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Sonntag, 26. Juni 2022

Johann Krieger: Sechs Musikalische Partien - Tatjana Vorobjova, Cembalo

Der jüngere Krieger in Vollendung


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tatjana Volobjova spielt 'Sechs Musicalische Partien' und freie Stücke eines unterschätzten Komponisten in vollendeter Interpretation.

Selten hat man Rezensent das Glück, eine durch und durch begeisternde Aufnahme zu finden. Die CD mit der Kölner Cembalistin Tatjana Volobjova ist so eine. Der Komponist Johann Krieger (1652-1735) steht im Schatten seines älteren Bruders Johann Philipp Krieger (1649-1725). Nach dem Anhören dieser Aufnahme kommt man zu den Schluss, dass diese Schattenexistenz unberechtigt ist. Der jüngere Komponist beherrscht sein Handwerk ausgezeichnet. Bei den 'Partien' entfaltet er eine Fülle von Klängen und Figuren. In der 'Fantasie in d' überrascht er gar mit etlichen durchaus modern anmutenden chromatischen Läufen. Das alles macht die CD als solches so schon hörenswert.

Hinzu kommt das hervorragend klingende Instrument von Titus Crijnen mit zwei Manualen, drei Registern und Lautenzug. Es ist nach Werckmeister III gestimmt, also in einer der ersten ‚wohltemperierten‘ Stimmungen der Musikgeschichte. Dass die Cembalistin über eine große Fingerfertigkeit verfügt, sei nur am Rande erwähnt. Was sie aber aus diesen Vorgaben macht, ist staunenswert. Sie haucht den Stücken Leben ein, und das auf einem so sperrigen Instrument, das kaum dynamische Vorgänge zulässt. Das gelingt ihr, indem sie den Gestus der Musik präzise erfasst und wiedergibt.

Mit reichen Mitteln

Schon das Preludio in d enthält in dieser Interpretation eine große innere Spannung; die Cembalistin nutzt die Möglichkeiten von Rubato und Akzeleration aus und macht sie der musikalischen Aussage dienstbar. Sollte man jedoch fürchten, dass dies bei den stilisierten Tänzen verlorengehen könnte, wird man eines Besseren belehrt. Die Einschwingvorgänge bei den Anfängen und den Verzierungen sind organisch, die Binnenspannung wird hörbar; die Cembalistin hört dem jeweiligen Affekt genau nach und bringt ihn mit ihren reichen Mitteln zum Klingen. Sie atmen die Stücke geradezu. Wo es hingegen gilt, kräftig zuzulangen, tut sie auch dies mit Verve. Hinzu kommt ein kluger Umgang mit den Möglichkeiten der unterschiedlichen Registrierung.

Die Tonqualität ist, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend, das Booklet enthält alle notwendigen Angaben. So bietet die CD eine festliche Stunde erlesener Musik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Johann Krieger: Sechs Musikalische Partien: Tatjana Vorobjova, Cembalo

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623220468


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Krieger, Johann


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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