> > > J.S.Bach: Goldberg Variations: Berlage Saxophone Quartet
Dienstag, 19. Oktober 2021

J.S.Bach: Goldberg Variations - Berlage Saxophone Quartet

Ein altes Meisterwerk in neuem Klang


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Berlage Saxophone Quartet entfaltet Bachs Goldberg-Variationen auf hohem künstlerischen Niveau.

Bach hat die Goldberg-Variationen für seinen Klavierschüler Johan Gottlieb (Theophil) Goldberg komponiert, damit dieser seinem Dienstherrn, dem sächsischen Premierminister Graf Heinrich von Brühl, helfen konnte, während schlafloser Nächte zur Ruhe zu kommen. Bach selbst reihte seine Goldberg-Variationen den drei bereits als ‚Klavier-Übungen‘ veröffentlichten Sammlungen an – BWV 825-830, 971, 813 und BWV 552, 662-689, 802-805. Bach ließ das Werk im Jahr 1742 bei Balthasar Schmidt in Nürnberg drucken.

Seit ihrer Veröffentlichung sind die Goldberg-Variationen nie in Vergessenheit geraten. Während der 200 Jahre haben sich Musikfachleute und Komponisten mit ihnen befasst. Der Begründer der historischen Musikwissenschaft und Bachs erster Biograf, Johann Nikolaus Forkel, hat sich von dem Werk eine Abschrift machen lassen. Die Ausgabe von Hoffmeister & Kühnel hat durch Änderungen zur Anpassung an andere Musikinstrumente geführt, wie beispielsweise zu Bearbeitungen von Joseph Rheinberger von 1883. Die Bearbeitung Ferruccio Busonis hat das Werk für den Konzertsaal angepasst. Auch wenn das Werk Bachs schon vielmals als CD herausgegeben worden ist, beinhaltet diese CD eine Neuheit: Bachs Goldberg-Variationen werden vom Berlage Saxophone Quartet interpretiert, was den Kompositionen eine neue Klanglichkeit verleiht.

Fließende Übergänge

Aufgrund der kleineren (Kammer-)Besetzung bekommen Bachs Variationen eine zarte Klanglichkeit. Die Klänge der Saxofone sind in diesem Fall von großer Bedeutung. Die Polyphonie ist sorgfältig herausgearbeitet. Die Einsätze werden taktgenau ausgeführt. Bei der Stimmführung wird jede Stimme gleich gut wahrgenommen. Auch bei der Übernahme der Melodieführung von der einen Stimme durch eine andere werden die Übergänge fließend gestaltet. Lange Passagen werden dynamisch und motivisch ausgearbeitet. Ebenfalls wurde eine lange Melodielinie sinnvoll in kleinere Phrasen aufgeteilt. In den langsamen Sätzen wird jedem Ton Aufmerksamkeit geschenkt und jedes Motiv dynamisch ausgestaltet, was zu einem singenden und erzählenden Spiel beiträgt. Auch wenn jedes Motiv und jede Phrase ausgestaltet worden ist, werden sie dennoch so miteinander verbunden, dass daraus eine einheitliche, kontrapunktische Melodielinie entsteht. Die Höhe- und Tiefpunkte werden dynamisch zum Ausdruck gebracht. Dabei spielt auch die Harmonik eine wichtige Rolle. Je nach Charakter der jeweiligen Variation bekommen derartige Stelle entweder eine ‚fröhliche‘ oder ‚traurige‘ Geste. Selbst in schnellen Sätzen werden die polyphonen Stimmen durch die Dynamik und Rhythmik zu einer künstlerischen Sinneinheit.

Des Weiteren ist das Wechselspiel der Stimmen sehr gut gelungen. Die Spieler gehen aufeinander ein und hören einander, was zu einem ‚Gespräch‘ unter ihnen führt. Damit wäre die Kunst der Polyphonie zum musikalischen Ausdruck gebracht worden. Die passende Phrasierung der kontrapunktischen Stimmen durch Rhythmik und Dynamik bringt den Notentext zum Sprechen. Dies führt zu einer musikalischen ‚Erzählung‘, wodurch das Hören des Werkes, das über eine Stunde dauert, gar nicht ermüdet. Durch die virtuosen Spieltechniken der Interpreten wird die polyphone Kunst Bachs zum Leben erweckt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    J.S.Bach: Goldberg Variations: Berlage Saxophone Quartet

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623221069


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Bach, Johann Sebastian


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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