> > > Mussorgsky: Complete operas and fragments: Soloists of the Bolshoi Theatre 1911-1963
Donnerstag, 16. September 2021

Mussorgsky: Complete operas and fragments - Soloists of the Bolshoi Theatre 1911-1963

Vokale Pracht mit russischer Seele


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Profil Hänssler bringt eine verdienstvolle Edition mit sämtlichen Mussorgsky-Opern in grandiosen historischen Einspielungen heraus.

Sämtliche komplette Opern und Fragmente von Modest Petrovich Mussorgsky verheißt die Kassette, die das Label Profil Hänssler zusammengestellt hat. Was sich dahinter verbirgt sind siebzehn prall gefüllte CDs mit historischen Gesamtaufnahmen von 1948 bis 1962, ergänzt um eine stattliche Anzahl von Ausschnitten und Einzeltiteln, die als Summe nichts weniger als ein Gipfeltreffen der russischen Gesangskunst darstellen.

Gleichzeitig dokumentiert die Edition anhand der ausgewählten Einspielungen die Flut von Bearbeitungen, Neuorchestrierungen und Vervollständigungen, die das größtenteils unvollendet gebliebene Schaffen Mussorgskys im Nachhinein erfuhr. Exemplarisch dafür steht seine bekannteste Oper 'Boris Godunow', von der es eine fast unüberschaubare Anzahl von Fassungen gibt. Durchgesetzt haben sich die Nachschöpfungen von Nikolai Rimsky-Korsakov und Dimitri Schostakowitsch. Beide Versionen sind in der Anthologie enthalten und im Vergleich ausgesprochen reizvoll. Zum Schwärmen verleitet die technisch famos aufbereitete Studioaufnahme von 1948 unter der Leitung von Nikolai Golovanov. Sie birst vor Spannung und bietet mit Maria Maksakova als profunder Marina, dem damaligen Ausnahmetenor Georgy Nelepp als falschem Dimitri und dem tiefschwarzen Bass Maxim Michailow als Pimen in den Hauptpartien allererste Kräfte des Bolschois auf. Luxusbesetzungen gibt es auch in den Nebenrollen: Der feinsinnige Lyriker Ivan Kozlovsky singt den Narr herzbewegend, Elisaweta Schumskaja veredelt die Xenia. Über allen aber thront im wahrsten Sinne des Wortes Mark Reizen. Er ist ein Boris von majestätischer Größe, der klangliche Opulenz mit dynamischer Subtilität verbindet und eines der eindringlichsten Porträts des Zaren gestaltet.

Überwältigende Wucht

Ein Meilenstein in der Geschichte des 'Boris Godunow' war 1959 die Premiere der Schostakowitsch-Instrumentation im Sankt Petersburger Mariinsky Theater. Der Lifemitschnitt unter Sergey Yeltsyn, der dort ein Jahr später entstand, atmet den Geist von authentischer Bühnenatmosphäre. Überwältigend ist die Wucht der Chöre, durchweg glänzend das Ensemble, das von Boris Timofeyevitch Shtokolov, einem weiteren Monumentalbass aus Russlands unerschöpflichem Reservoir tiefer Stimmen angeführt wird.

Auch Mussorgskys zweites Historienepos 'Khovanshchina' erklingt sowohl in der Rimsky-Korsakov-, als auch in der Schostakowitsch-Fassung. Knapp zehn Jahre liegen zwischen den Aufnahmen und in beiden demonstriert Mark Reizen als Priester Dosifey ungebrochene Stimmkraft und ausdrucksvollsten Gesang. Dabei ist er kein Solitär, denn beide Ensembles offenbaren in jeder Rolle vokale Pracht und eine theatralische Energie, der man sich auch am Lautsprecher nicht entziehen kann.

Weiter geht es mit Mussorgskys beiden Gogol-Vertonungen. 'Die Hochzeit' liegt in der Bearbeitung durch Mikhael Ippolitov-Ivanov aus dem Beginn der 30er Jahre vor. Er erweiterte die vier vorhandenen Szenen des ersten Aktes zu einem abendfüllenden Werk mit viel Parlando und blitzender Instrumentation, ähnlich wie in Schostakowitschs 'Die Nase'. Auch in dieser Aufnahme besticht die Vitalität der Mitwirkenden, von denen stellvertretend der Tenor Pavel Pontryagin und dessen pointierte Charakterisierungskunst erwähnt sei.

Vokale Sternstunde

Aus dem Rahmen fällt die Einspielung der volkstümlichen Groteske 'Der Jahrmarkt von Sorotschinzi' in der Rekonstruktion des Schostakowitsch-Freunds Wissarion Schebalin. Es ist das einzige nichtrussische Tondokument, doch auch das Ensemble der Slowenischen Oper Ljubljana offenbart pralles Komödiantentum. Bleiben die Anhänge. Und die haben es in sich: Man hört etwa Boris Christov, die bulgarische Basslegende in einer Arie aus dem 'Salammbo'-Fragment. Oder Zara Dolukhanova, die in der Szene der Marfa mit überwältigender vokaler Opulenz ihre Ausnahmestellung als eine der größten russischen Mezzosopranistinnen untermauert. Wie auch die Amerikanerin Evelyn Lear, die vormacht, wie belcantistisch und sinnlich eine westlich geprägte Sopranistin die Marina singen kann. Nicht zuletzt aber ist eine vokale Sternstunde zu erleben. Feodor Schaljapin, einer der Giganten nicht nur der russischen Gesangsgeschichte, singt alle Basspartien aus 'Boris Godunow'. Mit welcher stimmlichen Dramatik faszinierenden Vielschichtigkeit und Suggestivkraft er sie mit Leben erfüllt, das vermitteln die ausgewählten Studioaufnahmen und Szenen aus einer mitgeschnittenen Aufführung in Londons Covent Garden.

Das Booklet enthält die Inhaltsangaben, einen Überblick über die verwendeten Fassungen und genaue Angaben zu den Einspielungen, unbegreiflicherweise aber keine Biographien zu den Mitwirkenden. Das aber ist ein Versäumnis: gerne möchte man doch mehr über diejenigen wissen, die hierzulande noch nicht mal dem Namen nach bekannt sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mussorgsky: Complete operas and fragments: Soloists of the Bolshoi Theatre 1911-1963

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
17
Medium:
EAN:

CD
881488210026


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Mussorgsky, Modest


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Profil - Edition Günter Hänssler

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EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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