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Dienstag, 28. September 2021

Oper auf Deutsch - Rudolf Schock - Hoffmanns Erzählungen, Cosi fan tutte, Fra Diavolo, Eugen Onegin, Pique Dame

Mehr als eine Hommage an Rudolf Schock


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die deutschsprachigen Gesamtaufnahmen mit Rudolf Schock glänzen auch durch die Mitwirkung von erlesenen Sängerinnen.

'Stimme für Millionen', so hieß ein Album, das Rudolf Schock 1978 aufnahm und das ihm eine Goldene Schallplatte bescherte. Der Titel und das Programm, eine bunte Mischung aus leichten Klassikbearbeitungen, Schlagern, Operetten- und Heimatliedern, waren charakteristisch für den 1915 geborenen Tenor. Er machte keinen Unterschied zwischen E- und U-Musik, trat in Film, Rundfunk und Fernsehen auf und sang sich mit seiner natürlichen, bodenständigen Art in das Herz eines breiten, nicht unbedingt klassikaffinen Publikums. 

Darüber vergisst man oft, dass Schock bis Anfang der 60er Jahre zur ersten Garde im seriösen Tenorfach gehörte. Seine Opernkarriere konzentrierte sich zwar vorwiegend auf den deutschsprachigen Raum, doch sie spielte sich auf den wichtigsten Bühnen ab, in Berlin, Wien, Salzburg und 1959 bei den 'Meistersingern' in Bayreuth. Auch gastierte er 1948 als erster Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg in Londons Covent Garden.

Hohes bis höchstes vokales Niveau

Rudolf Schocks Diskographie ist riesig. Unter seinen vielen Gesamtaufnahmen sind so bedeutende wie 'Freischütz' unter Keilberth oder 'Ariadne' unter Karajan, dazu zahlreiche deutsch gesungene Produktionen fremdsprachiger Opern. Einige von ihnen hat das Label Profil Hänssler, technisch schön aufpoliert, in bislang zwei Kassetten zusammengestellt. Der erste Teil umfasst das italienische Kernrepertoire, vielfältiger ist die Bandbreite der Opern der anderen, hier besprochenen Box. Um es vorweg zu nehmen: Die zwischen 1947 und 1954 entstandenen Tondokumente vereinen hohes bis höchstes vokales Niveau, Ensemblekultur und kapellmeisterliche Erfahrung und Kompetenz, hier vertreten durch Eugen Szenkar, Wilhelm Schüchter, Artur Rother und Hans Schmidt-Isserstedt. 

Kommen wir zu den einzelnen Opern. Offenbachs 'Hoffmanns Erzählungen' prunkt mit einem Frauentrio der Extraklasse: Wilma Lipp ist eine glasklare Olympia, Martha Mödl drückt auch der kleinen Rolle der Giulietta ihren Stempel auf, besonders aber berührt die frühverstorbene Elfride Trötschel, deren Antonia ein Muster an erfülltem Gesang ist. In Mozarts 'Così fan tutte' bilden die belgische Sopranistin Suzanne Danco als vollendete Fiordiligi und Ira Malaniuk als stürmische Dorabella ein sich perfekt ergänzendes Schwesternpaar. Horst Günter ist ein wahrlich eloquenter Guglielmo, Benno Kusche der gestandene Don Alfonso.

Die Aufnahme von Aubers 'Frau Diavolo' versprüht weniger den Esprit einer Opéra comique, sondern steht eher in der Tradition der deutschen Spieloper, die allen Mitwirkenden im Blut liegt. Die sopranleuchtende Zerline von Wilma Lipp setzt dabei vokale Glanzpunkte. Bleiben die Tschaikowski-Opern 'Eugen Onegin' und eine stark gekürzte 'Pique Dame'. Sena Jurinac und Elisabeth Grümmer sind mit ihrem passionierten Gesang und der gestalterischen Intensität als Tatjana und Lisa Idealbesetzungen. Dazu begegnet man solch Kapazitäten wie Hugo Hasslo und Jaro Prohaska, Gottlob Frick und Margarete Klose.

Und Schock selber? Der Wohlklang seines Tenors, die gesangliche Spontaneität und Inbrunst, nicht zu vergessen die außerordentliche Wortdeutlichkeit machen den Rang des Künstlers aus. Stilistische Freiheiten, etwa den Einsatz von Falsetttönen, nimmt man da gerne hin. Die Rollenporträts sind eindrucksvoll: Er hat die Emphase für den Hoffmann und den draufgängerischen Charme für den Fra Diavolo, nur nicht die Flexibilität für den Mozart’schen Ferrando. Ergreifend ist sein Lenski und aus dem Hermann macht er packendes Musikdrama.

Schade nur, dass das Booklet so mager ausgefallen ist. Eine Kurzbiographie von Schock, der Inhalt der Opern und die Besetzungsnamen, das ist alles. Ein wenig mehr hätte man schon gerne über die anderen Mitwirkenden erfahren. Am Wert der Aufnahmen ändert es nichts.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Oper auf Deutsch - Rudolf Schock: Hoffmanns Erzählungen, Cosi fan tutte, Fra Diavolo, Eugen Onegin, Pique Dame

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
10
Medium:
EAN:

CD
881488200669


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Auber, Daniel Francois
Mozart, Wolfgang Amadeus
Offenbach, Jacques
Tschaikowsky, Peter


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


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