> > > Beethoven: The Violin Sonatas: Frank Peter Zimmermann, Martin Helmchen
Samstag, 26. November 2022

Beethoven: The Violin Sonatas - Frank Peter Zimmermann, Martin Helmchen

Die neue Art, Beethovens Violinsonaten zu spielen


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie aus Duosonaten veritable Trios werden, zeigen Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen durch ihr kongeniales Zusammenspiel, dabei klanglich unterstützt von einem besonderen Flügel.

Wenn man das neue Album mit Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen in Händen hält, sieht man auf dem Coverfoto zunächst die beiden Künstler ziemlich klein und mit Abstand voneinander vor wuchtigen Pfeilern, die das Bild beherrschen. Das Bild entstand während der Aufnahmezeit im Februar 2020 und könnte schon die Frage aufkommen lassen nach der Bedeutung des Menschen angesichts der kraftvoller Architektur des Düsseldorfer Kunstpalasts. Die spontane Deutung sei erlaubt: Was machen die beiden Ausnahmekünstler aus der monumentalen Tradition, wie sie mit Beethovens Violinsonaten entstanden ist?

Im Schumannsaal des Kunstpalastes geben sie die Antwort darauf, diesmal mit den Sonaten Nr. 5 op. 24, der 'Frühlingssonate', und den ersten beiden Sonaten von op. 30. Beginnt man beim Anhören von vorn, so bemerkt man mit dem ersten Takt so einiges, das man bisher kaum einmal so deutlich hörte. Da ist zum einen das schnelle Tempo, das leicht und unbeschwert durchgehalten wird, ohne hastig zu werden, und sich keinerlei Freiheiten erlaubt wie in so vielen anderen Aufnahmen. Als zweites gewahrt man schnell, wie deutlich das Klavier hervortritt. Das ist wiederum zunächst gewöhnungsbedürftig, aber als informierter Hörer weiß man schließlich, dass Beethoven seine Sonaten ja für ‚Klavier und Violine‘ geschrieben hat. Es fällt also viel Aufmerksamkeit auf das Klavier, zumal Zimmermann seinen Part wie beiläufig beiträgt. Nach einigen Takten erkennt man aber, wie wichtig die Klavierstimme tatsächlich ist. Es geht hier nicht um Musik für ein Melodieinstrument mit Begleitung, sondern um ein veritables Duo, das sogar häufig zum Trio wird, indem die Unterstimme des Klaviers eigenständig mit oder gegen die Oberstimme beziehungsweise mit oder gegen die Violinstimme eingesetzt wird. Was in der 'Frühlingssonate' schon so deutlich wird, ist erst recht Programm in den Sonaten op. 30.

Kleinste Nuancen

Das ist so spannend, ja beim Hören entsteht ein regelrechter Sog in die Musik hinein, indem die Aufmerksamkeit unwiderstehlich auf das Wechselspiel der drei Stimmen gelenkt wird. Jede kleinste Nuance ist dabei deutlich zu vernehmen, was auch mit der Qualität des quasi historischen Flügels zu tun hat. Es handelt sich hier um ein Instrument, das von dem belgischen Klavierbauer und Forscher Chris Maene gebaut wurde. Die Besonderheit besteht vor allem darin, dass alle Saiten wie bei einem Hammerflügel gerade gespannt sind, und dass die Fasern des Bodens parallel zu den Saiten verlaufen. Damit wird der Klang differenzierter, die Register lassen sich leichter unterscheiden. Der erste Flügel dieser Art wurde bei Chris Maene von Daniel Barenboim in Auftrag gegeben, inzwischen spielen weitere Pianisten auf Maene-Bauten.

Die Spannung und damit das Hörvergnügen erhöhen sich weiter bei den Sonaten op. 30, bei denen die drei Stimmen noch eigenständiger sind, ja tatsächlich drei verschiedene Instrumente evozieren. Die kompositorische Struktur der Sonate, die – besonders bei der c-moll-Sonate – noch einmal mehr die Verteilung von Motiven und Weiterentwicklungen auf alle drei Stimmen verteilt und sie miteinander agieren lässt, tritt deutlich zutage, und das auf der Basis großer Spielfreude beider Musiker, die bei den flotten Tempi trotzdem nicht vergessen, penibel auf die bei Beethoven so reichlich eingestreuten dynamischen Wechsel und Sforzati zu achten.

So verwandelt sich die leichte Skepsis des Anfangs, die beim Coverfoto begann und ob des Ungewohnten zu Befremden in den ersten Takten führte, zu Enthusiasmus und Vorfreude auf die nächsten Sonaten, die hoffentlich bald von den beiden Musikern eingespielt werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Beethoven: The Violin Sonatas: Frank Peter Zimmermann, Martin Helmchen

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599925271


Cover vergössern

Beethoven, Ludwig van


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Mythische Orchesterglut aus dem hohen Norden: Ein wichtiges musikgeschichtliches Dokument aus der Welt nordischer Mythen, das auf seine Art dem Hörer den luxuriösen Hörgenuss einer alternativen nordischen Moderne bietet. Weiter...
    (Dr. Eckehard Pistrick, )
  • Zur Kritik... Flötentöne: Telemann und die Blockflöte – eine besondere Beziehung, hier von Dan Laurin und seinen Mitstreitern so hochklassig und affektiv frisch vorgestellt, wie man es sich nur wünschen kann. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Schöne Fortsetzung: Bei Masato Suzuki und dem Bach Collegium Japan klingen Bachs Cembalokonzerte frisch, beweglich und strukturklar. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Elisabeth Deckers:

  • Zur Kritik... Detektivarbeit: Der Komponist Mátyás Seiber ist in Deutschland neu zu entdecken. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Der Scarlatti-Sog: Die nächsten 30 Scarlatti-Sonaten von insgesamt 555 hat Christoph Ullrich eingespielt. Der Halbmarathon ist damit schon absolviert. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Der spanische Hof und die Barockmusik: Die 'Globalisierung' in Sachen Musik im 18. Jahrhundert machte auch vor dem spanischen Hof nicht halt. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Elisabeth Deckers...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Innere Intimität: Das Minguet Quartett betont bei der Streicherkammermusik Walter Braunfels' das Invertierte. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klarinetten-Fantasien: Georg Arzberger und Julia Riem spielen bekannte und seltene Werke für Klarinette und Klavier von Schumann, Gade, Reinecke, Winding und Eschmann. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Mythische Orchesterglut aus dem hohen Norden: Ein wichtiges musikgeschichtliches Dokument aus der Welt nordischer Mythen, das auf seine Art dem Hörer den luxuriösen Hörgenuss einer alternativen nordischen Moderne bietet. Weiter...
    (Dr. Eckehard Pistrick, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (11/2022) herunterladen (2700 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Wolfgang Amadeus Mozart: Sonata in D major KV 381 - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich