> > > Saint-Saens: Music for Wind Ensemble: Band of the RAF College, Jun Märkl
Donnerstag, 17. Juni 2021

Saint-Saens: Music for Wind Ensemble - Band of the RAF College, Jun Märkl

Schwungvoll, aber auch etwas eintönig


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Blasorchester-Arrangements mit viel Schwung, aber wenig Abwechslung: Dafür gibt es sicherlich besser geeignete Werke als die hier ausgewählten von Camille Saint-Saëns.

Wer beim Kürzel 'RAF' sofort an Terroristen denkt, dem versichere ich: Das Hören dieser CD ist absolut legal. Die hier musizierende 'Band of the RAF College' ist auch nicht durch Terroranschläge bekannt geworden, sondern durch erstklassiges Zusammenspiel – in diesem Fall unter dem Dirigenten Jun Märkl, der sich wie kaum ein zweiter Orchesterleiter für Camille Saint-Saëns engagiert hat. 'RAF' bedeutet in diesem Fall 'Royal Air Force', und die Band (also das Blasorchester) der britischen Luftstreitkräfte hat auf vorliegender Silberscheibe einige der bekanntesten, aber auch unbekannte Arrangements das französischen Komponisten eingespielt.

Wie bei jedem Arrangement für Blasorchester besteht auch hier die Problematik, dass der Klang der Streicher durch andere Klanggruppen gleichsam ‚aufgefangen‘ werden muss, so dass ein wichtiges Element des Originals wohl oder übel verlorengeht. Was bei Popmusik-Stücken in den meisten Fällen kein großes Problem darstellt, könnte bei einem so differenziert orchestrierenden Komponisten wie Saint-Saëns schwierig werden. Wie ist Märkl das Experiment gelungen?

Recht eintönig

Die Zusammenstellung von bekannteren (etwa die 'Bacchanale' aus 'Samson und Dalila') und unbekannteren Stücken aus der Feder des Komponisten gibt auf jeden Fall ein differenziertes Bild des Tondichters ab, der immer noch häufig auf den 'Karneval der Tiere' reduziert wird – der hier (natürlich) auch mit einem Stück vertreten ist. Allerdings fällt schon beim ersten Werk, dem Marsch aus 'Orient et Occident' auf, dass die Arrangements doch relativ stabil angefertigt wurden – um es freundlich zu formulieren. Trommel und Becken kommen mit recht eintöniger Regelmäßigkeit bei klanglichen Steigerungen vor und werden wenig ideenreich eingesetzt. Hier und da rutschen die Stücke tatsächlich beinahe auf Bierzelt-Niveau ab, wofür die Musiker der RAF-Band natürlich nicht verantwortlich gemacht werden können. Sie spielen wirklich einwandfrei, jedoch fehlt auf dieser Silberscheibe schlicht die Abwechslung. Spätestens nach dem dritten Stück wird man das Gefühl nicht mehr los, zu vieles schon einmal gehört zu haben. Und das liegt definitiv nicht am Komponisten, der (in den Originalen) wie kaum ein anderer Kollege vielfältig und facettenreich schreiben konnte.

Wer genau dies an Saint-Saëns schätzt und dazu möglicherweise noch wenig mit dem Klang einen Blasorchesters anfangen kann, wird also keinen Gefallen an dieser CD finden. Ist man jedoch bereit, diesen Kompromiss einzugehen, und akzeptiert, dass es immer ein wenig schief sein wird, ein Blasorchester mit einem Symphonieorchester zu vergleichen, so gibt es hier durchaus einige Stücke, an denen man Gefallen finden kann. Neben der berühmten 'Bacchanale' und der gelungenen Auswahl von vier Stücken aus dem Ballett zu 'Henry VIII' ist dies vor allem der 'Löwe' aus dem 'Karneval der Tiere'. Wie Märkl hier den Löwen als kraftmeiernden, aber auch reichlich tollpatschigen ‚König des Tierreiches‘ parodiert, ist durchaus hörenswert. Dieses Arrangement ist aber doch leider die Ausnahme in einer Zusammenstellung, die zwar aus präzise vorgetragener und schwungvoller, aber über weite Strecken leider auch etwas eintönig arrangierter Musik besteht. Es bleibt eine offene Frage, ob die Werke des Franzosen schlicht zu komplex für Blasorchester-Arrangements sind oder ob es mit hochprofessionellen Bearbeitern besser geklappt hätte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens: Music for Wind Ensemble: Band of the RAF College, Jun Märkl

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
747313423477


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Saint-Saens, Camille


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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