> > > Paradisi Porte: Tiburtina Ensemble, Barbora Kabatkova, Oltremontano, Wim Becu
Samstag, 25. Juni 2022

Paradisi Porte - Tiburtina Ensemble, Barbora Kabatkova, Oltremontano, Wim Becu

Engelskonzert


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Tiburtina Ensemble und Oltremontano Antwerpen: So kann man Artefakte der Bildenden Kunst über Jahrhunderte hinweg zum Klingen bringen – mit Geschmack, gedanklicher Schärfe und Klangimagination.

Ausgangspunkt und Inspirationsquelle für das aktuell beim Label Accent erschienene Album der von Barbora Kabátková und Wim Becu angeführten Formationen Tiburtina Ensemble und Oltremontano Antwerpen ist ein großes Gemälde, das Hans Memling um 1490 für das spanische Kloster Santa Maria la Real von Nájera schuf: 'Gottvater mit singenden und musizierenden Engeln', das heute im Königlichen Museum für schöne Künste in Antwerpen verwahrt wird und Mariä Himmelfahrt als Hauptthema hat. Im Zuge einer notwendigen Restaurierung kam Wim Becu die Idee, sich gemeinsam mit einigen Bauern historischer Musikinstrumente parallel zur visuellen Erfrischung auch an eine klangliche Verlebendigung zu machen. Neben den in Memlings Bild dargestellten singenden Engeln direkt neben Gottvater gibt es eben auch eine ganze Reihe von Engelsfiguren, die mit zeittypischen Instrumenten ausgestattet sind, gruppiert als Bassa capella und Alta capella – erstere mit den leiseren Instrumenten wie Psalter, Tromba marina, Laute, Harfe, Fidel und Organetto ausgestattet, letztere mit der Trompette de menestrel, der Schalmei, dazu verschieden dimensionierten Trompeten wie Busine und Clareta.

Die singenden Engel geben in der Einspielung die Damen des Tiburtina Ensembles von Barbora Kabátková ab, die Instrumente spielen in verschiedenen Konstellationen die Instrumentalisten des Ensembles Oltremontano Antwerpen, in dem Wim Becu eine Reihe von Spitzennamen versammelt hat, unter ihnen Andrew Lawrence-King, der auf Harfe und Psalterium beiträgt. Gemeinsam spielen und singen sie Repertoire, das um 1490, also zur Entstehungszeit des Bildes, in Memlings Heimatstadt Brüssel musiziert worden sein könnte: Natürlich Gregorianik, dazu Motetten, Hymnen und Chansons von Guillaume Dufay, Gilles Binchois, Jacob Obrecht und John Dunstaple, in gebrochener vokal-instrumentaler Besetzung, die angesichts des verfügbar gemachten Instrumentariums reiche Möglichkeiten für Varianz bietet.

Engagiert und explorativ

Das von Barbora Kabátková geformte und zu einfühlsamer Höchstleistung gebrachte Tiburtina Ensemble singt homogen wie aus einer Kehle – exemplarisch erfahrbar in der gleichwohl hochlebendig gestalteten Gregorianik: Hier kommen perfekte Stimmorganisation und eine stimmige Balance zwischen schlichter Grundgeste und freierer Entfaltung zusammen. Das sorgt in diesem Kontext – wie schon oft zuvor in anderen Programmen – für klangliche Noblesse und die Anmutung schlichter Leidenschaft. Bei Oltremontano Antwerpen treten in ihrer Gesamtheit Instrumente von dezidierter, gleichwohl schmaler, eher schimmernder denn kräftig leuchtender Klanglichkeit zusammen. Feine Impulse gliedern die Linien und machen klar, dass es immer um die Entfaltung eines feinen Gespinsts geht, das auf die grundsätzlich feine und zarte dynamische Entfaltung verweist, die sich in entspannt fließenden Tempi materialisiert, die ihrerseits gelegentlich zu fast rhapsodischer Freiheit avancieren.

Spieltechniken werden in ihrer Geräuschhaftigkeit erfahrbar; das kontrapunktische Gefüge wird im Spiegel der auf einer Schichtung reiner Quinten basierenden pythagoreischen Stimmung expliziert, was zu einer schwebenden Intonation voller Farben und Eigentümlichkeiten führt, der aufmerksam zuzuhören sich besonders lohnt. Gerade die gezupften und gestrichenen Instrumente sind mit viel mürbem Klang oft nicht rundheraus melodie- oder linienfähig zu nennen. Technisch ist es ein Klangbild von aufgeräumter Größe, maximaler Transparenz, in perfekter Balance und Staffelung befindlich: Genauso macht man diese durchaus heikle Musik lebendig.

Ergebnis ist eine glücklich gefügte Zusammenarbeit von Theoretikern und Praktikern, von Instrumentenbauern und Instrumentalisten: So kann man Artefakte der Bildenden Kunst über Jahrhunderte hinweg zum Klingen bringen – mit Geschmack, gedanklicher Schärfe und Klangimagination.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Paradisi Porte: Tiburtina Ensemble, Barbora Kabatkova, Oltremontano, Wim Becu

Label:
Anzahl Medien:
Accent
1
Medium:
EAN:

CD
4015023243736


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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