> > > Sauer-Orgel Glocke Bremen: Stephan Leuthold, David Schollmeyer, Felix Mende, Lea Suter
Donnerstag, 17. Juni 2021

Sauer-Orgel Glocke Bremen - Stephan Leuthold, David Schollmeyer, Felix Mende, Lea Suter

Gelungenes Porträt einer romantischen Orgel


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Pneumatische Orgeln in Konzerthäusern sind selten. Der Bremer Saal 'Die Glocke' kann sich glücklich schätzen, ein hervorragendes Beispiel dieser Orgelbaukunst zu besitzen.

Diese in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte CD enthält ein Orgelporträt auf höchstem Niveau. Es handelt sich um eine Orgel aus der Werkstatt Wilhelm Sauer, gebaut im Jahre 1928 von Oskar Walcker. Damit lernen wir ein Instrument an einem Höhepunkt romantischen deutschen Orgelbaus kennen. Es handelt sich um ein pneumatisches Werk, das der so häufigen Barockisierung bestehender pneumatischer Orgeln entging und nicht umgebaut wurde. Nach aufwändigen Restaurierungen erklingt die Orgel wahrscheinlich so wie im Jahre ihrer Errichtung. So sei an erster Stelle die Aufnahmetechnik hervorgehoben; sie vermochte das weite Klangspektrum der Orgel ausgezeichnet wiederzugeben. Denn ihr Klangreichtum ist nahezu unfassbar. Von den leisesten, schwebenden Klängen wie von Engelszungen bis zum gewaltigen vollen Werk reicht die Palette der Registerfarben. Damit wird das Werk jeder Anforderung romantischer Orgelmusik gerecht; durch eine überlegte Disposition sind auch Werke des Barocks darstellbar. Der tiefste Ton erklingt mit 16 Hertz, der höchste mit 16.000 Hertz. Damit ist das gesamte Hörvermögen des Menschen abgedeckt.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass auf der CD gleich vier Ausführende die Orgel vorstellen: Stephan Leuthold, Felix Mende, David Schollmeyer und Lea Suter. Letztere war im ersten Beruf Orgelbauerin und hat das Instrument entsprechend betreut. Alle vier stammen aus Bremen und dem Umfeld. Man kann dieser Orgellandschaft nur gratulieren, dass sie derart fähige Organisten beschäftigen kann. Die Virtuosität, mit der die Werke des französischen Repertoires, Alain, Duruflé und Vierne, dargeboten werden, zeigt das hohe Niveau der Ausführenden. Man möchte von jedem und jeder mehr hören, besonders von Stephan Leuthold.

Gelassenheit und Klarheit

Den Beginn macht Präludium und Fuge op. 35 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Es überrascht, dass hier ein Klavierwerk gewählt und auf die Orgel übertragen wurde. Stephan Leuthold spielt eher grundtönig, bleibt durch seine Anschlagskultur jedoch immer transparent. Die 'Consolation' von Franz Liszt für Klavier erklingt wie für die Orgel geschrieben. Bei den Variationen Bossis wird durch Mende jeder Phase eine andere Registrierung zugewiesen, fein schwebend und kräftig markierend. Dass auch J. S. Bach auf dieser Orgel spielbar ist, zeigt Lea Suter mit Fantasie und Fuge g-Moll. Der drängenden Dynamik der Fantasie folgt die luzid gestaltete Fuge. Die Organistin verzichtet auf spektakuläre Registerwechsel, sondern musiziert in Gelassenheit und Klarheit mit vollem Werk. Dass sie auch anders kann, zeigt sie in der 2. Fantasie von Alain. Leuthold spielt besonders brillant die Toccata aus der Suite op. 5 von Duruflé.

Der Reichtum der Aufnahme ist letztendlich auf engem Raum nicht vollständig darstellbar. Auch die anderen hier versammelten Werke finden eine einprägsame Interpretation. Das Booklet ist informativ und enthält alle notwendigen Angaben. Die Aufnahme ist Orgelfreunden vorbehaltlos zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sauer-Orgel Glocke Bremen: Stephan Leuthold, David Schollmeyer, Felix Mende, Lea Suter

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623220161


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Alain, Jehan
Bach, Johann Sebastian
Bossi, Marco Enrico
Duruflé, Maurice
Jongen, Joseph
Liszt, Franz
Mendelssohn Bartholdy, Felix
Vierne, Louis


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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