auch das in der Welt am längsten laufende und umfangreichste Bildungsprogramm eines Orchesters: LSO Discovery. Mit seinem Sitz im Londoner Musikbildungszentrum LSO St Lukes schafft Discovery die Möglichkeit für Menschen aller Altersgruppen und Veranlagungen, mit Musikern des LSO zusammenzuarbeiten, etwas über Musik zu lernen und ihre Fertigkeiten zu entwickeln.


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