> > > Bach: Harpsichord Concertos II: Francesco Corti, Il Pomo d'Oro
Montag, 26. Juli 2021

Bach: Harpsichord Concertos II - Francesco Corti, Il Pomo d'Oro

Schmal besetzte Größe


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Francesco Cortis fortgesetzte Erkundungen in Bachs Reich für Cembalo und Kammerensemble sind ein weiterer schöner Beitrag dazu, Bachs konzertante Musik lebendig zu halten.

Der zweite Teil der Einspielung der Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach durch Francesco Corti und das Ensemble Il pomo d’oro entstand unmittelbar bevor in Italien im Spätwinter 2020 die europaweit ersten umfassenden Maßnahmen zur Pandemieabwehr das Leben aller Menschen von Grund auf veränderten. Corti berichtet im Booklet in sehr persönlichen Worten, wie sehr ‚dieser Bach‘ ihm und seinen Mitstreitern in der langen Zeit seitdem geistige Nahrung und Trost war – in Erinnerung an bessere Zeiten und in der Hoffnung auf eine lichte Zukunft.

Zu hören sind vier Beispiele der Cembalo- oder allgemeiner Klavierkonzerte Bachs, die wie andere Beispiele Umarbeitungen aus anderen Solokonstellationen, in enger Kombination mit weiteren Soli oder in Form eines Concerto grosso konfiguriert sind. Bach war von dieser Sphäre des Italienisch-Konzertanten schon seit seiner Weimarer Zeit beseelt und fand in späteren Leipziger Jahren mannigfaltig Gelegenheit, dieser Neigung kreativ und vorhandene Substanz bewahrend nachzugehen. Im Einzelnen sind die Konzerte BWV 1054 in D-Dur und BWV 1056 in F-Dur zu hören, dazu das ebenfalls in F-Dur notierte BWV 1057, das zwei Blockflöten konzertierenden Raum gibt und dessen Cembalostimme aus der parallelen Violinstimme des vierten Brandenburgischen Konzertes gewonnen ist, dazu mit BWV 1044 ein Tripelkonzert, das neben dem Cembalo Violine und Traversflöte gleichrangige solistische Aufgaben zumisst und dessen Material aus verschiedenen eigenen Vorlagen des Komponisten stammt.

Feine Kammermusikalität

Francesco Corti spielt hier ein 1998 von Andrea Restelli nach einem 1738er Vorbild von Christian Vater gebautes Instrument, das der solistischen Besetzung des Ensembles kongenial entspricht – mit seinem silbrig-feinen Diskant und den eher sehnigen denn fülligen Tiefen fügt es sich glücklich in die solistische Konstellation ein. Corti agiert natürlich – zumindest in den reinen Cembalokonzerten – als Primus inter pares. Dort glänzt er mit perlend elegantem Passagenwerk, singt die Linien in den langsamen Sätzen erstaunlich lyrisch aus, verlässt aber auch in den kadenzierenden Abschnitten nicht seine Rolle als Kammermusiker: Die solistische Geste ist eher gedankenvoll, als dass sie auftrumpfende Züge trägt. Das Ensemble Il pomo d’oro spielt wach und motorisch stark, mit federnden rhythmischen Wirkungen, dazu einem edlen Gesamtklang. Die Blockflöten in BWV 1057 werden von Andrés Locatelli und Alessandro Nasello mit leichthändiger Virtuosität gespielt, ebenso wie die Violine von Evgeni Sviridov und die Traversflöte von Marcello Gatti in BWV 1044 mit vergleichbaren Qualitäten glänzen. Ein in der Summe hohes Niveau an Spielkultur und Ensembleidee, das sich in allen Partien zeigt.

Die Tempi sind dabei grundsätzlich frisch gewählt, aber nicht überdreht angesetzt; den langsamen Sätzen eignet eine entspannte Ruhe. Dynamisch bleiben die Protagonisten nicht schüchtern, werden erstaunlich vielfältige Wirkungen entfaltet. Artikuliert wird, angeführt vom Cembalo, perkussiv-kleinteilig, kontrastierend dazu aber auch betont linear, auch hier ein attraktives Panorama bildend. Das Klangbild ist einerseits intim und konzentriert, man wähnt sich inmitten des Ensembles positioniert; zugleich ist die Wirkung von erstaunlicher Größe, zeigt sich das Ergebnis plastisch profiliert.

Francesco Cortis fortgesetzte Erkundungen in Bachs Reich für Cembalo und Kammerensemble: Ein weiterer schöner Beitrag dazu, Bachs konzertante Musik lebendig zu halten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach: Harpsichord Concertos II: Francesco Corti, Il Pomo d'Oro

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949088964


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Bach, Johann Sebastian


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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