> > > Bela Bartok: Herzog Blaubarts Burg: Helsinki Philharmonic Orchestra, Susanna Mälkki
Sonntag, 1. August 2021

Bela Bartok: Herzog Blaubarts Burg - Helsinki Philharmonic Orchestra, Susanna Mälkki

Beängstigendes Liebesspiel


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es gibt bereits einige herausragende Aufnahmen von Bartóks einziger Oper – nun gibt es eine mehr.

Gleich vom ersten Wort an nimmt einen diese Neuaufnahme von Béla Bartóks Einakter 'Herzog Blaubarts Burg' gefangen. Géza Szilvay spricht in ungarischer Sprache den Prolog, der beileibe nicht in jeder Einspielung der Oper Verwendung findet. Dabei ist er für die Einordnung des Folgenden ein nicht unerhebliches Mittel, die nahtlos anschließende Konfrontation von Blaubart und Judith in eigenen Seelenräumen wirken zu lassen. Und während die Stimme des Barden dem Hörer Silbe um Silbe unter die Haut kriecht, heben bereits die düsteren Klänge der orchestralen Einleitung an. Sie fließen aus dem Nichts, umhüllen einen, lassen einen nicht mehr los. Man glaubt, inmitten des Orchesters oder zumindest inmitten des düsteren Bühnengeschehens zu sitzen, so plastisch ist das Klangbild.

Diese atmosphärisch dichten ersten Minuten der vorliegenden SACD machen deutlich, dass es sich gelohnt hat, eine neue Einspielung des diskografisch bereits ordentlich vertretenen Werks zu wagen. Susanna Mälkki hält am Pult des Helsinki Philharmonic Orchestra die Spannung über die Stunde Spieldauer mit magischer Strenge. Der Partitur entlockt sie effektvolle Kontraste und üppige Farben. Die Dunkelheit von Bartóks Komposition bleibt erhalten, aber sie scheint kraftvoll zu leuchten, zu glühen. Brüchigkeit, Härte oder gar Doppelbödigkeit stehen nicht im Fokus dieser Interpretation, dafür ein dichtes Geflecht an Emotionen. So süffig und überwältigend hat man den 'Blaubart' selten gehört, in seiner puren Schönheit und Kraft derart entwaffnend.

Enorm attraktiv

Im Januar 2020 entstand die beim Label BIS erschienene Einspielung im Rahmen konzertanter Aufführungen in Helsinki mit anschließenden korrigierenden Aufnahmesitzungen. Die beiden Solisten sind der Dirigentin und dem Orchester kongeniale Partner. Mika Kares zieht mit seinem herrlichen Bass alle Register des unheimlichen Verführers. Sein Blaubart ist schon rein akustisch von enormer Attraktivität. Mal sanft, mal kraftvoll auftrumpfend, aber immer mit einem hörbaren Quantum Balsam entwickelt er vokalen Sexappeal, der keine Fragen offen lässt, weshalb Judith diesem verrufenen Ritter auf dessen Burg folgt. Auch hier mag man das Ausdrucksspektrum, vor allem die Komplexität der Figurengestaltung früherer Interpreten bevorzugen. Um aber die Faszination Judith begreifen zu können, ist Mika Kares eine restlos überzeugende Besetzung.

Auch die Judith von Szilvia Vörös ist ein wahrer Hinhörer: mit rubinrotem Leuchten in der Stimme, unverwechselbarem Timbre und vor allem ungemein sinnlich. Die final tödliche Konversation ist ein unterschwelliges Umgarnen, ein beängstigendes Liebespiel. Vörös ist kaum weniger Verführerin als der elektrisierende Blaubart. Sprachlich hat Vörös ohnehin die Nase vorn, wobei auch Kares ein wohl artikuliertes Ungarisch singt.

Diese Neueinspielung hat Kraft. Das Öffnen der fünften Tür beispielsweise möchte man in Dauerschleife auf höchster Lautstärke hören – so stark ist die Sogwirkung von Mälkkis Lesart. Zugegeben: Es ist eine streitbare Haltung, die üppige Schönheit, den Klangrausch und das Leuchten der Partitur derart zu betonen, und dabei die Ecken und Kanten – und damit vielleicht auch die verstörende Modernität – des ungewöhnlichen Einakters zu glätten. Bei Boulez, Solti oder Fricsay klingt manche Passage gewiss existenzieller. Aber Mälkkis Konzept geht in seiner Authentizität und zwingenden Energetik restlos auf. Ja, es gibt bereits einige herausragende Aufnahmen von Bartóks einziger Oper – nun gibt es eine mehr.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bela Bartok: Herzog Blaubarts Burg: Helsinki Philharmonic Orchestra, Susanna Mälkki

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599923888


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Bartók, Béla


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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