> > > W.A.Mozart: Konzert-Arien: Lisette Oropesa, Il pomo d'oro, Antonella Manacorda
Donnerstag, 17. Juni 2021

W.A.Mozart: Konzert-Arien - Lisette Oropesa, Il pomo d'oro, Antonella Manacorda

Bühnenfiguren im Konzert


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lisette Oropesa, Antonello Manacorda und das Ensemble Il pomo d’oro sollte man mit diesen starken Interpretationen von zehn Mozart-Konzertarien definitiv man gehört haben.

Für ein Debüt-Album ein reines Mozart-Programm zu wählen, ist eine mutige Setzung. Bei Mozart liegt alles offen, da kann man keine technischen Defizite verstecken – das ist durchaus eine Art Königsdisziplin. Die amerikanische Sopranistin Lisette Oropesa stellt sich dieser Herausforderung mit allen Facetten ihrer bemerkenswerten Kunst. Seit vielen Jahren ist sie auf großen Opernbühnen unterwegs, ihre Karriere hat sich mit Bedacht und genügend Zeit entwickelt. Mittlerweile ist Oropesa eine gefragte Lucia in Donizettis 'Lucia di Lammermoor' und mit ihrer Marguerite de Valois in Meyerbeers 'Les Huguenots' sorgte sie im vergangenen Jahr in Genf für Furore. Dass sie eine prachtvolle Manon in Massenets Vertonung ist und eine ebenso anrührende Violetta in 'La Traviata' ist, kann man in verschiedenen Radio- und Kinoübertragungen nachvollziehen.

Nun war Oropesa im August 2020 also mit Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts im Studio – gemeinsam mit dem Dirigenten Antonello Manacorda und dem Originalklang-Ensemble Il pomo d’oro. Auf dem Programm dieses Debüt-Albums, das beim Label Pentatone erschienen ist, stehen aber nicht die großen und bekannten Opernarien ihres Fachs, sondern zehn von Mozarts sogenannten Konzertarien. Diese gängige Bezeichnung ist ein wenig irreführend, denn es handelt sich durchaus um veritable Opernszenen, die teils als Einzelstücke konzipiert oder ebenso als Einlage-Arien für Opern anderer Komponisten entstanden sind. Der dramatische Gestus, der klaren Bezug auf einen szenischen oder emotionalen Auslöser nimmt, ist in diesen Arien mit Händen greifbar.

Enorm beweglich

Und genau dies macht Lisette Oropesa mit ihrer Interpretation deutlich. Sie zelebriert keine hochpolierte Vokalkunst, die sich mit instrumentaler Stimmführung ins Orchester schmiegt oder sich mit reiner Virtuosität begnügt. Oropesa erweckt Bühnenfiguren, leidet und jubelt, spürt geistigen Entrückungen nach und schleudert Koloraturen über die Rampe. Ihr eigentlich lyrischer Sopran mit enormer Beweglichkeit und Farbenreichtum erlaubt ihr diesen zupackenden Umgang mit den hier eingespielten Arien. In manchen Fällen hat ihr satter, warmer Ton, der authentische und gefühlsdurchtränkte Vortrag schon fast etwas Altmodisches. Oft muss man beim Hören dieser CD an die großen Mozart-Sängerinnen der Vergangenheit wie Sena Jurinac, Lucia Popp oder Irmgard Seefried denken, teils auch an den perlenden Charme einer Rita Streich. Die Stimme ist aber zu einhundert Prozent Oropesa.

Die Mischung der ausgewählten Arien ist reizvoll, bekanntere Dauerbrenner mischen sich mit eher selten gehörten Konzertarien. Schon der Beginn ist eine Entdeckung: 'A Berenice – Sol nascente' KV 70. Lisette Oropesa zieht bereits hier alle Register: Sie besticht durch den sanft bebenden Fluss ihres Soprans, dem ein gut kontrolliertes Vibrato beigemischt ist, Sprünge und Läufe bieten Virtuosität, die aber stets im Dienst des dramatischen Ausdrucks Verwendung finden.

Herrliche Binnenspannung

Il pomo d’oro und Antonello Manacorda sind kluge und ebenso ausdrucksstarke Partner für die Solistin. Es ist sogar besonders spannend, das alte Instrumentarium in Verbindung mit dem kernigen und so gar nicht auf ‚Alte Musik‘ getrimmten Zugriff von Oropesa zu hören. Diese Komponenten ergänzen sich hervorragend, so manche Kontrastwirkung belebt die Szenen ungemein. Herrlich, mit welcher Binnenspannung das Vorspiel zu 'Bella mia fiamma' KV 528 erklingt, und wie klangvoll und theatral Lisette Oropesa das Rezitativ beseelt. Neben vielen überzeugenden Interpretationen ist die finale Arie 'Ah se in ciel, benigne stelle' KV 538 ein Höhepunkt des Albums.

Bei einer so eigenwilligen und persönlichkeitsstarken Setzung gibt es auch Momente, die weniger beglücken – gerade im direkten Vergleich zu den umliegenden Leistungen. Die Blechbläser haben es teils hörbar schwer, den hohen Anforderungen gerecht zu werden, und auch die Sopranistin kann nicht in allen Arien ihre Stärken ausspielen. So liegt 'Alcandro, lo confesso' KV 294 in der Tessitura recht hoch, das führt im Vortrag zu teils verhärteten Tönen und gelegentlichen Schärfen. Und auch für 'Vorrei spiegarvi, oh Dio!' KV 418 könnte man sich gerade im ersten Teil einen schwebenderen Klang vorstellen, der den Hörer umgarnt. Den mörderischen Sprung am Ende der Arie meistert Oropesa dann allerdings mit Bravour und ohne effekthaschendes Drücken.

Alles kann man nicht haben – muss aber auch nicht sein. Das macht dieses Mozart-Album nur umso ehrlicher und griffiger. Lisette Oropesa ist eine starke Mozart-Sängerin und Manacorda und Il pomo d’oro sind für das Projekt die idealen Partner. Diese SACD mit dem Titel 'Ombra compagna' sollte man gehört haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    W.A.Mozart: Konzert-Arien: Lisette Oropesa, Il pomo d'oro, Antonella Manacorda

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949088568


Cover vergössern

Mozart, Wolfgang Amadeus


Cover vergössern

Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Pentatone Classics:

  • Zur Kritik... Motetten aus Österreich: Anton Bruckners Motetten gelingen dem MDR-Chor unter der Leitung von Philipp Ahmann bezwingend. Noch interessanter aber ist die Kopplung und Konfrontation mit der Musik Michael Haydns, die andeutet, woher Bruckner kirchenmusikalisch kommt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Schmal besetzte Größe: Francesco Cortis fortgesetzte Erkundungen in Bachs Reich für Cembalo und Kammerensemble sind ein weiterer schöner Beitrag dazu, Bachs konzertante Musik lebendig zu halten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wildwest aus Ost: Diese neue 'Fanciulla del West' kann sich hören lassen, stößt aber kaum eine andere frühere Aufnahme vom CD-Regal. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Pentatone Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Entwaffnend natürlich und beklemmend: Diese CD öffnet die Ohren für eine neue Dimension der 'Schönen Müllerin', die in dieser Dringlichkeit nicht allzu oft auf Tonträger zu finden ist. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Italienischer Japan-Verismo: Diese neue 'Iris' ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine unterrepräsentierte Oper und sie verdient, wie auch die Berliner Operngruppe an sich, entsprechende Beachtung und Hochachtung. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Französische Antike aus Budapest: Das Orfeo Orchestra unter der Leitung von György Vashegyi und ein bestens aufgelegter Cyrille Dubois in der Titelpartie machen diesen neuen 'Dardanus' zu einem hörenswerten Erlebnis. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Essenz: Bruckners Sinfonik für die Orgel, das ist keine ganz seltene, vor allem aber eine plausible Idee. Die Neunte mit dem vervollständigten Finale ist dafür ganz besonderes Material. Gerd Schaller als starker Bruckner-Deuter. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Tenorhits im orchestralen Luxusgewand: Peter Schreier zeigt sich auf dem erstmals digitalisierten Album 'Schöne strahlende Welt' von ungewohnter Seite und begibt sich in die Welt der leichten Muse. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Nahezu perfekt, wie immer: Der englische Chor The Sixteen unter Harry Christophers hat sich von Corona nicht abhalten lassen, eine Platte mit überwiegend getragener englischer Chormusik aufzunehmen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich