> > > Cipriani Potter: Symphony No.1: Claire Huangci, BBC National Orchestra of Wales, Howard Griffiths
Montag, 17. Mai 2021

Cipriani Potter: Symphony No.1 - Claire Huangci, BBC National Orchestra of Wales, Howard Griffiths

Inspiration für Mendelssohn


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Cipriani Potter sollte kein Geheimtipp für Anglophile bleiben.

Außer Hilary Davan Wetton (Unicorn-Kanchana sowie BBC Nordirland) und Douglas Bostock (ClassicO) hat der Schubert-, Mendelssohn-, Schumann- und Brahms-Zeitgenosse Cipriani Potter (1792–1871) bislang kaum Sachwalter gehabt. Die letzte Tonträgereinspielung waren zwei Klavierkonzerte mit Howard Shelley in Australien für Hyperion, doch sein profiliertes symphonisches Schaffen, aus der Zeit von 1819 bis 1834, ist bislang in größerem Umfang unerkundet. Doch macht er es dem Musikforscher nicht leicht. Der Schüler von Joseph Wölfl, der auch Beethoven vorspielen durfte, war in England u.a. Schüler von John Wall Callcott, Thomas Attwood und William Crotch und wurde 1822 Professor an der neugegründeten Royal Academy of Music (von 1832 bis 1859 stand er ihr auch als Rektor vor).

Potters Sinfonien (noch bis zu den spätesten Ausformungen durchgängig ‚Sinfonia‘ genannt, auch wenn sie einen Umfang von mehr als einer halben Stunde haben können) sind nicht einfach so durchgezählt oder durchzählbar (viele sind verloren oder wurden zurückgezogen) – vielmehr werden auf ‚zweiter Ebene‘ die Sinfonien in einer Tonart (vor allem in D-Dur) separat durchgezählt; dazu kommen mehrere Schichten an Revisionen für Wiederaufführungen bis 1869. Seit 1884 sind noch neun Sinfonien bekannt, darunter die Sinfonie Nr. 10 (= Nr. 2 in g-Moll) von 1832 (die Richard Wagner 1855 in London dirigierte), die Manuskripte befinden sich in der British Library und in der Royal Academy of Music.

Die erste Sinfonie in g-Moll ist die älteste von Potters überlieferten Sinfonien überhaupt – ein dramatisches, vollausgearbeitetes Werk, das man von der Feinheit der Ausarbeitung und der Erfindungskraft den Zeitgenossen Schubert oder Spohr getrost zur Seite stellen kann – selbst Vorechos Schumanns und Mendelssohns kann man bereits hören. Harmonisch könnte man sich vielleicht noch mehr Wagemut wünschen, doch die kompositionstechnischen Fertigkeiten stehen außer Frage. Das 'Andante quasi allegretto' der Sinfonie gerät zur feinsinnigen gar nicht so kleinen Miniatur, während das Menuett virtuos 3/4- und 6/8-Takt verbindet. Und das Finale hat allerhand Opernhaftes (Potter war nie Komponist für die Bühne tätig) und dramaturgisch äußerst klugen Aufbau.

Feines Klanggespür

Die Konzertouvertüre zu 'Cymbelene' aus dem Jahr 1836 zählt zu Potters spätesten Schöpfungen – wir haben hier eine stilistische Verfeinerung und eine Harmonik, die man unweigerlich mit Mendelssohn Bartholdy in Verbindung bringt. Potters Werk ist offenkundiger kontrapunktisch als Mendelssohns Orchesterwerke, doch beide eint ein feines Klanggespür und die vollendete Beherrschung des Orchesters. Hier deutet manche Passage schon auf Brahms oder Dvořák voraus – umgekehrt erkundet Potter hier aber auch dramatische Orchestertriller-Regionen in ganz anderer Art als Rossini zwanzig Jahre zuvor.

Besonders beliebt ist Potter auch als Komponist von Klavierkonzerten. Claire Huangci ist die Solistin von 'Introduzione e Rondo (alla militaire)' Es-Dur für Klavier und Orchester von 1827 – einer der frühesten erhaltenen entsprechenden Schöpfungen aus seiner Feder. Hier wird dem Orchester technisch hörbar weniger abverlangt, aber gerade die Streicher fühlen sich in diesem Werk hörbar wohler. Dem modernen Flügel mangelt es an Intimität, während die virtuosen Aspekte von Potters Satz bestens zur Geltung kommen.

Das BBC National Orchestra of Wales unter Howard Griffiths ist der Musik ein feinsinniger, empathischer Anwalt, der alle Feinheiten der Musik auf das Vorzüglichste auslotet, sie nicht überfrachtet und und vor allem auch die antiphonalen Effekte der Violinen nicht zu kurz kommen lässt. Dass ein Sinfonieorchester nicht ganz die Klangfarbigkeit eines auf Originalinstrumenten spielenden Klangkörpers bieten kann, liegt in der Natur der Sache. Auch gibt es einige wenige Stellen, an denen das Orchester nicht rundum sicher klingt, teilweise wohl auch weil der Notentext nicht ganz bereinigt ist. Doch sind das geringe Einwände mit Blick auf eine wichtige Veröffentlichung, die England auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkt auf der musikalischen Landkarte verortet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cipriani Potter: Symphony No.1: Claire Huangci, BBC National Orchestra of Wales, Howard Griffiths

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203527427


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Potter, Ciprian
 - Symphony No.1 in G minor - Allegro con spirito
 - Symphony No.1 in G minor - Andante quasi allegretto
 - Symphony No.1 in G minor - Tempo di Minuetto - Trio
 - Symphony No.1 in G minor - Allegro non tanto
 - Introduzione e Rondo (alla militaire) for Piano & Orchestra -
 - Introduzione e Rondo (alla militaire) for Piano & Orchestra -
 - Overture to Cymbelene -


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Dirigent(en):Griffiths, Howard
Orchester/Ensemble:BBC National Orchestra of Wales
Interpret(en):Huangci, Claire


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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