> > > Beethoven: Symphonies No. 7-9: Britten Sinfonia, Thomas Ades
Mittwoch, 7. Dezember 2022

Beethoven: Symphonies No. 7-9 - Britten Sinfonia, Thomas Ades

Thomas Adès als genialer Beethoven-Interpret


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Im Beethoven-Zyklus der Britten Sinfonia mit dem Komponisten Thomas Adès liegen nun die letzten drei Symphonien vor. Und markieren einen Höhepunkt der Beethoven-Diskographie.

Der Industrielle Robin Boyle ist – wie es scheint – ein großer Fan von Thomas Adès. In der Vergangenheit hat er Werke bei ihm in Auftrag gegeben. Und als ‚Zeichen seiner Freundschaft und Bewunderung‘ für Adès hat er nun einen Beethoven-Zyklus gesponsort, in dem man den gefeierten zeitgenössischen Komponisten als Dirigent der Britten Sinfonia erleben kann. In einer Doppel-Box liegen nun die Symphonien 7, 8 und 9 vor, kombiniert mit Gerald Barrys 'The Eternal Recurrence', ein elfminütiges Stück von 1999.

Meine erste Reaktion beim Anhören dieser Beethoven-Symphonien war ein lautes und überschwängliches: ‚Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!‘ Ja, ja. Und nochmals ja. Gleich von der berühmten Einleitung der 7. Symphonie in a-Moll an hatte ich das Gefühl, hier stimme wirklich alles in Bezug auf Tempo, Klangfarben, Spielfreude, präzise herausgearbeitete Details, Übergänge, Steigerungen … Wer das Stück kürzlich in der Aufnahme mit Teodor Currentzis und Music Aeterna gehört hat, wird bei Adès stauend feststellen, dass man dieser überpopulären Partitur etwas Eigenes und überraschend Neues abgewinnen kann, ohne sie zur Groteske zu verzerren. Vielmehr wirkt bei Adès alles so natürlich, dass man sich fragt, warum das nicht immer so gespielt wird. Und warum man zuvor bestimmte Momente im Dickicht der Orchestrierung nicht bemerkt hatte.

Federnd und krachend

Aufgenommen wurden die Stücke in der Barbican Hall in London, im Mai 2019. Jetzt hat wurden sie von Signum Records attraktiv verpackt veröffentlicht. Natürlich wird jeder bei so weltberühmten Stücken wie diesen drei Symphonien – speziell bei der 7. und 9. – schon lange Lieblingsaufnahmen haben, an deren Favoritenstatus nichts kratzen kann. Bei Beethovens tänzerischer Siebenter ist das für mich die Karajan-Einspielung mit den Berliner Philharmonikern aus den 1970ern. Was den Drive angeht, so hat Karajan im Vergleich zu Adès weiterhin die Nase vorn, was aber nicht heißt, dass Adès langweiliger wäre. Er steigert nur seinen Beethoven nicht zum Formel-1-Rennen. Und das ist auch gut so, als alternative Lesart, die dennoch enorm federt und kracht. Und Ruhe verbreitet. Die vor allem aber unglaublich genau ist und jeden noch so winzigem Akzent aufscheinen lässt. Über den man beim Hören stolpert und dadurch das Drumherum neu erfasst. Das hinzubekommen ist eine Meisterleistung von Adès, und die Britten Sinfonia spielt das Ganze fantastisch auf modernem Instrumentarium. Hier gibt‘s also keine Alte-Musik-Klangeinfärbung. Und dennoch wirkt alles frisch und anders.

Das gilt auch für die F-Dur-Symphonie Nr. 8, selbst wenn ich das 'Allegretto scherzando' nach wie vor von Paul van Kempen mit den Berliner Philharmonikern 1953 eingespielt lieber höre. Aber auch wirklich nur die Eröffnungstakte… bei allem anderen bin ich vollkommen bei Adès.

Tja, und dann die Neunte. Das Furioso, das Willem Mengelberg mit dem Concertgebouw Orkest entfesselte und das für mich unverrückbar die aufregendste Interpretation dieses Werks ist, strebt Adès gar nicht erst an. Seine Neunte ist sachlicher und erlaubt der Musik, sich auf andere Weise zu entfalten. Auch hier sitzen die Akzente so, dass man immer wieder verblüfft innehält. Das ist eine in jeder Hinsicht hochindividuelle Interpretation der d-Moll-Symphonie, die es schafft, die vier Sätze so klingen zu lassen, wie man sie noch nicht gehört hat. So, als würden sie zum allerersten Mal aus der Partitur emporsteigen. Frisch und unverbraucht. Eine beachtliche Leistung.

Sehr gute Textverständlichkeit

Die Solisten – Jennifer France, Christianne Stotjin, Ed Lyon und Matthew Rose – sind gut, wenn auch nicht außergewöhnlich. Es singen die Britten Sinfonia Voices und der Choir of Royal Holloway. Das ist keine Schlacht der Chormassen, sondern ebenfalls präzise ausbalancierte Gruppen. Die mit 'Freude schöner Götterfunken' nicht die totale Überrumpelung erzeugen, sondern immer eine leichte emotionale Distanz lassen. Was interessant zu hören ist. Auffallend: Man versteht immer jedes einzelne Wort klar und deutlich und könnte den gesamten Text mitschreiben, nur vom Zuhören. Was nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist.

Am Ende stürmt auch Adès in die Schlusskurve, aber niemand verschwitzt (wie Bernstein) oder triumphal (wie Karajan). Er zieht auch nicht im allerletzten Moment plötzlich die Handbremse (wie Mengelberg), um nicht gegen die Wand zu krachen und einen Überraschungseffekt zu erzielen. Sondern er überlässt das letzte Wort Beethoven. Und nur Beethoven. Das ist toll. Für mich die beste Beethoven-Platte seit Jahren!

Danach wirkt das kurze Barry-Stück reichlich verloren. Und so sehr ich mich mehrmals bemühte, es anzuhören: nach dem D-Dur-Jubel der Ode an die Freude zu dieser Nietzsche-Vertonung ('O Man! Attend!', besser bekannt aus Mahlers 3. Symphonie) zu finden, ist für mich unmöglich. Was aber die Begeisterung für den Rest der Doppel-CD in keiner Weise trübt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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    Beethoven: Symphonies No. 7-9: Britten Sinfonia, Thomas Ades

Label:
Anzahl Medien:
signum classics
2
Medium:
EAN:

CD
635212065921


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