> > > La Muse: Prisma String Trio
Dienstag, 19. Oktober 2021

La Muse - Prisma String Trio

Komplexe Intimität


Label/Verlag: Cobra Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Prisma String Trio ist den hohen Ansprüchen von Florent Schmitts spätem Meisterwerk noch nicht ganz gewachsen.

Neben dem fast einstündigen Klavierquintett h-Moll op. 51 ist das Streichtrio e-Moll op. 105 eine weitere kammermusikalische Tour de force von Florent Schmitt – diesmal ein Spätwerk des 74-Jährigen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als Schmitt sich in den Augen seiner Kritiker nicht hinreichend gegen die Nazis positionierte und mit der Vichy-Regierung paktierte. Den Qualitäten seiner anspruchsvollen viersätzigen Triokomposition macht das keinen Abbruch – das Werk macht es nicht nur wegen des substanziellen Umfangs von einer halben Stunde weder dem Zuhörer noch den Interpreten leicht. Die Architektur der Komposition ist komplex, und wir können uns glücklich schätzen, dass die Interpreten der Uraufführung und Widmungsträger, das Pasquier Trio, die Komposition 1946 für Schallplatte einspielte.

Das niederländische Prisma String Trio, bestehend aus Janneke van Prooijen, Elisabeth Smalt und Michiel Weidner, gibt sich viel Mühe mit der Musik, doch ist allerorten zu spüren, dass ihm Schmitts Idiom im Grunde noch verschlossen ist. Dies ist umso bedauerlicher, als es sich um die erste Tonträgereinspielung in neuerer Zeit zu handeln scheint (eine Cybelia-LP mit dem Trio Albert Roussel wurde nie auf CD veröffentlicht). Doch fehlt dem niederländischen Trio jeder gallischer Charme, vor allem aber ist das Verständnis für die Gesamtkonzeption der Musik noch nicht hinreichend etabliert. Manche Sätze fallen leichter als andere, doch eine umfassende Vision will sich noch nicht recht einstellen – dafür bleiben die Musiker immer wieder an einigen Stellen um Nuancen zu kalkuliert, zu wenig wagemutig, zu wenig streng mit sich selbst. Gerade die Selbstrücknahme zugunsten der Musik ist auch eine Kunst, die in genau der richtigen Portion vorhanden sein muss, um sich hinter, nicht vor die Musik zu stellen.

Sehr persönlich

Auch die andere Komposition der CD entstand während des Zweiten Weltkriegs – ein 15-sätziger Klavierzyklus von Darius Milhaud mit dem Titel 'La Muse ménagère' (Die Haushaltsmuse) op. 245, der für das Prisma String Trio von insgesamt vier Personen eingerichtet wurde, darunter dem damals schon schwer kranken Ehemann der Bratschistin des Prisma String Trio, der sechs Transkriptionen verfertigte. So wird die Produktion in dieser Hinsicht eine sehr persönliche, für manchen vielleicht zu persönliche Angelegenheit (und was hätte näher gelegen, die Milhaud-Komposition auf CD mit Milhauds beiden Streichtriowerken für Originalbesetzung zu koppeln, statt das Schmitt-Werk damit zu beschweren – oder wenigstens eine Doppel-CD zu produzieren). Milhauds Komposition (über die wir im erschreckend oberflächlich-assoziativen Booklet ebenso wenig erfahren wie über Schmitts wichtigen Gattungsbeitrag) ist ohne Frage voller Poesie und Introspektion, weit entfernt von manchem früheren wohlbekannten ‚Schlager‘. Auch die teilweise durchaus sehr eigenständige Einrichtung für Streichtrio verleiht der Musik ganz eigenen Charakter.

Die Aufnahmetechnik weiß die Intimität der Interpretationen zu betonen und jederzeit größtmögliche Klarheit und Tiefe zu vermitteln. Umso betrüblicher die geringe Mühe, die auf die Informationsvermittlung im Booklet aufgewendet wurde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    La Muse: Prisma String Trio

Label:
Anzahl Medien:
Cobra Records
1
Medium:
EAN:

CD
8713897904802


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Milhaud, Darius
Schmitt, Florent


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Classica: "Cet enregistrement est donc une bénédiction, d’abord par la qualité des musiciens néerlandais du Trio Prisma, mais aussi en raison de sa rareté, l’œuvre n’ayant jamais été enregistrée depuis la version du Trio Pasquier, parue en 78-tours après la création."

Fono Forum: "Das 2002 gegründete Ensemble wirft sich mit Verve in Schmitts Trio-Kosmos. Die Preziosen von Milhaud gestaltet es mit feinem Esprit und subtilem Humor."

Pizzicato: "die Prisma-Musiker spielen so, dass die Musik den Hörer packt. Auch den langsamen Satz loten sie ausdrucksvoll mit dunkeln Farben aus, während das Rondo einen geradezu burlesken Charakter bekommt…La Muse Ménagère bleibt in der Streichtriofassung so rein und poetisch, dass sie den Zuhörer nicht weniger berühren als im Original."


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Cobra Records

Remarkable projects: COBRA RECORDS is always looking for remarkable projects performed by young talent and/or internationally well known musicians and special ensembles, domestically and abroad. Enthusiasm, ambition, open-minded, sense of quality, cooperation and flexibility are our keywords. Remarkable can be defined as groundbreaking, innovative, but also sublime performance of the "main repertoire". Looking for everyone's highest quality we create all conditions to achieve a special production. This all starts with discussing repertoire, planning, choosing acoustical location. Each musician gets complete artistic freedom and all the support to achieve highest expression.

Audiophile quality: All productions are recorded in native DSD. This recording format has a sample rate which is at least 64 times higher then a CD. The recordings are made in three different styles: Stereo, Surround and Binaural.

Artwork, Video: Much attention for a special look is given to optimal design and video.

Fair Trade: COBRA RECORDS is a fair trade label. Together with musicians we invest in new productions. This is for both parties a healthy mechanism that forces combining efforts for maximum publicity. COBRA RECORDS attaches great importance to a broad collaboration with musicians, composers, concert halls, artist management and media.

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