> > > Telemann: Easter Cantatas: Kölner Akadmie, Michael Alexander Willens
Sonntag, 16. Mai 2021

Telemann: Easter Cantatas - Kölner Akadmie, Michael Alexander Willens

Elegante Oster-Kantaten


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine feine Telemann-Platte mit Oster-Kantaten: Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie sind nicht nur zu Weihnachten verlässliche ‚Lieferanten‘ niveauvoller Programme, die vor allem mit Blick auf ihren Repertoirewert interessant sind.

Das bis heute zu wenig bekannte Kantatenschaffen Georg Philipp Telemanns enthält für alle Zeiten des Kirchenjahrs eine große Zahl hörenswerter Kompositionen. Fünf davon für die drei Ostertage stellen Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie jetzt bei cpo vor: Es sind dies Kantaten der 1720er Jahre, die Telemanns Lebens- und Schaffensphase in Hamburg spiegeln, in der er mit großen Aufgaben konfrontiert war. Zu hören sind mit ‚Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig‘ sowie ‚Brannte nicht unser Herz in uns‘ zwei Werke des ‚Jahrgangs ohne Recitativ‘, dazu mit ‚Triumph! Ihr Frommen freut euch‘ und ‚Er ist auferstanden‘ zwei Beispiele aus dem sogenannten ‚2. Lingenschen Jahrgang‘ – benannt nach dem Textdichter Hermann Ulrich von Lingen, der Hofsekretär in Eisenach war, wohin Telemann intensive Beziehungen pflegte, und dessen Texte Grundlage für zwei Kantatenjahrgänge der 1720er Jahre wurden.

Dazu kommt mit ‚Verlass doch einst, o Mensch‘ zum dritten Ostertag eine Kantate, die, anders als die anderen vier des Programms, die für die Einspielung ebenfalls von dort gewonnen wurden, aber an diesem Ort nicht exklusiv bewahrt sind, ausschließlich in der Bibliothek des Konservatoriums in Brüssel überliefert ist. Vielleicht ist diese keinem Jahrgang zuzuordnende Kantate nicht authentisch – auch der renommierte Telemann-Forscher und Editor der Gesamtausgabe Wolfgang Hirschmann vermag es am Ende seines instruktiven Booklettexts nicht zu entscheiden und stellt es den Hörerinnen und Hörern als Aufgabe, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Darauf soll am Schluss noch einmal kurz eingegangen werden. Insgesamt bieten diese Kantaten Musik, die in etlichen Gesten beinahe schon galant wirkt, Paradebeispiel ist das schwebend-leichte Auftaktduett von Alt und Tenor zur Ostermontagskantate ‚Brannte nicht unser Herz in uns‘: Da schimmert, zeitlich parallel zu Vater Bachs intensiver Leipziger Kantatenzeit, schon viel Ästhetik der Söhne Bachs durch.

Elegantes Potenzial

Michael Alexander Willens leitet seine Kölner Akademie zu einem schlanken, sehnigen Klang an, mit je drei Violinen und ansonsten solistischer Besetzung in knappem Format, so dass selbst in Passagen mit drei Trompeten und Pauken keine Überwältigungsgesten bemüht werden: Auch diese Konstellationen sind luzide geführt und natürlicher Teil eines konzentrierten Ensembleklangs. Der stellt sich auch dank artikulatorischer Präzision und Klarheit ein, Qualitäten, die sich mit Eleganz in der Klangwirkung glücklich verbinden, auf der Basis behänden Instrumentalspiels, mit Klarheit bis in den letzten Winkel des Satzes. Die Tempi bilden ein gelassen gefasstes Tableau, verbinden stimmige Relationen mit einem natürlich anmutenden Fluss. Willens setzt auf dynamische Kontrolle, fügt auch die angesprochenen größeren Besetzungen in ein Bild ohne wirklich dominierende Gesten ein.

Die Vokalbesetzung ist rein solistisch – eine nachvollziehbare Entscheidung, beschränken sich die chorischen Anteile doch auf sehr wenige echte Figuralsätze; dazu kommen vor allem schlichte Choräle. Und so verbinden sich die solistische und die Ensemblesphäre glücklich. Im Sopran zeichnet Johanna Winkel dafür verantwortlich, mit edel timbrierter Stimme voller Klarheit und zugleich Wärme; gestische Intensität verbindet sich in ihrem Vortrag mit lyrischer Schönheit. Die Altistin Margot Oitzinger verfügt über eine harmonisch gebaute Stimme mit leichtgängiger Tiefe und nahtlosen Registerübergängen – in der Summe der Qualitäten ein charaktervolles Klangbild mit klarer Diktion. Die ist es auch, die den Beitrag des Tenor Georg Poplutz verlässlich kennzeichnet: Wohl kaum jemand sonst singt in diesem Repertoire so perfekt und natürlich in der Sprache wie er. Die klare Linearität seiner Stimme, die behände Technik, der leichte, immer wieder kraftvoll gesteigerte Grundgestus machen ihn zu einem im Grunde idealen Interpreten für dieses Repertoire.

Sattelfeste Technik

Im Bass liefert der erfahrene Peter Kooij eine erstaunliche Präsentation, auf der Basis eines ungebrochen balsamischen Stimmstroms von gelassener Selbstverständlichkeit, in edel ausformulierten Linien, dazu mit klar konturierten Koloraturen und sattelfester Technik. Die vier Vokalisten formen dazu ein schönes Quartett, das feine Choräle zu singen imstande ist, dazu auch in ambitionierteren Sätzen gute Figur macht.

Intoniert wird in allen Sphären frei und gelungen; das Klangbild der in der Wuppertaler Immanuelskirche entstandenen Aufnahme ist ohne Makel, leicht und durchscheinend, mit zart entfalteter Räumlichkeit und insgesamt angemessenem Abbild der Musik in ihren Eigenarten.

Eine feine Telemann-Platte mit Oster-Kantaten: Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie sind nicht nur zu Weihnachten verlässliche ‚Lieferanten‘ niveauvoller Programme, die vor allem mit Blick auf ihren Repertoirewert von besonderem Interesse sind. Und noch ein Wort zu letzten Kantate des Programms: Soweit man das ohne Blick in die Noten und vom rein ästhetischen Eindruck im Kontext der anderen Werke sagen kann, ist es sehr wohl möglich, dass es sich dabei um echten Telemann handelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann: Easter Cantatas: Kölner Akadmie, Michael Alexander Willens

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203542529


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Telemann, Georg Philipp
 - Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig -
 - Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig -
 - Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig -
 - Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig -
 - Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig -
 - Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig -
 - Triumph! Ihr Frommen freut euch -
 - Triumph! Ihr Frommen freut euch -
 - Triumph! Ihr Frommen freut euch -
 - Triumph! Ihr Frommen freut euch -
 - Triumph! Ihr Frommen freut euch -
 - Verlass doch einst, o Mensch -
 - Triumph! Ihr Frommen freut euch -
 - Triumph! Ihr Frommen freut euch -
 - Er ist auferstanden -
 - Er ist auferstanden -
 - Er ist auferstanden -
 - Er ist auferstanden -
 - Er ist auferstanden -
 - Er ist auferstanden -
 - Er ist auferstanden -
 - Brannte nicht unser Herz in uns -
 - Brannte nicht unser Herz in uns -
 - Brannte nicht unser Herz in uns -
 - Brannte nicht unser Herz in uns -
 - Brannte nicht unser Herz in uns -
 - Brannte nicht unser Herz in uns -
 - Verlass doch einst, o Mensch -
 - Verlass doch einst, o Mensch -
 - Verlass doch einst, o Mensch -
 - Verlass doch einst, o Mensch -
 - Verlass doch einst, o Mensch -
 - Verlass doch einst, o Mensch -


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Dirigent(en):Willens, Michael Alexander
Orchester/Ensemble:Kölner Akademie


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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