> > > Orgelmusik aus der Frauenkirche Dresden - Bach & Duruflé: Samuel Kummer, Orgel
Dienstag, 19. Oktober 2021

Orgelmusik aus der Frauenkirche Dresden - Bach & Duruflé - Samuel Kummer, Orgel

Vorstellung einer großen Orgel mit Bach und Duruflé


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Wiederaufbau der Frauenkirche ging einher mit dem Neubau einer Orgel. Sebastian Kummer stellt sie mit barocken und spätromantischen Werken souverän vor.

Diese CD ist ein Remake einer Aufnahme von 2005, deren Relevanz darin besteht, dass sie die erste Aufnahme mit Orgelmusik aus der neuerbauten Frauenkirche in Dresden ist. Die Orgel wurde von Alfred Kern & Fils gebaut und ist ein monumentales Instrument, auf dem sich Orgelmusik jedweder Provenienz darstellen lässt. Sie verfügt über vier Manuale und 68 klingende Register. Sebastian Kummer führt die Orgel in zwei Stilrichtungen vor. Er spielt Musik von Johann Sebastian Bach und Maurice Duruflé.

Die Aufnahme beginnt mit dem Concerto d-Moll nach Vivaldi. Es fällt schwer, sich ein objektives Urteil zu bilden bei der verführerischen Schönheit dieser Musik. Dennoch sei es gewagt. Kummer versteht es, die Taktanfänge durch kaum wahrnehmbare Rubati hörbar zu machen – eine barocke Spielpraxis, die der Bewertung der Taktzeiten nach gut oder schlecht auf einem Instrument geschuldet ist, das diese nicht durch verschiedene Lautstärken darstellen kann, wie es bei der Orgel nun mal der Fall ist. Bei schnellen Läufen verwischen sich manchmal die Töne etwas – zeigt dies eine gewissen Nonchalance des Organisten oder ist es ein Ergebnis der Raumakustik? Der Nachhall ist immerhin fast vier Sekunden lang.

Der erste Satz wird auf zwei Manualen gespielt; das tut Kummer auch. Nur sind die Registrierungen einander so ähnlich, dass man die Manuale kaum auseinanderhalten kann. Hier wäre ein größerer Unterschied in den Klangfarben wünschenswert. Dieser Satz enthält einen Abschnitt, der mit 'Largo' bezeichnet ist. Notiert sind hier nur einige wenige Akkorde. Sebastian Kummer nutzt sie zu Improvisationen in der Art von Kadenzen, auch hier der barocken Praxis folgend. Die Improvisationen legen Zeugnis ab von der großen Begabung des Organisten für die Improvisation – das war schließlich ein Grund für seine Anstellung.

Gewisse Sanglichkeit

Der zweite Satz, ein Largo, wird intensiv musiziert; doch wo die Spielanweisung ‚spiccato‘, ein anderes Wort für staccato, praktiziert wird, erschließt sich mir nicht. Dieser Satz wird ziemlich grundtönig registriert. Dadurch erhält er eine gewisse Sanglichkeit. Der dritte Satz hinwiederum erklingt im strahlenden Organo pleno und vereint die Tugenden des Organisten auf eindrucksvolle Art.

Ebenso geht es in dem sehr hell und licht registrierten Choral 'Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. Ein Höhepunkt ist ohne Zweifel die merkwürdige 'Pièce d’orgue', die Kummer in glitzerndem Licht und scharfen Dissonanzen erklingen lässt. Eine Gelegenheit, die Vielfalt an Möglichkeiten in der Registrierung vorzuführen, eröffnet die 'Partite diverse…', eine Reihe von Variationen über den Choral 'Sei gegrüßet, Jesu gütig'. Jede Variation bekommt ihren eigenen Charakter in Spielweise und Registrierung.

Um eine andere Klangfarbe aufzuzeigen, enthält die CD eine Suite von Duruflé, einem spätromantischen Komponisten, der im 20. Jahrhundert lebte und einen gewissen Anachronismus darstellte. Man glaubt, eine andere Orgel zu hören, so sehr bildet sie das Klangbild einer romantischen Orgel ab, mit Crescendo und weichen Stimmen, schier, als wäre die Orgel von Cavaillé-Coll inspiriert worden. Die Aufnahmetechnik lässt der Akustik einen relativ großen Raum. So kommt die Orgel manchmal etwas verschattet zu Gehör. Das Booklet lässt keine Wünsche offen und dokumentiert die Registrierungen der einzelnen Werke minuziös. Als Dokument der Orgel in der Frauenkirche Dresden ist die Aufnahme durchaus geeignet und erfreut durch die Kunst des Organisten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Orgelmusik aus der Frauenkirche Dresden - Bach & Duruflé: Samuel Kummer, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
Carus
1
Medium:
EAN:

CD
4009350835177


Cover vergössern

Bach, Johann Sebastian
Duruflé, Maurice


Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Weihnachtliche Zweitverwertung: Das Calmus Ensemble macht diesen Querschnitt seiner sängerischen Qualitäten wegen sicher für Ersthörer attraktiv. Wer systematischer unterwegs und auf dem diskografischen Weg schon länger dabei ist, dem sei abgeraten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Stecknadeln auf der Weltkarte: Eine entspannte Calmus-Platte – zum unverkrampften Kennenlernen für alle, die dieses großartige Ensemble bislang noch nicht erlebt haben sollten. Und für Kenner der Formation eine weitere Stunde Musik auf höchstem Niveau. Ein Genuss. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kennst Du Fauré?: Liedbearbeitungen für eine Chorbesetzung ermöglichen Zugang zu unbekanntem Repertoire. Denis Rouger gibt damit nicht nur Vergessenen eine Plattform. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Diederich Lüken:

  • Zur Kritik... Seltene Consortmusik für Blockflötenensemble: Davon, dass Musik für Gambenconsort auch mit einem Blockflötenensemble sehr gut dargestellt werden kann, legt diese CD hörenswertes Zeugnis ab. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Zwischen Historizität und Modernität: Händels Orgelkonzerte erklingen in schlanker Orchesterversion und auf großer Orgel – ein auf CD gebrannter Anachronimus, jedoch durchaus hörenswert. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Bach auf dem Akkordeon: Viviane Chassot spielt auf dem Akkordeon verschiedene Werke Johann Sebastian Bachs und zeigt, welche Möglichkeiten ihr Instrument hat und wie sie in den Dienst einer berührenden Intepretation gestellt werden. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle Kritiken von Diederich Lüken...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Aufbrechende Farben und Klänge: Aus dem Schattendasein ans Licht führen Patricia Kopatchinskaja und die Camerata Bern folkloristisch intendierte Kunstmusik. So gelingt ein Klangabenteuer zwischen Vergangenheit und Moderne. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Ehrliche Emotion: Ein norditalienisches Kammerorchester überzeugt mit russischer, tschechischer und britischer Streichermusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms mit Leidenschaft: Daniel Müller-Schott (Violoncello) und Francesco Piemontesi (Klavier) ergänzen sich nobel bei drei Sonaten von Johannes Brahms. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich