> > > Verklärte Nacht: Christine Rice, Stuart Skelton, BBC Symphony Orchestra, Edward Gardner
Sonntag, 9. Mai 2021

Verklärte Nacht - Christine Rice, Stuart Skelton, BBC Symphony Orchestra, Edward Gardner

Eros und Thanatos


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Dirigent Edward Gardner kombiniert Arnold Schönbergs Streichsextett 'Verklärte Nacht' konzeptionell klug mit unbekannten Orchesterliedern des frühen 20. Jahrhunderts.

In der Tondichtung 'Fieber' blickt ein tödlich verletzter Soldat auf sein Leben zurück. Zerklüftet ist der Monolog, deklamatorische Passagen wechseln ab mit Melodiefetzen, in der Orchesterbegleitung blitzen Marsch- und Walzerreminiszenzen auf, dann wieder gibt es dissonante Klangballungen. Am Ende steht der gesprochene Satz: ‚Herr Stabsarzt, der Kadett... ist tot.‘ Kaum zu glauben, dass der Komponist dieser dramatischen Szene aus dem Jahr 1915 Franz Lehár heißt. Tatsächlich ist sie ein Solitär in seinem Schaffen und gleichzeitig eine musikalische Reaktion auf den Ersten Weltkrieg und die schwere Verwundung seines Bruders.

Ähnlich wie 'Fieber' fußen Erich Wolfgang Korngolds vierteilige 'Lieder des Abschieds' auf Traumata dieser Zeit. In der Instrumentalfassung von 1921 sind die melancholisch gefärbten Gesänge in schwelgerische Klänge gehüllt und von jener melodischen Magie, die Korngold eigen ist. Die beiden Orchesterlieder umrahmen zwei Vertonungen von Richard Dehmels Gedicht 'Verklärte Nacht', die der besprochenen CD den Titel gibt. Dehmel, wegen seiner erotischen Lyrik damals so berüchtigt wie verehrt, schildert in fünf Strophen den nächtlichen Spaziergang eines Paares, bei dem die Frau ihrem Mann gesteht, dass sie ein Kind von einem anderen erwartet. Der zeigt Verständnis und verspricht, es als sein eigenes anzunehmen.

Eine Entdeckung

Bei der ersten Version handelt es sich um Arnold Schönbergs berühmtes Streichsextett, in dem die sechs Instrumente die Gefühle des Paares und die Naturstimmungen in suggestiv-expressive Klänge transformieren. 'Verklärte Nacht' schrieb als erste Sinfonische Dichtung in Kammerbesetzung Musikgeschichte und bescherte dem Komponisten bei der Uraufführung 1902 den ersten von vielen weiteren Skandalen. Einen gänzlich anderen, opernhaften Zugang zu dem Gedicht fand 1901 Oskar Fried, der als bedeutender Mahlerdirigent stärkere Spuren hinterließ denn als Komponist. Seine Vertonung aber ist eine Entdeckung: In einem effektvollen Duett vereinen sich Mezzosopran und Tenor in schönster spätromantischer Opulenz, die in einem ekstatischen Finale kulminiert.

Edward Gardner, Exklusivkünstler beim Label Chandos, fügt seiner beachtlichen Diskographie, die gewichtige Aufnahmen von Szymanowski, Walton und Lutosławski umfasst, ein weiteres Highlight hinzu. Luxuriös ist der Sound, den er mit dem BBC Symphony Orchestra erzeugt, dabei von bohrender Intensität und vibrierender Sinnlichkeit, nur in der Balance zu den Stimmen nicht ausgewogen. Der im Wagnerfach gefragte Tenor Stuart Skelton bleibt hinter den Erwartungen zurück, weil er sich nicht immer gegen Lehárs und Korngolds Orchesterfluten durchsetzen kann und auch der Text kaum zu verstehen ist. Dagegen überzeugt die Mezzosopranistin Christine Rice mit volltönendem, emphatischem Gesang. In Anbetracht der Raritäten fällt das Booklet eher mager aus. Es enthält nur Informationen zu den Werken, Minimales zu den Komponisten und keine Biographien der Mitwirkenden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Verklärte Nacht: Christine Rice, Stuart Skelton, BBC Symphony Orchestra, Edward Gardner

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
Medium:
EAN:

CD
095115524329


Cover vergössern

Korngold, Erich Wolfgang
Lehár, Franz
Schönberg, Arnold


Cover vergössern

Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Chandos:

  • Zur Kritik... Neue erste Geige: Kaum ist Tasmin Little in den Ruhestand getreten, übernimmt Jennifer Pike für Chandos. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gehobene Unterhaltungsmusik: Die Orchesterwerke von Eric Coates verbreiten in der Interpretation durch John Wilson gute Laune. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Raffiniert: Eine gute Kammermusik-CD leidet ein wenig am unausgegorenen Konzept. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Chandos...

Weitere CD-Besprechungen von Karin Coper:

blättern

Alle Kritiken von Karin Coper...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Märchenstunde am Mariinsky: Hier kann man hören und sehen: Prokofjew und Ballett istnicht nur 'Romeo und Julia'. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Unterschiedliche Ästhetiken: Die Donaueschinger Musiktage brillieren mit mittleren und großen Instrumentalbesetzungen (mit einem Vokalsolo). Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Off-Opernbühne macht Eindruck: Diese DVD dokumentiert eine durchaus eindrucksvolle Produktion von Beethovens 'Leonore', die aber nur im großen Kontext relevant ist. Viele Gründe, die DVD zu kaufen, gibt es nicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Max Drischner: Selected Organ Works

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich