> > > Bach Nostalghia: Francesco Piemontesi, Klavier
Sonntag, 19. September 2021

Bach Nostalghia - Francesco Piemontesi, Klavier

Spannender Querschnitt


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Francesco Piemontesi nähert sich Bach von der transkribierten Seite.

'Nostalghia' lautet der Titel des neuen, bei Pentatone erschienenen Albums von Francesco Piemontesi. Zu finden sind darauf schwerpunktmäßig Bach-Transkriptionen, mehrheitlich – wenig überraschend – von Ferruccio Busoni. Technisch hoch anspruchsvoll und mit etlichen Nebenstimmen ‚aufgedonnert‘ sind dessen Arrangements, Piemontesi schafft es dennoch, für kontrapunktische Klarheit zu sorgen und sich für das schwer zu bewerkstelligende Legato, bei dem nicht selten Dezimen zu greifen sind, nicht in übermäßigen Pedalgebrauch zu flüchten. Besonders gut festmachen lässt sich das am Beispiel des Präludien- und Fugenpaares Es-Dur BWV 552, das aber ausgerechnet – und das ist jammerschade! – unter einem konzeptionellen Missgriff leidet: Beide Sätze wurden auseinandergezogen und umrahmen als erstes und letztes Stück die übrigen Werke quasi programmatisch, was sie leider völlig der musikalischen Kohärenz beraubt.  

Stilistische Kontraste

Verbreiteten Eingang ins Konzertrepertoire haben Busonis Choralvorspiel-Bearbeitungen von 'Nun komm der Heiden Heiland' BWV 659 und 'Wachet auf, ruft uns die Stimme' BWV 645 gefunden. Alfred Brendel hat ersteres gerne als Zugabe gespielt, dessen andächtig-meditative Intensität erreicht Piemontesi nicht ganz. Ein neuer, stilistisch konträrer Aspekt tut sich auf, wenn es danach im 'Italienischen Konzert' BWV 971 an ‚ungefilterten‘ Bach geht. Hier kann Piemontesi mit ausgewiesenen Experten wie Piotr Anderszewski oder András Schiff in Sachen Plastizität der Stimmführung nicht ganz mithalten, im 'Presto' wirkt zudem seine Legato-Diktion nicht unbedingt glücklich. Die dicker aufgetragene, arrangierte Geste liegt ihm da besser – was die Erwartung wiederum insofern etwas überrascht, als er sich auf der anderen Seite durchaus einen Namen als feinfühliger Mozartspieler gemacht hat. In transkribierten Gefilden bewegt er sich danach wieder mit Wilhelm Kempffs expressiv romantisierter Bearbeitung des 'Siciliano' aus der Flötensonate E-Dur BWV 1031. Noch mehr Ausdrucksstärke könnte er hier allerdings mit ein wenig langsamerem Tempo erreichen.

Zwischen Barock und Moderne

Strahlende Klarheit verleiht er den hellen Diskant-Sphären einer echten Rarität: Maximilian Schnaus‘ Bearbeitung von 'Kommst Du nun, Jesu, vom Himmel herunter'. ‚Busoni pur‘ gibt es dann mit dessen Toccata K. 287, wo es klanglich dann auch schon mal etwas derber zur Sache geht. Den neben barocken Anleihen teils deutlich in die Moderne weisenden Tonfall seines Landsmanns trifft Piemontesi hier überzeugend. Insgesamt gut in den programmatischen Kontext gepasst hätte noch Alexander Silotis Übertragung des h-Moll-Präludiums BWV 855a, aber auch so stellt die Produktion einen spannenden Querschnitt durch den Kosmos Bachscher Musik für Tasteninstrumente und den nachschöpferischen Umgang mit ihr dar. Alles das wohlgemerkt auf dem modernen Konzertflügel – mag insofern sein, dass Originalklangverfechter mit dieser CD nicht allzu viel anfangen können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach Nostalghia: Francesco Piemontesi, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949084669


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Bach, Johann Sebastian


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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