> > > Psalmen & Lobgesänge aus dem mittelalterlichen Barock: David Erler, L'arpa festante
Sonntag, 1. August 2021

Psalmen & Lobgesänge aus dem mittelalterlichen Barock - David Erler, L'arpa festante

Kleinodien aus der Schatzkammer Mitteldeutschlands


Label/Verlag: Christophorus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die CD enthält ein musikalisches Porträt einer Landschaft in der Zeit des Barocks, vielgestaltig und überzeugend.

Das 17. Jahrhundert war reich an bedeutenden Komponisten. Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Johann Jakob Froberger sind nur einige wenige Namen unter vielen, die in der Musikwelt immer noch Präsenz zeigen. Dass es in deren Schatten auch andere Komponisten gab, deren Werk es durchaus verdiente, wahrgenommen zu werden, geht dabei oft unter, ja, sie werden oft noch als sogenannte Kleinmeister verunglimpft. Es waren darunter jedoch viele achtbare Musiker, deren Kompositionen auch heutigentags noch verdienen, gehört zu werden. Das zeigt vorliegende CD. Ihr Repertoire ist dabei nicht nur eingegrenzt auf die Epoche des Barocks, sondern auch noch von der musikalischen Landschaft Mitteldeutschlands. Was kann es da Gutes geben? Die CD versammelt Kompositionen, die diese Frage schlüssig beantworten: Es gibt viel Gutes zu entdecken, aufzuführen und zu hören.

An drei Beispielen sei dies gezeigt. Bereits das Eingangswerk von Johann Christoph Schmidt (1664-1728) für Altus, zwei Violinen, zwei Bratschen und Generalbass wartet mit einer Überraschung auf. Wann hätte man das Wort ‚Psallite, singt!‘ mit so in wahrster Bedeutung des Wortes halsbrecherischen Koloraturen gehört? Der Altus, David Erler, gab sich alle Mühe, diesem Anspruch gerecht zu werden, aber man spürt diese Mühe auch, und die Töne kommen nicht so deutlich, so voneinander abgesetzt, wie dies bei Kolleginnen und Kollegen öfters der Fall ist. Ansonsten ist seine Leistung weithin tadellos.

Makelloser Gesang

Erstaunlich auch, was Wolfgang Carl Briegel uns hören lässt: eine Komposition über 'Amor Jesu dulcissime', zu Deutsch: 'Liebe des süßesten Jesus'. Er wählt 14 Strophen aus diesem mittelalterlichen Hymnus. Er vertont diesen immer noch langen Text für Altus, zwei Violinen und Generalbass, und zwar in der Form einer Chaconne, also mit gleichbleibendem, immer wiederholten Bass. Nicht allein die Kunst des Komponisten überzeugt, sondern ebenso der makellose Gesang David Erlers und die Virtuosität der begleitenden Violinen. Die instrumentale Sonata in A desselben Komponisten ist vielgestaltig in der Abwechslung langsamer und schneller Passagen. Am Ende hört man völlig überraschend eine elegisch aufwärtsstrebende chromatische Tonfolge – über die Zeit ihrer Entstehung hinausweisend. Die Geigern Angelika Balzer meistert diese Sonate mit Verve und Virtuosität – allein dieses Werk rechtfertigt das Erscheinen dieser CD. Ein Magnificat eines unbekannten Komponisten krönt diese Veröffentlichung.

In diesem hochkarätigem Porträt einer musikalischen Landschaft gerät man von einem Staunen in das andere, instrumental auf höchstem Niveau, vokal auf hohem Niveau. Hier verhindern der erwähnte Umgang mit Koloraturen, ein manchmal hörbarer Wechsel der Stimmregister und an wenigen Stellen leichte Eintrübungen in der Intonation den fünften Stern. Dennoch: Diese CD ist unbedingt hörenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Psalmen & Lobgesänge aus dem mittelalterlichen Barock: David Erler, L'arpa festante

Label:
Anzahl Medien:
Christophorus
1
Medium:

CD


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Theile, Johann


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Christophorus

Christophorus ist das älteste deutsche Plattenlabel mit dem Schwerpunkt "Geistliche Musik". Es wurde 1935 gegründet, um religiöse Inhalte mittels Schallplatten und Bücher auch während des Nazi-Regimes zu verbreiten. Heute - mehr als 75 Jahre später - stehen spirituelle Themen weiterhin im Mittelpunkt des Labels, mit besonderem Interesse für unbekannte Werke und historische Interpretation. Gregorianische Gesänge, geistliche Vokalmusik, Musik der christlichen Kirchen und die Gesänge aus Taizé sind im Katalog ebenso vertreten wie Musik des Mittelalters und der Renaissance. Mit diesem Repertoire gilt Christophorus heute als eines der wichtigsten unabhängigen Labels auf dem internationalen Klassikmarkt.


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