> > > Johann Rosenmüller: Magnificat: Ensemble 1684, Gregor Meyer
Montag, 14. Juni 2021

Johann Rosenmüller: Magnificat - Ensemble 1684, Gregor Meyer

Plädoyer für einen unterschätzten Komponisten


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme vereinigt wichtige geistliche Kompositionen Johann Rosenmüllers und macht nachdrücklich auf seine Bedeutung aufmerksam.

Mit zwei markanten Akkorden fängt das Magnificat an: ein Moll-Akkord und danach ein Dur-Akkord, die Dur-Parallele des ersten Akkordes als Sextakkord – selten so gehört. Daraus entwickelt sich eine einfache, getragene Melodie, aus der die Violinen mit geschwinden Koloraturen heraustreten. Sie werden mit einer langsamen Begleitung gestützt, bis sich dieser Abschnitt dem Ende zuneigt. Aber nein, doch nicht: In die Schlusskadenz hinein fängt der Chor an zu singen, als wachse er organisch aus den Begleitakkorden hervor. Kühne Koloraturen, von den Sängern mit großer Kunstfertigkeit vorgetragen, wechseln höchst wirkungsvoll mit kurzen langsamen Abschnitten im Sinne von Kadenzen. Es folgen die einzelnen Abschnitte des Magnificat, jeweils in ihrem Affekt präzise erfasst und wiedergegeben. Besonders eindrucksvoll gerät ihm die Darstellung der gewaltigen Hand Gottes, die die Feinde zerstreut. Das Magnificat ist mit höchster Meisterschaft komponiert. Die setzt sich bei den darauffolgenden Stücken fort. Der Komponist ist Johann Rosenmüller. Er lebte von 1617 bis 1684.

Es wird immer weniger verständlich, warum die Musikwelt nicht eher von diesem großartigen Komponisten Notiz nahm, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Er gilt eben als sogenannter Kleinmeister, der er wahrhaftig nicht ist. Vielleicht mochte man ihn deshalb nicht aufs Schild heben, weil die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs nicht wirklich verstummt sind. Nach dieser Aufnahme bin ich geneigt, Rosenmüller nicht nur als notwendiges Bindeglied zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach anzusehen, das er ohne Zweifel ist. Er ist vielmehr in seiner Eigenständigkeit wahrzunehmen.

Äußerst angenehm

Die Ausführung durch das Ensemble tut das ihre, um nachdrücklich für den Komponisten zu werben. Die gesungenen Koloraturen kommen mit Leichtigkeit, auch dort, wo sie in zwei Stimmen mit geringem Abstand gleichzeitig erklingen. Überhaupt sind die Stimmen äußerst angenehm, in keinem Augenblick überfordert. Der Bass zum Beispiel ist erfreulich schlank, der Sopran nie angestrengt. Sie singen sehr wenig Vibrato, also so, wie der musikgeschichtliche Befund es nahelegt. Sie spielen sich auch nicht in den Vordergrund, sondern fügen sich nahtlos in das instrumentale Geschehen ein.

Die Instrumente werden mit stupender Virtuosität gespielt. Hervorzuheben sind die Zinkenistinnen. Sie spielen ihre schwierigen Instrumente mit absolut sauberer Intonation und mit einer Leichtigkeit, als wären es Blockflöten. Doch auch das übrige Ensemble musiziert federnd und mit großer Homogenität. Alles ist wie aus einem Guss. Diese Aufnahme ist in jeder Hinsicht nachdrücklich zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Johann Rosenmüller: Magnificat: Ensemble 1684, Gregor Meyer

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203517428


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Rosenmüller, Johann
 - Magnificat anima mea Dominum -
 - Der Name des Herren -
 - Domine, probasti me -
 - Ego te laudo -
 - Sinfonia prima -
 - Confitebor tibi, Domine -
 - Welt, adel ich bin dein müde -
 - Nunc dimittis -
 - Bleibe bei uns, denn es will Abend werden -


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Dirigent(en):Meyer, Gregor


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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