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Montag, 26. Juli 2021

Hans Fährmann: Orgelwerke V - Dietrich von Knebel, Orgel

Späte Orgelromantik eines unbekannten Komponisten


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende Aufnahme zeigt, dass Hans Fährmann (1860-1940) der Tonsprache der Spätromantik verhaftet blieb.

Hans Fährmann (1860-1940) war ein Komponist der ausgehenden Spätromantik. Er ist heute nahezu vergessen. CDs mit seinen Werken gibt es nur wenige, zumeist eingespielt von Dietrich von Knebel. Zeitgenossen verglichen ihn mit Max Reger. Die vorliegende Aufnahme zeigt, dass Fährmann der Tonsprache der Spätromantik verhaftet bleibt, nur mäßig angereichert mit Tonverbindungen am Rande der Dur-Moll-Tonalität.

Der erste Satz der Orgelsonate op. 24 ist formal eine Verbindung zwischen einem Sonatensatz und einer Fuge, letztere mit allerlei kontrapunktischen Künsten versehen, die indes dem feierlichen Gesamteindruck keinen Abbruch tun. Der zweite Satz ist ein 'Adagio', in dem Variation und Fortspinnung eine Ehe eingehen und miteinander ein stimmungsvolles, leises Klangbild ergeben. Der dritte Satz hingegen beginnt mit einer Introduktion, der eine ausgedehnte Fuge folgt. Diese knappe Inhaltsangabe lässt darauf schließen, dass Fährmann seine Sonaten in der Nachfolge etwa Charles Marie Widors geschaffen hat. Indes ist festzustellen, dass er dessen Reichtum an Klängen und an formalen Inhalten nicht erreicht. Es bleibt alles in einem gewissen Rahmen, der sehr auf Konventionen deutschen Musikverständnisses ausgerichtet scheint. Oder ist die Ursache dieser Empfindung in der Darstellung Dietrich von Knebels zu suchen? Mir scheint, dass er manchmal etwas brav spielt und der geforderten Virtuosität noch ein wenig schuldig bleibt.

Die zweite Hälfte der CD enthält 'Abschieds- und Friedensgesänge', eine Sammlung von Trauermusiken. Manche Personen werden in der Widmung mit Namen genannt. Es handelt sich um verstorbene Schüler des Meisters; drei davon sind im Ersten Weltkrieg gefallen. Der Charakter dieser Stücke ist demnach auch verhalten, zumeist leise und getragen. Manche harmonischen Abläufe lassen aufhorchen.

Einfühlsam eingesetzt

Die Kompositionen wurden auf Orgeln der Dresdner Brüder Emil und Bruno Jehmlich eingespielt, also auf Orgeln aus der Zeit des Komponisten, die den Klang und die Disposition der spätromantischen Zeit bewahrt haben, sichtbar an den fast unzähligen 8‘-Registern, hörbar durch den variationsreichen Klang. Der Interpret spielt auf drei verschiedenen Orgeln. Eine steht in einer Kirche, die beiden anderen, verwendet in den Trauergesängen, stehen, dem Sujet angemessen, in einer Friedhofskirche und in einem Krematorium. Von Knebel hat die verschiedenen Orgeln mit ihren vielfältigen Klängen einfühlsam eingesetzt.

Die Aufnahmetechnik produzierte ein Klangbild, das an manchen Stellen doch recht mulmig wirkt und besonders in den schnellen Teilen wenig Durchhörbarkeit produziert hat. Das gilt vor allem für die schnellen Sätze der Sonate. Hier hätte man sich mehr Klarheit gewünscht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hans Fährmann: Orgelwerke V: Dietrich von Knebel, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
Querstand
1
Medium:
EAN:

CD
4025796020120


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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